Ostara ist das Fest der Frühlings-Tagundnachtgleiche um den 20. März. An diesem Tag sind Licht und Dunkelheit fast gleich lang, und von nun an gewinnt das Licht jeden Tag ein Stück mehr. Für mich ist Ostara deshalb vor allem ein Fest der Balance und ein Fest der Übergänge: Der Winter ist noch nicht ganz vergessen, und doch spürst Du überall, dass etwas Neues beginnt.
Gleichzeitig ist es die Zeit, in der die grüne Kraft in der Natur förmlich explodiert. Bärlauch, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und Brennnessel strecken sich dem Licht entgegen, und oft weiß ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. In diesem Artikel erfährst Du, wann Ostara ist, woher der Name kommt, was hinter dem Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit steckt und wie Du die grüne Fülle in Deinen Alltag holen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Ostara ist das Fest der Frühlings-Tagundnachtgleiche und eines der acht Jahreskreisfeste.
- Wann: um den 20. März, im Jahr 2027 am 20. März um 21:24 Uhr MEZ.
- Name: Der Name geht auf Jacob Grimm zurück, der sich auf die Göttin Eostre beim Mönch Beda stützte. Ob es diese Göttin gab, ist umstritten.
- Bedeutung: Tag und Nacht sind fast gleich lang. Ostara steht für Balance, Übergang und das Erwachen der Natur.
- Für Dich: Jetzt beginnt die grüne Fülle mit Bärlauch, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, Giersch und Brennnessel für Deine Frühlingsküche.
Wann ist Ostara?
Ostara wird zur Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert, die je nach Jahr auf den 19., 20. oder 21. März fällt, meistens auf den 20. März. Im Jahr 2027 ist es am Samstag, dem 20. März, um 21:24 Uhr MEZ so weit. Das ist der astronomische Frühlingsanfang (Angabe nach Sterngucker.de und Smart-Rechner.de).
Was passiert da eigentlich? Die Sonne überquert auf ihrer scheinbaren Bahn den Himmelsäquator und steht mittags senkrecht über dem Erdäquator. Dadurch sind Tag und Nacht überall auf der Erde nahezu gleich lang, jeweils etwa zwölf Stunden. Danach werden bei uns auf der Nordhalbkugel die Tage länger als die Nächte, bis zur Sommersonnenwende im Juni. Ein halbes Jahr später, im September, folgt mit Mabon die Herbst-Tagundnachtgleiche, das Gegenstück zu Ostara.
Woher kommt der Name Ostara?
Hier lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen. Der englische Mönch Beda schrieb im 8. Jahrhundert in seinem Werk über die Zeitrechnung, dass die Angelsachsen den April „Eosturmonath“ nannten, nach einer Göttin namens Eostre, der zu Ehren in diesem Monat Feste gefeiert worden seien. Mehr ist aus alten Quellen über sie nicht bekannt. Im 19. Jahrhundert leitete Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“ daraus eine germanische Frühlingsgöttin „Ostara“ ab und verband ihren Namen mit dem Osten und dem Morgenlicht. Beide Texte findest Du zum Beispiel in der Quellensammlung von D. L. Ashliman (University of Pittsburgh).
Ob es diese Göttin wirklich gab oder ob Beda den Monatsnamen nur erklären wollte, ist in der Forschung bis heute umstritten. Als Jahreskreisfest mit dem Namen Ostara ist das Fest modern: Es entstand im 20. Jahrhundert, als das Rad mit acht Festen zusammengestellt wurde. Mehr dazu liest Du in meiner Übersicht über die acht Jahreskreisfeste.
Was hat Ostara mit Ostern zu tun?
Das deutsche Wort Ostern und das englische Easter werden oft mit Eostre und Ostara in Verbindung gebracht, auch das ist aber nicht eindeutig geklärt. Der Termin von Ostern hängt mit dem Frühlingsbeginn zusammen: Ostern ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Hase und Ei gelten in der Überlieferung als Symbole für Fruchtbarkeit und neues Leben. Dass sie aus einem alten Ostarakult stammen, lässt sich allerdings nicht belegen, und ich erzähle es deshalb lieber als schöne Überlieferung denn als Tatsache.
Was bedeutet Ostara? Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit
Seit der Wintersonnenwende im Dezember sind die Tage langsam länger geworden. Zu Imbolc im Februar hast Du das wiederkehrende Licht vielleicht schon erahnt, an Ostara stehen Licht und Dunkelheit für einen Moment im Gleichgewicht. Danach kippt die Waage, und die helle Hälfte des Jahres beginnt.
Genau dieses Bild macht Ostara für viele Menschen so wertvoll. Es ist ein Fest der Balance, des Neubeginns und des Wachstums. Was im Winter im Verborgenen geruht hat, kommt jetzt ans Licht. Vielleicht kennst Du dieses Gefühl auch: Du hast wieder mehr Lust, draußen zu sein, Pläne zu machen und etwas Neues anzufangen. Manchmal lohnt es sich, in dieser Zeit einmal bewusst zu fragen, was in Deinem Leben gerade aus dem Gleichgewicht geraten ist und was wieder in Balance kommen möchte.
So erlebe ich Ostara
Ostara ist für mich das Fest der Frühlings-Tagundnachtgleiche, und es markiert das Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit. Es ist für mich ein Fest der Balance. Feste feiern ist das eine. Natürlich kann man schöne Rituale machen oder ein Feuer entzünden. Mir ist aber die Qualität der Zeit wichtig, diese Beobachtung, die dann ganz von selbst die Verbindung zu den Festen findet. Ich zelebriere die Feste nicht um ihrer selbst willen, sondern weil die Qualität der Zeit in der Natur gerade so ist. Und es ist doch schön, wenn man dann einen Namen dafür hat.
Beim Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit merkt man, da kommt wieder etwas in Balance. Es ist natürlich auch die Zeit, in der die grüne Kraft in der Natur explodiert. Die Natur merkt, dass das Licht so massiv da ist, dass jetzt alles wieder wächst. Und da weiß ich meistens gar nicht, wo ich als Erstes hinschauen soll, weil es einfach die grüne Fülle ist.
Ich finde es wunderbar, diese grüne Fülle in den Alltag zu integrieren, weil sie uns bei der Frühjahrskur hilft. Das sind ja oft Pflanzen mit Schärfstoffen, ob man nun den Bärlauch oder das Wiesenschaumkraut nimmt. In meiner Erfahrung reinigen sie von den Winterkräften und bereiten uns auf die Sommerkräfte vor. Es ist wieder die Zeit des Übergangs. Wie ich die grüne Fülle nutze, hat jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt. Ideen dafür findest Du in meinen Artikeln hier auf StrahleMensch, einige habe ich Dir weiter unten zusammengestellt.
Welche Wildpflanzen gehören zu Ostara?
Rund um die Tagundnachtgleiche zeigt sich das erste kräftige Grün. Je nach Region und Witterung ist die Natur mal etwas früher, mal etwas später dran. Diese Pflanzen begegnen mir in dieser Zeit besonders oft:
- Bärlauch: Er bringt seine Schärfe durch schwefelhaltige Verbindungen wie Alliin mit, ähnlich wie der Knoblauch (Altmeyers Enzyklopädie). Rezeptideen findest Du in 14 tolle Bärlauch Rezepte und Konservierungsmöglichkeiten.
- Wiesenschaumkraut: Das Kreuzblütengewächs schmeckt kresseartig scharf, weil es Senfölglykoside enthält, deren Gehalt mit der Zeit zunimmt (NaturaDB). Mehr dazu in meinem Porträt Wiesenschaumkraut.
- Löwenzahn: Die jungen Blätter bringen eine feine Bitterkeit in Salate und Pesto, mehr dazu in Fit und Gesund mit Löwenzahn.
- Giersch: Was im Garten oft als Unkraut gilt, ist im Frühling ein mildes Wildgemüse. Warum ich ihn schätze, liest Du in Der Giersch: Unkraut oder Superfood.
- Brennnessel: Die jungen Triebspitzen sind vielseitig in der Küche, mehr in Topfit mit Brennnessel in den Frühling.
- Gänseblümchen: Blüten und junge Blätter sind eine kleine, freundliche Zutat für Salate und Brote, die Du fast überall auf Wiesen findest.
- Veilchen: Die duftenden Blüten sind stille Frühlingsboten, mehr in Veilchen: stille Frühlingsboten voller Kraft und Schönheit.
- Scharbockskraut: Die jungen Blätter kannst Du nur vor der Blüte in kleinen Mengen verwenden, alles Wichtige dazu steht in Scharbockskraut: Ranunculus ficaria.

Sicher sammeln: Bärlauch und Scharbockskraut
Beim Bärlauch ist Vorsicht wirklich wichtig. Er kann mit Maiglöckchen, Herbstzeitlose und jungem Aronstab verwechselt werden, und alle drei sind giftig. Vergiftungen mit Herbstzeitlose können lebensgefährlich sein. Darauf weisen unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg hin. Der Geruchstest allein reicht nicht, denn wenn Deine Finger schon nach Bärlauch riechen, kann er Dich täuschen. Prüfe deshalb jedes einzelne Blatt.
Beim Scharbockskraut steigt mit Beginn der Blüte der Gehalt an Protoanemonin, einem scharfen und reizenden Stoff (Botanischer Garten der Universität Potsdam). Sobald es blüht, lasse ich es deshalb stehen. Und ganz grundsätzlich gilt: Sammle nur, was Du sicher bestimmen kannst. Im Zweifel bleibt die Pflanze, wo sie ist.

Wie kannst Du die grüne Fülle in Deinen Alltag holen?
Wie gesagt, bei mir hat das jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt. Hier findest Du einige Ideen aus meinen Artikeln, mit denen Du das frische Grün ganz einfach in Deine Küche holen kannst:
- Bärlauch Blüten Pesto: wenn der Bärlauch später blüht, lassen sich auch seine Blüten verarbeiten.
- Brennnessel-Smoothie: frische Brennnesseltriebe, gemixt mit Obst und Zitrone.
- Frühlings-Frisch-Pflanzen-Saft: ein Presssaft aus dem, was Dir beim Spaziergang begegnet.
- Neun Kräuter Suppe: die traditionelle Gründonnerstagssuppe mit den ersten Wildkräutern.
- Löwenzahn-Spaghetti mit Bärlauch: Wildkräuter-Pasta aus Löwenzahnstängeln.
- Maultaschen mit Wildpflanzen: eine Frühlingsküche zum Karfreitag.
Du musst Ostara nicht aufwendig feiern, um die Qualität dieser Zeit zu spüren. Geh zur Tagundnachtgleiche einmal bewusst hinaus und schau, wie sich Licht und Dunkelheit am Morgen und am Abend die Waage halten. Ein Frühlingsspaziergang, bei dem Du nur beobachtest, was gerade wächst, ist schon eine schöne Art, das Fest zu begehen. Oder Du säst etwas aus, ein paar Kräuter auf der Fensterbank oder die ersten Samen im Garten, und begleitest sie beim Wachsen.

Ostara im Jahreskreis

Ostara ist eines von acht Festen im Jahreskreis. Davor liegt Imbolc, das Fest des wiederkehrenden Lichts, danach folgt Beltane, das Fest der Lebenskraft. Wie alle Feste zusammenhängen, zeige ich Dir in meiner Übersicht über die acht Jahreskreisfeste.
Häufige Fragen zu Ostara
Wann ist Ostara 2027?
Ostara fällt 2027 auf Samstag, den 20. März. Die Frühlings-Tagundnachtgleiche ist an diesem Tag um 21:24 Uhr MEZ, das ist zugleich der astronomische Frühlingsanfang.
Was hat Ostara mit Ostern zu tun?
Beide liegen im Frühling, und Ostern richtet sich nach dem Frühlingsbeginn: Es ist der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ob das Wort Ostern auf eine Göttin Eostre oder Ostara zurückgeht, ist nicht sicher geklärt.
Gab es die Göttin Ostara wirklich?
Das ist umstritten. Der Mönch Beda erwähnt im 8. Jahrhundert eine angelsächsische Göttin Eostre, weitere alte Belege gibt es nicht. Den Namen Ostara prägte Jacob Grimm im 19. Jahrhundert, das Fest im Jahreskreis ist modern.
Welche Kräuter sammle ich zu Ostara?
Typisch für diese Zeit sind Bärlauch, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, Giersch, Brennnessel, Gänseblümchen und Veilchen. Scharbockskraut nur vor der Blüte. Sammle nur, was Du sicher bestimmen kannst, besonders beim Bärlauch mit seinen giftigen Doppelgängern.
Wie kann ich Ostara feiern?
Ganz einfach: Geh hinaus, beobachte das Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit, sammle ein paar Frühlingskräuter für Deine Küche oder säe etwas aus. Wer mag, entzündet ein kleines Feuer oder gestaltet ein eigenes Ritual.
Wie erlebst Du die Zeit um Ostara? Erzähl es mir gern in den Kommentaren.

Mit den Wildpflanzen durchs Jahr
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- Die acht Jahreskreisfeste: Bedeutung, Daten und Bräuche im Überblick
- Imbolc und Maria Lichtmess: das Fest des wiederkehrenden Lichts
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- Lughnasadh: das Fest der ersten Ernte und des Übergangs in den Herbst
Ich bin Heike Engel, Heilpraktikerin, Qigonglehrerin, Fachberaterin für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen und Pilzcoach. Hier auf StrahleMensch teile ich mein Wissen über Wildpflanzen, Pilze, Naturheilkunde und Qigong und begleite Menschen in Kursen und Online-Angeboten zurück zur Natur und ein Stück näher zu sich selbst.
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