Junger Giersch mit hellgrünen, dreigeteilten Blättern zwischen Gras und Moos

Giersch: Unkraut oder Superfood? Erkennen, sammeln und verwenden

Giersch erkennen und verwenden: Inhaltsstoffe, Volksheilkunde, Doldenblütler-Doppelgänger und meine Rezepte für Giersch-Pesto und Gemüsesuppe.

Mit dem Giersch möch­te ich Dir eine wun­der­vol­le Pflan­ze mit wert­vol­len Inhalts­stof­fen vor­stel­len, die im Früh­ling an jeder Ecke aus dem Boden wächst. Für vie­le Gärt­ne­rin­nen ist er ein Graus. Viel­leicht bekommst Du nach die­sem Arti­kel eine ganz ande­re Ein­stel­lung zu ihm, und es geht Dir wie mir: Mir wächst inzwi­schen zu wenig Giersch im Gar­ten, des­halb hole ich mir gern im Wald noch mehr für mei­nen Speiseplan.

Das Wichtigste in Kürze

  • Giersch (Aego­po­di­um podagra­ria) ist ein Dol­den­blüt­ler, der fast über­all wächst und im Gar­ten oft als Unkraut gilt.
  • Er ent­hält viel Vit­amin C, deut­lich mehr als Kopf­sa­lat, dazu Pro­vit­amin A und Mine­ral­stof­fe wie Eisen, Magne­si­um und Kalzium.
  • Erken­nungs­zei­chen: drei­ge­teil­te Blät­ter und ein drei­kan­ti­ger Blattstiel.
  • Am bes­ten schme­cken die jun­gen Blät­ter, roh im Salat, im Smoothie, als Spi­nat, Pes­to oder in der Suppe.
  • Dol­den­blüt­ler haben gif­ti­ge Dop­pel­gän­ger. Lass Dir den Giersch anfangs zeigen.
Junger Giersch mit hellgrünen, dreigeteilten Blättern zwischen Gras und Moos
Jun­ger Giersch im Frühling

Giersch: Aegopodium podagraria

Der Giersch gehört zu den Dol­den­blüt­lern. Er wächst gern an feuch­te­ren, schat­ti­gen Stel­len, ist aber über­haupt nicht anspruchs­voll, um nicht zu sagen: Er wächst fast über­all. Er kün­digt den Früh­ling an. Wenn sich die ers­ten Giersch­tep­pi­che zei­gen, ist der Früh­ling meist nicht mehr weit.

Gierschteppich mit vielen jungen Blättern am Boden
Wenn sich die ers­ten Giersch­tep­pi­che zei­gen, ist der Früh­ling nicht weit

Wie erkenne ich Giersch?

Sei­ne Blät­ter sind drei­ge­teilt, und jedes Teil­blatt ist noch ein­mal drei­ge­teilt. Ganz typisch ist der drei­kan­ti­ge Blatt­stiel, den Du spürst, wenn Du ihn abzwickst. Wenn Du ihn ein­mal ken­nen­ge­lernt hast, erkennst Du ihn immer wieder.

Hand hält einen abgezwickten Gierschstängel mit dreigeteiltem Blatt
Typisch für Giersch: der drei­kan­ti­ge Stängel

Vor­sicht bei Dol­den­blüt­lern: Zu den Dol­den­blüt­lern gehö­ren auch sehr gif­ti­ge Pflan­zen wie der Gefleck­te Schier­ling oder die Hunds­pe­ter­si­lie. Dol­den­blüt­ler sind des­halb nichts für Anfän­ge­rin­nen. Lass Dir den Giersch beim ers­ten Mal von jeman­dem zei­gen, der ihn genau kennt, und samm­le nur, was Du sicher bestim­men kannst. Giersch ent­hält außer­dem gerin­ge Men­gen Furo­cu­ma­ri­ne. Wenn Du emp­find­li­che Haut hast, trag beim Ern­ten in der Son­ne Handschuhe.

Ess­ba­re Wild­pflan­zen sicher erken­nen ler­nen, das ist das Herz mei­nes Online­kur­ses Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr. Dort stel­le ich Dir vie­le Pflan­zen vor Dei­ner Haus­tür vor, die sich auch für Ein­stei­ge­rin­nen gut eignen.

Inhaltsstoffe: ein regionales Superfood

Der Giersch ist ein ech­tes Vit­amin- und Mine­ral­stoff­wun­der. Im Kraut steckt ein Viel­fa­ches an Vit­amin C im Ver­gleich zu Kopf­sa­lat, ich habe von rund 15-mal so viel gele­sen. Das allein ist ein guter Grund, ihn öfter für den Salat zu ern­ten. Außer­dem ent­hal­ten die Blät­ter reich­lich Pro­vit­amin A und Mine­ral­stof­fe, dar­un­ter Eisen, Magne­si­um und Kal­zi­um. Zu Recht gilt er als regio­na­les Superfood.

Die Sen­so­rik­ab­tei­lung am Insti­tut für Lebens­mit­tel­tech­no­lo­gie der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf hat ver­schie­de­ne Wild­kräu­ter für die Küche unter­sucht. Unter Rosi­na Wes­ter­mei­er ent­stan­den dabei Ver­glei­che, in denen der Vit­amin-C-Gehalt des Gierschs weit über dem von Kopf­sa­lat lag und nur von der Brenn­nes­sel über­trof­fen wurde.

Giersch in der Volksheilkunde

Frü­her war der Giersch in der Volks­heil­kun­de bei Gicht und Rheu­ma sehr geschätzt, daher stammt auch sein Name podagra­ria (Poda­gra ist ein altes Wort für Gicht). Tra­di­tio­nell wur­de er zer­rie­ben auf Insek­ten­sti­che und Son­nen­brand gege­ben oder als Tee getrun­ken: Kraut über­brü­hen und etwa 10 Minu­ten zie­hen las­sen. Wis­sen­schaft­lich belegt ist die Wir­kung nicht, die Tra­di­ti­on ist aber schön zu kennen.

Ich fin­de es auch immer schön, sich das Wesen einer Pflan­ze genau­er anzu­se­hen. Der Giersch ist lebens­freu­dig, kommt im Früh­jahr als einer der Ers­ten aus der Erde, ist neu­gie­rig, lässt sich nicht so schnell ver­trei­ben und nicht unter­krie­gen. Er ist abso­lut lebens­be­ja­hend. Was für wun­der­vol­le Eigen­schaf­ten, von denen wir uns gern eine Schei­be abschnei­den dürfen!

Gelbe Huflattichblüte zwischen jungen Gierschblättern
Giersch und Huf­lat­tich zei­gen sich früh im Jahr

Was kann ich mit Giersch machen?

Du kannst das gan­ze ober­ir­di­sche Kraut ver­wen­den, aber nur die jun­gen Trie­be. Älte­re Trie­be sind meist fase­rig und hart, schme­cken nicht mehr so gut und wer­den auch beim Kochen nicht weich. Wenn nichts Jun­ges mehr wächst, schnei­de die alten Trie­be ein­fach ab, und schon bald hast Du wie­der fri­sches Gemü­se frei Haus.

Ich mag ihn sehr im Smoothie oder ein­fach mit ein paar Blät­tern im Salat, um ihn ken­nen­zu­ler­nen. Wer mutig ist, gibt ihn zum Spi­nat oder macht gleich ganz wil­den Spi­nat dar­aus. Toll ist er auch in Sup­pen und Ein­töp­fen, als Pes­to oder sogar in Glücks­kek­sen. In der Grün­don­ners­tags­sup­pe, der Neun-Kräu­ter-Sup­pe, darf er natür­lich nicht feh­len. Die klei­nen wei­ßen Blü­ten sind eine hüb­sche Deko­ra­ti­on, und die Samen kannst Du frisch oder getrock­net als Gewürz verwenden.

Giersch-Pesto: mein Grundrezept

  • 3 Hand­voll jun­ger Giersch
  • 200 ml Olivenöl
  • 1 Zwie­bel
  • etwas Ghee zum Anbraten
  • gerös­te­te Sesam­sa­men oder fein gemah­le­ne Walnüsse
  • Salz und Pfeffer
  1. Giersch waschen und tro­cken schütteln.
  2. Die Zwie­bel klein schnei­den und in etwas Ghee kurz anbraten.
  3. Sesam in einer Pfan­ne ohne Öl anrösten.
  4. Sesam, Zwie­bel, Salz und Oli­ven­öl zum Giersch geben, mixen, abschme­cken, fertig.

Du kannst eine Hand­voll gemisch­te Kräu­ter dazu­ge­ben, zum Bei­spiel Rin­gel­blu­men­blü­ten, Knob­lauch­s­rau­ke oder Gun­der­mann, oder eine Knob­lauch­ze­he statt der Zwie­bel. Je öfter Du es machst, des­to mehr Spaß macht das Vari­ie­ren. Noch mehr Ideen, auch eine ölfreie Vari­an­te, fin­dest Du in mei­nem Giersch-Pes­to-Arti­kel.

Auf­be­wah­ren: Fri­sche Kräu­ter in Öl sind kein Vor­rat, weil sich unter der Ölschicht Bak­te­ri­en ver­meh­ren kön­nen. Bewah­re das Pes­to im Kühl­schrank auf und ver­brau­che es inner­halb weni­ger Tage. Was Du nicht so schnell isst, frierst Du por­ti­ons­wei­se ein.

Gemüsesuppe mit Giersch

So bekommst Du den Giersch auch an alle, die ihn sonst nicht anrüh­ren würden.

  • 500 g Kartoffeln
  • 1 Stan­ge Lauch, auch Sel­le­rie passt sehr gut
  • 2 Hand­voll Giersch
  • 500 ml Wasser
  • etwas Ghee zum Anbraten
  • Gemü­se­brü­he, Salz und Pfeffer
  1. Kar­tof­feln schä­len und klein schnei­den, Lauch klein schneiden.
  2. Bei­des in einem Topf mit Ghee kurz anbraten.
  3. Wäh­rend­des­sen das Was­ser auf­ko­chen und das Gemü­se damit ablöschen.
  4. Brü­he dazu­ge­ben, den Giersch klein schnei­den und eben­falls dazugeben.
  5. Etwa 10 Minu­ten köcheln las­sen, bis die Kar­tof­feln weich sind.
  6. Mit Salz und Pfef­fer abschme­cken. Wenn Giersch und Gemü­se „ver­steckt“ wer­den sol­len, die Sup­pe ein­fach pürieren.

Ich hof­fe, ich konn­te Dich mit mei­ner Begeis­te­rung für die­se wun­der­vol­le Pflan­ze anste­cken. Wenn Du etwas aus­pro­bierst, freue ich mich über Dei­nen Kommentar!

Häufige Fragen zum Giersch

Ist Giersch giftig?

Nein, Giersch ist ess­bar. Er gehört aber zu den Dol­den­blüt­lern, unter denen es sehr gif­ti­ge Arten gibt. Des­halb ist die siche­re Bestim­mung wichtig.

Wie erkenne ich Giersch?

An den drei­ge­teil­ten Blät­tern, deren Teil­blät­ter noch­mals drei­ge­teilt sind, und am drei­kan­ti­gen Blattstiel.

Wann erntet man Giersch?

Am bes­ten im Früh­ling, solan­ge die Blät­ter jung und hell­grün sind. Nach dem Rück­schnitt treibt er wie­der frisch aus.

Kann man Giersch roh essen?

Ja, jun­ge Blät­ter schme­cken roh im Salat oder Smoothie, leicht nach Peter­si­lie und Möhre.

Wie bekomme ich Giersch im Garten los?

Am bes­ten, indem Du ihn regel­mä­ßig auf­isst! Im Ernst: Ganz los­wer­den ist schwer, weil er sich über Wur­zel­aus­läu­fer ver­brei­tet. Häu­fi­ges Ern­ten schwächt ihn.

Kursbild „Mit den Wildpflanzen durchs Jahr“: Monatskurs mit Heike Engel zum Sammeln, Bestimmen und Zubereiten von Wildpflanzen

Mit den Wildpflanzen durchs Jahr

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Ich bin Hei­ke Engel, Heil­prak­ti­ke­rin, Qigon­g­leh­re­rin, Fach­be­ra­te­rin für Selbst­ver­sor­gung mit ess­ba­ren Wild­pflan­zen und Pilz­coach. Hier auf Strah­le­Mensch tei­le ich mein Wis­sen über Wild­pflan­zen, Pil­ze, Natur­heil­kun­de und Qigong und beglei­te Men­schen in Kur­sen und Online-Ange­bo­ten zurück zur Natur und ein Stück näher zu sich selbst.

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Heike Engel von StrahleMensch

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4 Kommentare

  1. Ich ver­wen­de den Giersch am Liebs­ten in einer Limo­na­de. Ich habe ihn mir im Vor­gar­ten ein­ge­schleppt, da nut­ze ich ihn nicht unbe­dingt. Die Nach­barn öff­nen mir aber jeder­zeit Hof und Gar­ten für die Ern­te.
    Schö­nes Wochen­en­de wünscht Birgit

    1. Hal­lo lie­be Bir­git, Limo­na­de ist was sehr Lecke­res. Das mach ich auch sehr, oder ein­fach nur in Was­ser ein­le­gen ohne Zucker oder mit etwas Honig ist ein­fach geni­al – lie­be Grü­ße
      Heike

  2. Lie­be Heike,

    Ich habe die­ses Jahr, für mich etwas ganz neu­es entdeckt: 

    Giersch­dol­den in der Pfan­ne gebacken. 

    Ein­fach die Dol­de mit dem Kopf nach unten in der Pfan­ne in Öl hell­braun aus­ba­cken. Abtrop­fen las­sen und nach belie­ben auf etwas Kräu­ter Salz set­zen und ser­vie­ren. Man kann sie dann am Stiel grei­fen und ein­fach ab knus­pern. So wie gebra­te­ne Sal­bei­blät­tern!
    Ich fand: extrem lecker!
    Oder man streift die knusp­ri­gen Blü­ten ab und streut sie als Top­ping über Salat etc.
    Oder als “Brö­sel­but­ter”
    Oder trocknen.… 

    Wie­viel Blü­ten darf man eigent­lich verspeisen? 

    Lei­der kann ich kein Pho­to anhängen!

    Lie­be Grüße

    Doris

    1. Hal­lo lie­be Doris,

      das ist ja eine genia­le Idee und wer­de ich auch gleich aus­pro­bie­ren und über den nächs­ten Salat geben.
      Vie­len Dank 

      Lie­be Grü­ße Heike

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