Wenn man bedenkt, welche Pflänzchen es schaffen, den oft noch kalten Nächten zu trotzen und trotzdem jeden Tag ein Stück der Frühlingssonne entgegenzuwachsen, dann weiß man, welche Kraft in ihnen steckt. Diese Kraft können wir uns einverleiben, am besten frisch in Salaten oder Smoothies, aber auch in einer Suppe: der Neun-Kräuter-Suppe.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Neun-Kräuter-Suppe kommt traditionell am Gründonnerstag auf den Tisch, schmeckt aber an jedem Frühlingstag.
- Welche neun Kräuter genau hineingehören, ist nicht überliefert: Nimm, was gerade wächst und was Du sicher erkennst.
- Ich zeige Dir zwei Varianten: wildkräuterintensiv mit Brokkoli und milder mit Kartoffeln und Lauch.
- Die Wildkräuter kommen erst zum Schluss dazu und ziehen nur kurz, so bleiben Farbe und Aroma erhalten.
- Achtung bei Bärlauch, Giersch und Scharbockskraut: Hier gibt es giftige Doppelgänger oder besondere Regeln.

Die Neun-Kräuter-Suppe: ein alter Frühlingsbrauch
Der Überlieferung nach haben schon unsere Vorfahren nach den kargen Wintern eine Suppe aus den ersten Kräutern gegessen, und die Neun spielte dabei immer eine besondere Rolle. Der Brauch hat sich in christlicher Zeit erhalten und wurde zur Gründonnerstagssuppe. Ursprünglich ging es darum, der Natur für das neue Wachstum zu danken und die wintermüden Körper wieder mit frischem Grün zu versorgen. Heute kommt die Suppe meist am Gründonnerstag auf den Tisch. Aber ganz ehrlich: Sie schmeckt an jedem anderen Frühlingstag genauso herrlich.
Diese Wildpflanzen passen in die Suppe
Welche Pflanzen genau in der Suppe waren, ist nicht überliefert. Ich gehe davon aus, dass immer die jeweilige Vegetation eine Rolle gespielt hat. Hier sind die Kräuter, die ich im Frühling finde und mir in der Suppe gut vorstellen kann:
- Brennnessel (Urtica dioica): sehr eisenreich, galt in der Volksheilkunde als harntreibend und kräftigend
- Vogelmiere (Stellaria media): ebenfalls ein Eisenspender, reich an Vitaminen und Mineralstoffen
- Giersch (Aegopodium podagraria): galt als harntreibend und entsäuernd, sein Name Podagraria erinnert an die Verwendung bei Gicht
- Schafgarbe (Achillea millefolium): traditionell als entzündungshemmend und blutstillend bekannt
- Gänseblümchen (Bellis perennis): galt als stoffwechselanregend und „blutreinigend“
- Bärlauch (Allium ursinum): wurde wie Knoblauch als entgiftend und gefäßschützend geschätzt
- Taubnessel (Lamium): galt als antibakteriell und als „Frauenpflänzlein“
- Löwenzahn (Taraxacum officinale): traditionell stoffwechselaktivierend, die EMA stuft ihn als traditionelles Mittel bei leichten Verdauungsbeschwerden ein
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata): galt als antibakteriell und reinigend, die EMA führt ihn als traditionelles Mittel bei Reizhusten
- Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor): traditionell blutstillend und entzündungshemmend, schmeckt nach Gurke
- Rainkohl (Lapsana communis): wurde gegen Verstopfung verwendet
- Waldsauerklee (Oxalis acetosella): galt als „blutreinigend“, wegen der Oxalsäure nur wenig
- Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta): galt als harntreibend, schmeckt kresseartig
- Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis): galt als harntreibend und „blutreinigend“
- Scharbockskraut (Ficaria verna): früher ein wichtiger Vitamin-C-Spender gegen Skorbut, daher der Name, nur vor der Blüte und nur wenig
- Gundermann (Glechoma hederacea): nur als Würze, galt als entzündungshemmend und half traditionell bei Durchfall
- Sauerampfer (Rumex acetosa): Vitamin-C-Spender und „blutreinigend“, wegen der Oxalsäure nicht zu viel
- Brunnenkresse (Nasturtium officinale): Vitamin-C-Spender, ihre Senföle galten als antibiotisch, dazu harntreibend
- Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata): galt als harntreibend und stoffwechselanregend
- Wiesen-Labkraut (Galium mollugo): galt als harntreibend und lymphanregend
- Klettenlabkraut (Galium aparine): traditionell „blutreinigend“ und harntreibend
Diese Angaben zeigen, wie die Pflanzen in der Volksheilkunde verwendet wurden. Wissenschaftlich belegt ist vieles davon nicht, aber eines ist sicher: Sie bringen frisches Grün, Vitamine und Mineralstoffe auf den Teller. Du siehst, neun Wildpflanzen bekommst Du auf alle Fälle zusammen. Geh einfach hinaus, schau, was wächst, und bereite Dir mit guten Gefühlen eine Suppe zu, die Körper und Seele guttut.
Sicher sammeln: Bärlauch kann mit giftigen Pflanzen wie Maiglöckchen, Herbstzeitlose und Aronstab verwechselt werden. Giersch gehört zu den Doldenblütlern, zu denen auch der giftige Gefleckte Schierling zählt. Scharbockskraut nimmst Du nur vor der Blüte und nur wenig, Gundermann nur als Würze, und Sauerampfer und Sauerklee wegen ihrer Oxalsäure nur in kleinen Mengen. Sammle nur, was Du ganz sicher erkennst.
Viele dieser Pflanzen stelle ich Dir in meinem Onlinekurs Mit den Wildpflanzen durchs Jahr ausführlich vor, zusammen mit vielen weiteren essbaren Wildpflanzen vor Deiner Haustür.
So sammelst Du die Kräuter
- Sammle die jungen Triebe und Spitzen ohne schlechte Stellen.
- Sammle am besten vormittags.
- Nimm ein Körbchen mit, luftiger Transport ist für die Wildpflanzen am besten.
Was ich für meine Suppe gesammelt habe
Bei mir waren es Knoblauchsrauke, Taubnessel, Löwenzahn, Behaartes Schaumkraut, Scharbockskraut, Bärlauch, Vogelmiere, Brennnessel und Giersch. Als Blütendeko kamen Gänseblümchen und die Blüten von Schaumkraut und Vogelmiere dazu.









Variante 1: wildkräuterintensiv
Für 2 große oder 4 kleine Portionen.
- 3 bis 5 Handvoll Wildpflanzen
- Kokosöl oder Olivenöl
- 1 Zwiebel
- 150 g Brokkoli
- 1 Liter Wasser
- selbst gemachte Gemüsebrühe
- 100 ml Kokosmilch, optional, ohne schmeckt es noch wilder
- 1 Spritzer Zitronensaft
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss
- optional für eine sahneähnliche Creme: 200 g Cashews, über Nacht eingeweicht, und 180 g Brühe
- Wer die Cashew-Creme möchte: Cashews über Nacht einweichen, das Einweichwasser am nächsten Tag wegschütten und die Cashews mit 180 g Brühe cremig mixen.
- Ein paar schöne Blüten zur Deko beiseitelegen, zum Beispiel Gänseblümchen oder Veilchen.
- Die Wildpflanzen waschen und klein schneiden. Bei Brennnesseln Handschuhe tragen, oder Du legst Bärlauchblätter darüber, dann lassen sie sich gut schneiden.
- Die Zwiebel klein schneiden und im Öl glasig dünsten.
- Den Brokkoli zugeben und kurz mitdünsten.
- Mit Wasser und Brühe aufgießen und kochen, bis der Brokkoli weich ist, etwa 5 bis 10 Minuten.
- Die Wildpflanzen zugeben und kurz ziehen lassen.
- Pürieren, nach Wunsch Cashew-Creme und Kokosmilch einrühren und mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
Früher habe ich die Suppe gern mit Kokosmilch und Cashew-Sauce gemacht, inzwischen liebe ich sie ohne viel mehr. Probier selbst und erzähl mir, wie es Dir schmeckt.
Variante 2: etwas milder
- 3 bis 5 Handvoll Wildpflanzen
- Kokosöl oder Olivenöl
- 1 Zwiebel
- Knoblauch
- 3 Kartoffeln
- 1 Stange Lauch
- ein paar Röschen Brokkoli
- 1 Liter Wasser
- selbst gemachte Gemüsebrühe
- 1 Spritzer Zitronensaft
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss
- Ein paar Blüten zur Deko beiseitelegen.
- Die Wildpflanzen waschen und klein schneiden.
- Zwiebel, Knoblauch und Lauch klein schneiden, die Kartoffeln schälen und würfeln, den Brokkoli in Röschen teilen.
- Zwiebel und Lauch im Öl glasig dünsten, Kartoffeln und Brokkoli kurz mitdünsten.
- Mit Wasser und Brühe aufgießen und kochen, bis die Kartoffeln weich sind.
- Die Wildpflanzen zugeben, kurz ziehen lassen, pürieren und abschmecken.
Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich mag die Suppe so natürlich wie möglich. An den Geschmack muss man sich aber erst gewöhnen, wenn man Wildpflanzen gerade erst in die Ernährung einbaut. Probier es einfach aus, und ich freue mich, wenn Du mir erzählst, welche Variante Du für Dich entdeckt hast. Viel Freude im Wildpflanzen-Frühling!
Häufige Fragen zur Neun-Kräuter-Suppe
Welche neun Kräuter gehören in die Neun-Kräuter-Suppe?
Das ist nicht genau überliefert. Nimm neun Wildkräuter, die gerade wachsen und die Du sicher erkennst, zum Beispiel Brennnessel, Vogelmiere, Giersch, Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Knoblauchsrauke, Taubnessel und Schaumkraut.
Warum isst man sie am Gründonnerstag?
Der Brauch, im Frühling eine Suppe aus den ersten Kräutern zu essen, ist alt. In christlicher Zeit wurde daraus die Gründonnerstagssuppe.
Wann sammle ich die Kräuter am besten?
Vormittags, wenn die Pflanzen frisch und trocken sind. Nimm nur junge Triebe und Spitzen ohne schlechte Stellen.
Wie schneide ich Brennnesseln ohne Handschuhe?
Ich lege Bärlauchblätter über die Brennnesseln, dann lassen sie sich gut schneiden. Handschuhe gehen natürlich auch.
Wie lange dürfen die Kräuter mitkochen?
Nur kurz. Gib sie erst zum Schluss dazu und lass sie ziehen, dann bleiben Farbe und Aroma am besten erhalten.

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18 Kommentare
Ich freue mich, Wildkräuterrezepte zu erhalten
Hallo liebe Inge, dann schau Dich hier einfach um, es gibt einiges zu entdecken. Herzliche Grüße Heike
Herzlichen Dank! Super, dass die Wildkräuter dazu bebildert sind. Für mich als Anfängerin sehr hilfreich! Viele Grüße
sehr gern – soll ja unterstützen – liebe Grüße Heike
Ich bin eine begeisterte Wildpflanzen Sammlerin und freue mich auf neue Rezepte und danke für die ausführliche Info
Dann bist Du hier richtig! Liebe Grüße Heike
Vielen Dank für den lehrreichen Tag und das neun-Kräuter ‑Suppen Rezept
Liebe Elke,
das ist ja ganz toll lieb von dir, dass du das Rezept nochmal einstellst.
Also ich habe die Variante 1 schon voriges Jahr gleich mehrmals zubereitet .
Schmeckt einfach super.
Vielen Dank für Dein Wirken und schöne Ostern in Spanien
Liebe Kerstin,
super gerne – ich mache sie auch jedes Jahr in den verschiedensten Varianten. Aber mir schmeckt sie als Kartoffel-Kräutersuppe einfach immer am Besten. So gab es Sie auch heute wieder bei mir mit spanischen Wildpflanzen – habe 9 entdeckt. Liebe Grüße Heike
Liebe Heike,
vielen Dank für deine Rezepte ueber die 9 Kraeuter-Suppe. Ich werde sie mir morgen Kochen und morgen fRüh losgehen und sammeln.Dein Angebot von Ligurien ist sehr verlockend.Leider kann ich da nicht. Schöne Ostern und herzliche Grüße
Ilse
ich habe heute auch eine 9 Kräutersuppe gekocht. Viel Freude Heike
hallo Heike,ich bin schon seit Jahren Wildkräuterfan.meinen Balkon habe ich auch schon umgerüstet,sodass ich mir ganz spontan Brennessel und co. pflücken kann.Bei mir gab es Gründonnerstag Kräuterquark mit Backkartoffeln.viele Grüße aus dem Harz Gesine
Das hört sich wundervoll an Gesine – liebe Grüße Heike
Liebe Heike,
ich habe deine tolle Seite erst heute, auf meiner Suche nach Anthony William kündige HeilpraktikerInnen entdeckt. Bin schon viele Jahre Vegetarierin – die letzten, wenn möglich bevorzugt vegan und seit 2 Jahren eine begeisterte Anthony W. Anhängern. Eine kurze Anmerkung zur Cashew Sahne: da ist es sinnvoll, das Einweichwasser weg zugießen und mit frischem Wasser, cremig zu mixen.
Ich freue mich, dass ich dich “gefunden” habe.
Danke für dein Sein und Tun!
Viele liebe Grüße aus dem Schwabenland
Andrea 😊
Hallo liebe Andrea, schön, dass Du da bist und danke für den Hinweis mit der Cashewsahne.
Grundsätzlich sollte man das Einweichwasser von Nüssen verwerfen. Meine Recherchen haben jedoch ergeben, dass dies bei Cashews nicht nötig ist. Gerne lerne ich jedoch dazu.
Liebe Grüße Heike
Liebe Heike,
ich danke dir für deine Inspiration!
Ich bin gerade mit dem Segelboot unterwegs und habe natürlich keinen Pürierstab dabei, also habe ich zwei Pellkartoffeln vom Vortag mit der Gabel feinsäuberlich zermatscht und mit ein bisschen Sahne verrührt zur Suppe getan. Die Kräuterchen habe ich mit dem Messer in feine Streifen geschnitten. Die kleinen Blumenkohlröschen blieben eben ganz. Es war sooooo lecker und es sah auch sehr schön aus!
Liebe Elke,
wie wunderbar – das klingt nach einer echten Wildkräuter-Gourmetküche auf hoher See!
Ich liebe Deine kreative Umsetzung ohne Pürierstab – ganz im Flow des Moments.
Und: Mit Gabel, Messer und Blumenkohlröschen geht’s eben auch ganz zauberhaft!
Danke fürs Teilen – das macht richtig Lust aufs Nachkochen.
YeaH – nicht aufhalten lassen, genau so! 💚⛵️
Sonnige Grüße übers Wasser
Heike 🌿
Liebe Heike,
ganz lieben Dank auch für Deine Nachricht.
Die Kräuter Mischung habe ich aus dem Handel.
Wahrscheinlich könnte man sie sofern vorhanden auch selbst suchen, und die Verfügbarkeit gegeben wäre.
Zubereitung der 7 Kräuter Sauce aus Hessen
Die sieben Kräuter klein schneiden, Salz, Pfeffer und Senf, kein Essig, sondern etwas Zitronensaft und bisschen Olivenöl.
Dann habe ich Saure Sahne, Quark, Joghurt und etwas Creme Fraiche genommen.
Auf die Mayonnaise verzichte ich, machen einige.
Denke, der Geschmack der Kräuter sollte im Vordergrund stehen.
Dazu gibt es Kartoffeln und Eier ( hart gekocht).
Viele liebe Grüsse Dagmar