Um den 21. Juni ist Sommersonnwende, der längste Tag des Jahres mit dem höchsten Sonnenstand. Die Sonne erreicht ihren Zenit, bevor sie sich langsam wieder zurückzieht. Dieser Wendepunkt im Jahr war schon immer ein besonderer Tag: draußen in der Natur, in alten Kulturen, in den Herzen der Menschen.
Litha ist der Name, unter dem die Sommersonnwende im modernen Jahreskreis der acht Jahreskreisfeste gefeiert wird. In der neueren Naturspiritualität begegnet Dir außerdem der walisische Name Alban Hefin, das „Licht des Sommers“. Er stammt allerdings aus der neuzeitlichen Druidenbewegung und nicht, wie man oft liest, von den alten Kelten. Wann die Sonnenwende genau ist und was es mit Johanni auf sich hat, liest Du ausführlich in meinem Artikel Die Sommersonnenwende: eine Zeit auf der Schwelle.
Im Christentum wurde die Sommersonnwende später mit dem Fest Johannes des Täufers am 24. Juni verknüpft, daher auch der Name Johannistag für die Zeit um die Sonnenwende herum. Am 24.6. sammelt man traditionell auch das Johanniskraut. Jedoch sollte man heutzutage rund um diese Zeit schauen, wie weit die Natur ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Litha ist der Name der Sommersonnwende im modernen Jahreskreis der acht Feste, das Fest des längsten Tages und des höchsten Sonnenstands.
- Wann: Zur Sommersonnenwende am 20. oder 21. Juni. Viele feiern die Tage bis zum Johannistag am 24. Juni mit.
- Name: Beda Venerabilis überliefert Litha als angelsächsischen Namen für die Monate Juni und Juli. Als Festname ist Litha modern.
- Symbolik: Licht, Fülle und Wende, denn ab jetzt werden die Tage wieder kürzer.
- Feiern: Kräuter sammeln, ein kleines Feuer oder eine Kerze, Dankbarkeit und ein Blick auf die zweite Jahreshälfte.
Woher kommt der Name Litha?
Der Name Litha ist alt, das Fest unter diesem Namen dagegen jung. Er geht auf den englischen Mönch und Gelehrten Beda Venerabilis zurück, der um das Jahr 725 in seiner Schrift über die Zeitrechnung (De temporum ratione) die alten angelsächsischen Monatsnamen aufgeschrieben hat. Juni und Juli hießen dort Ærra Liða und Æftera Liða, also der frühere und der spätere Litha-Monat. Beda erklärt Litha mit „sanft“ oder „schiffbar“, weil in diesen Monaten die Winde ruhig sind und man gut zur See fahren kann.
Ein Fest namens Litha erwähnt Beda nicht. Als Name für das Fest der Sommersonnenwende wurde Litha erst in den 1970er Jahren im modernen Jahreskreis eingeführt, zusammen mit Namen wie Ostara und Mabon. Alte Wurzeln hat dagegen der Brauch, die Sonnenwende mit Feuer und Kräutern zu feiern. Davon erzähle ich Dir weiter unten.
Wofür steht Litha? Ein Tag der Fülle, des Innehaltens, der Wende
Litha steht für den Höhepunkt des Lichts, für Fülle und Reife und zugleich für die Wende, denn ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Die Natur steht in voller Kraft. Die Wiesen sind üppig, die Kräuter stehen hoch, die Sonne brennt warm. Es ist die Zeit des Sammelns, denn viele Heilpflanzen stehen jetzt in voller Blüte, und für viele von ihnen ist das traditionell die beste Sammelzeit. Johanniskraut, Beifuß, Kamille, Schafgarbe, Königskerze, Ringelblume, Eisenkraut: Wer eine Hausapotheke mit wilden Heilpflanzen pflegt, ist jetzt unterwegs.
Ich bin eigentlich jeden Tag draußen unterwegs, und wenn es auch nur im eigenen Garten ist. So spüre und sehe ich die Natur und wie weit die Heilpflanzen stehen. Rund um diese Tage ist dann Erntezeit für meine Heilpflanzenapotheke. Die Kräuter eher frühmorgens nach dem Abtrocknen des Taus und so um die Mittagszeit für die Blüten. Ich beobachte genau, spüre in die Pflanzen, ernte nur das, was gebraucht wird. Achtsam, still, mit Respekt. Das ist keine Massenproduktion, das ist ein Gespräch mit der Natur. Diese Tage erfüllen mich immer mit großer Dankbarkeit im Herzen.
Die gesammelten Kräuter trockne ich für Tees und Räucherungen, stelle Ölauszüge her, manchmal Tinkturen. Manchmal binde ich auch einen Sonnwendkranz mit genau den Pflanzen, die in dem jeweiligen Jahr besonders stark sprechen. Auf alle Fälle ist jetzt die Zeit, die Räucherbuschen zu binden.

Wie wurde die Sommersonnwende früher gefeiert?
Die Sommersonnwende wurde früher mit Feuer gefeiert. Auf Hügeln und Dorfplätzen brannten Sonnwendfeuer. Man sprang darüber, weil man glaubte, sich so zu reinigen oder Schutz zu holen, man tanzte, sang, und der Juni galt vielerorts als beliebter Monat für Hochzeiten. Der Überlieferung nach sollten die Feuer das Licht noch mehr stärken, damit es nicht zu schnell schwindet. Denn es ist der längste Tag des Jahres. Ab dort schwindet die lichtvolle Tageszeit jeden Tag ein wenig, bis es sich zur Wintersonnwende wieder umkehrt.
In ländlichen Gegenden war auch das Kräutersammeln rund um die Sommersonnwende ein fester Brauch mit klaren Regeln: Blätter wurden teils früh am Morgen gesammelt, wenn sie vom Morgentau bedeckt waren, Blüten aber, besonders Sonnenpflanzen, pflückte man mittags, wenn sie ganz geöffnet sind und ihr volles Licht in sich tragen.
In der Johannisnacht, also rund um den 24. Juni, glaubte man, dass besondere Kräfte am Werk sind. Es heißt: Wer barfuß durch den Tau läuft, bleibt das ganze Jahr gesund. Auch das Finden des Johanniskrauts war eine wichtige Handlung, denn die leuchtend gelbe Blume galt als Schutzpflanze gegen „dunkle Kräfte“. Falls Du Johanniskraut innerlich anwenden möchtest: Es kann die Wirkung vieler Medikamente abschwächen, zum Beispiel der Pille, und die Haut lichtempfindlicher machen. Sprich das am besten vorher mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt oder in der Apotheke ab.
In meiner Region ist es üblich, dass man sich trifft. Die Nachbarschaft kommt zusammen zu einem Umtrunk und Musik und einem Feuer.
Was ich an diesem Tag tue
Ich mache kein großes Ritual, aber ich nehme mir bewusst Zeit. Für ein kleines Feuer, für eine stille Stunde draußen. Ich verbrenne Beifuß oder Wacholder. Ich danke der Natur. Ich schreibe vielleicht auf, was ich loslassen will, und verbrenne es. Wie das als kleines Ritual aussehen kann, habe ich Dir in Ein kleines Sommersonnenwende-Ritual für die zweite Jahreshälfte aufgeschrieben.
Manchmal lade ich mir ein paar Menschen ein oder werde auch eingeladen. Wir sitzen ums Feuer, erzählen, trinken Tee, sammeln gemeinsam oder tauschen Kräuter aus. Immer wieder wird ein Kräutlein ins Feuer geworfen. Der Duft steigt auf. Es ist kein „Event“. Es ist einfach ein gemeinsames Dasein in der Natur.
Wie kannst Du Litha feiern? Impulse für Deinen eigenen Sommersonnwendtag
Du kannst Litha ganz einfach feiern: Geh hinaus, nimm das Licht bewusst wahr und schenke dem Tag ein kleines Zeichen der Dankbarkeit. Ein paar Anregungen dafür:
- Geh raus. Allein oder mit Menschen, die Dir guttun.
- Sammle ein oder zwei Kräuter, bewusst und achtsam.
- Zünde in Dankbarkeit eine kleine Kerze oder ein Feuer an.
- Schreib auf, was Du in der zweiten Jahreshälfte anders leben willst.
- Trinke einen Tee aus frischen Kräutern.
- Sitze im Licht. Spüre die Wärme. Und erinnere Dich: Du bist Teil von all dem.
Wenn Du ein Feuer machst, dann nur in einer Feuerschale oder an einer erlaubten Feuerstelle und nie im oder direkt am Wald. Gerade im Sommer ist die Waldbrandgefahr oft hoch, schau also vorher, ob in Deiner Gegend ein Feuerverbot gilt.
Ein Tag wie ein Wendepunkt
Die Sommersonnwende ist kein Spektakel, sondern ein natürlicher Übergang. Ein stiller Moment, in dem wir uns erinnern können: Das Leben ist zyklisch. Nichts bleibt, wie es ist.
Jetzt ist Zeit für Fülle, für Ernte, für Bewusstheit. Und bald kommt wieder die Zeit für Rückzug, für Nachdenken, für Neuorientierung. An diesem Tag aber gilt: Steh ins Licht. Schau, was gewachsen ist. Ernte, was Du gesät hast.
Alles Liebe für Dich
Heike Engel
Wildpflanzenfrau mit Herz & Bodenhaftung
Häufige Fragen zu Litha
Was ist Litha?
Litha ist der Name für die Sommersonnwende im modernen Jahreskreis der acht Jahreskreisfeste. Gefeiert wird der längste Tag des Jahres, an dem die Sonne ihren höchsten Stand erreicht.
Wann ist Litha?
Litha wird zur Sommersonnenwende gefeiert, also am 20. oder 21. Juni. Viele feiern die Tage bis zum Johannistag am 24. Juni mit, das genaue Datum findest Du in meinem Artikel zur Sommersonnenwende.
Woher kommt der Name Litha?
Der Name stammt aus einer Liste angelsächsischer Monatsnamen, die der Mönch Beda Venerabilis um 725 aufgeschrieben hat; dort hießen Juni und Juli Litha. Als Name für das Fest der Sommersonnenwende wird Litha erst seit den 1970er Jahren verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Litha und Johanni?
Litha ist der moderne Name für das Fest der Sommersonnenwende im Jahreskreis. Johanni, der Johannistag am 24. Juni, ist das christliche Fest der Geburt Johannes des Täufers, mit dem die alten Sonnwendbräuche später verbunden wurden.
Wie feierst Du Litha? Ich freue mich sehr, wenn Du mir einen Kommentar dalässt und von Deinen Ritualen, Erlebnissen und Gedanken zur Sommersonnwende erzählst.
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Ich bin Heike Engel, Heilpraktikerin, Qigonglehrerin, Fachberaterin für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen und Pilzcoach. Hier auf StrahleMensch teile ich mein Wissen über Wildpflanzen, Pilze, Naturheilkunde und Qigong und begleite Menschen in Kursen und Online-Angeboten zurück zur Natur und ein Stück näher zu sich selbst.
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