Morgen, am 21.6., ist Sommersonnenwende. Die Sonne erreicht ihren höchsten Stand am Himmel. Die Natur steht in voller Kraft. Überall blüht, summt und duftet es. Für mich ist dies jedes Jahr ein ganz besonderer Moment.
Einerseits liebe ich diese Fülle. Die langen Abende. Die warmen Tage. Das Licht. Andererseits schleicht sich auch immer ein wenig Wehmut ein. Denn mit der Sommersonnenwende beginnt bereits die langsame Rückkehr der Dunkelheit. Die Tage werden wieder kürzer, zunächst kaum spürbar, aber doch unausweichlich.
Vielleicht ist genau das die große Weisheit dieses Tages.
Mitten im Höhepunkt erinnert uns die Natur daran, dass alles im Wandel ist. Nichts bleibt stehen. Alles bewegt sich in Kreisen. Wachstum und Rückzug. Licht und Dunkelheit. Anfang und Ende.
Deshalb nutze ich die Sommersonnenwende gerne, um für einen Moment innezuhalten.
Nicht um große Ziele zu planen. Nicht um noch mehr zu tun. Sondern um wahrzunehmen, was bereits da ist.
Vielleicht magst Du Dir dafür etwas Zeit schenken.
Gehe hinaus in die Natur. Suche Dir einen Platz, an dem Du Dich wohlfühlst. Das kann ein Waldweg sein, eine Wiese, Dein Garten oder ein Platz am Wasser.
Lass Deinen Blick schweifen.
Welche Pflanzen begegnen Dir?
Welche Farben leuchten Dir entgegen?
Welche Düfte liegen in der Luft?
Vielleicht entdeckst Du Johanniskraut, das nun beginnt seine goldenen Blüten zu öffnen. Vielleicht begegnet Dir Schafgarbe, Frauenmantel oder eine andere Pflanze, die Dich gerade anspricht.
Nimm wahr, was Dich berührt.
Ich selbst sammle an diesem Tag gerne einige Blüten und Pflanzen für einen kleinen Strauß. Nicht nach festen Regeln. Einfach das, was mich ruft. Zuhause stelle ich ihn in eine Vase und freue mich noch einige Tage über dieses Geschenk der Natur.
Dann nehme ich mir ein paar Minuten Zeit für einen Rückblick.
Was ist in den vergangenen Monaten gewachsen?
Welche schönen Begegnungen durfte ich erleben?
Was hat mich erfreut?
Wofür bin ich dankbar?
Oft sehen wir nur das, was noch nicht gelungen ist. Die Sommersonnenwende erinnert mich daran, auch die Fülle wahrzunehmen.
Manchmal schreibe ich auch auf einen kleinen Zettel, was ich loslassen möchte. Sorgen, Zweifel, alte Gedanken oder Dinge, die mir nicht mehr guttun. Wenn es möglich ist, verbrenne ich diesen Zettel anschließend in einer feuerfesten Schale und beobachte, wie sich die Worte langsam in Asche verwandeln.
Danach formuliere ich einen Wunsch für die zweite Jahreshälfte.
Nicht zehn Wünsche.
Nur einen.
Etwas, das meinem Herzen wirklich wichtig ist.
Diesen Wunsch bewahre ich an einem besonderen Ort auf und lasse ihn wie einen kleinen Samen in mir weiterwachsen.
Am Ende meines Rituals danke ich.
Der Erde unter meinen Füßen.
Der Sonne.
Dem Wasser.
Den Pflanzen.
Dem Leben.
Denn je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, dass die größten Geschenke oft nicht die Dinge sind, die wir erreichen, sondern die Augenblicke, die wir wirklich erleben.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft der Sommersonnenwende.
Nicht mehr zu leisten.
Nicht mehr zu planen.
Sondern für einen Moment still zu werden und die Fülle des Lebens wahrzunehmen.
Ich wünsche Dir einen lichtvollen Sommersonnentag, viele kleine Wunder am Wegesrand und Augenblicke, in denen Du Dich tief mit der Natur und dem Leben verbunden fühlst.
Von Herzen
Heike Engel
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