Wenn im Herbst mein Dampfentsafter läuft, bleibt am Ende ein Fruchtkorb voller weicher, noch feuchter Quittenstücke übrig. Viele werfen diesen Trester einfach auf den Kompost. Ich mache daraus eine meiner liebsten Naschereien: Quittenleder. Und zwar nur aus Quitte, ohne Zucker, ohne Gewürze, ohne irgendetwas anderes.
Hier zeige ich Dir, wie ich Quittenleder selber mache: vom Trester über den Thermomix bis in den Dörrautomaten. Weil es beim Trocknen ein bisschen Gefühl braucht, erzähle ich Dir auch, woran ich erkenne, dass es fertig ist, und was ich mache, wenn es an manchen Stellen noch zu weich ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Quittenleder ist getrocknetes Fruchtpüree, eine Art Fruchtgummi aus reiner Quitte.
- Meine einzige Zutat: der Trester, der beim Entsaften im Fruchtkorb übrig bleibt. Kein Zucker, keine Gewürze.
- So geht es: Trester cremig mixen, etwa einen halben Zentimeter dick auf die Dörrfolie streichen und bei 50 Grad trocknen.
- Dauer: bei mir etwa 7 Stunden, je nachdem, wie dick Du aufgestrichen hast.
- Fertig ist es, wenn es gummiartig ist und nicht mehr klebt, aber noch nicht brüchig.
Mein Rezept für Quittenleder
Das brauchst Du
- den Trester, der nach dem Entsaften im Fruchtkorb übrig bleibt
- sonst nichts
Geräte
- einen Dampfentsafter
- einen Thermomix oder einen kräftigen Standmixer
- einen Dörrautomaten mit Dauerbackfolien
- eine Schere
Zeit: etwa 2 Stunden zum Entsaften, etwa 7 Stunden zum Dörren, eventuell noch ein wenig Nachtrocknen.
Quitten vorbereiten: Öl und Kerne kommen zuerst
Quittenleder ist bei mir kein eigenes Projekt, sondern der letzte Schritt einer ganzen Quittenkette. Nach der Ernte reibe ich zuerst den Flaum von den Früchten ab, am besten mit einem Küchentuch. Von einigen Quitten schäle ich die Schale ab und setze sie in Oliven- oder Mandelöl an. Daraus wird mein Quittenöl für die Naturkosmetik.

Dann schneide ich das Kerngehäuse heraus und gebe die Quittenstücke in den Obstkorb des Entsafters. Die Kerne hole ich aus dem Kerngehäuse heraus und hebe sie auf, denn auch aus Quittenkernen lässt sich noch etwas machen. Für das Leder ist das wichtig: Die Kerne gehören nicht in den Mixer. Sie enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerkleinern Blausäure freigesetzt werden kann. Deshalb landen bei mir nur Quittenstücke ohne Kerngehäuse im Entsafter.

Entsaften: Der Trester bleibt übrig
Die Quitten entsafte ich im Dampfentsafter, den mir meine Mama vor vielen Jahren geschenkt hat. Ein Durchgang dauert bei mir etwa 2 Stunden, nicht länger. Danach sind die Quittenstücke weich und blass geworden, aber noch feucht, und genau so brauche ich sie für das Leder. Aus dem Saft koche ich mein Quittengelee. Wie das genau geht, habe ich Dir in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.


Den Trester cremig mixen
Den Trester gebe ich in meinen Thermomix und schlage ihn cremig. Er wird wirklich schön glatt und sieht schon in diesem Moment so lecker aus, dass ich mich zurückhalten muss. Mehr kommt nicht hinein. Kein Zucker, kein Zimt, kein Zitronensaft, nur Quitte.
Einen Thermomix brauchst Du dafür nicht unbedingt. Ein kräftiger Standmixer oder ein guter Pürierstab sollte es auch schaffen, wichtig ist nur, dass die Masse ganz glatt wird. Ich selbst mache es immer im Thermomix, mit anderen Geräten habe ich es noch nicht ausprobiert.
Aufstreichen: dünn, aber nicht durchsichtig
Die Masse streiche ich auf die Dauerbackfolien, die zu meinem Dörrautomaten gehören. Gekauft habe ich ihn bei Keimling. Wie dick? Nachgemessen habe ich ehrlich gesagt nie. Mein Maß ist: so dünn wie möglich, aber man darf nicht mehr durchschauen können. Das ist ungefähr ein halber Zentimeter, eine schöne, gleichmäßige Schicht.
Gleichmäßig ist dabei das eigentliche Geheimnis. Wo die Schicht dicker ist, braucht sie länger, und dann hast Du später weiche Stellen neben fertigen. Das passiert mir auch immer wieder, ist aber kein Drama, wie Du gleich siehst.

Dörren bei 50 Grad: Woran ich erkenne, dass es fertig ist
Bei mir trocknet das Quittenleder etwa 7 Stunden bei 50 Grad. Die Zeit passt erstaunlich gut, hängt aber natürlich davon ab, wie dick Du aufgestrichen hast. Nach dieser Zeit schaue ich es mir an. Ist die Oberfläche trocken, ziehe ich das Leder von der Folie ab und lege es umgedreht wieder darauf, damit auch die Unterseite gut trocknen kann.
Fertig ist es, wenn es gummiartig ist. Es soll sich biegen lassen und nicht mehr kleben, darf aber nicht brüchig werden. Hast Du ungleichmäßig aufgestrichen, gibt es manchmal noch weiche Stellen. Dann nehme ich einfach eine Schere, schneide ab, was schon die richtige Konsistenz hat, und gebe den Rest noch einmal für eine Stunde in den Dörrer. Danach schaue ich wieder nach, so lange, bis alles fertig ist. Nach ein, zwei Durchgängen hast Du den Dreh raus, wie dick und wie lange es bei Dir sein muss.
So prüfe ich die Konsistenz
- Gummiartig und biegsam: fertig.
- Klebt noch oder ist weich: noch eine Stunde in den Dörrer.
- Bricht beim Biegen: war zu lange im Dörrer oder zu dünn aufgestrichen. Schmeckt trotzdem, ist aber eher ein Chip als Leder.
Streifen, Röllchen oder kleine Häppchen
Wie Du das Leder schneidest, ist Geschmackssache. Ich habe es schon in Streifen geschnitten und aufgerollt, das sieht hübsch aus, gerade im Glas oder als Geschenk. Am liebsten schneide ich aber einfach kleine Vierecke. Das ist ein richtig leckerer kleiner Haps für zwischendurch.

Wie schmeckt Quittenleder ohne Zucker?
Vielleicht fragst Du Dich, ob ausgekochter Trester nicht fad schmeckt. Bei mir ist das Gegenteil der Fall. Quittenleder schmeckt nach Quitte, etwas säuerlich und gleichzeitig süß, Du hast den vollen Quittengeschmack im Mund. Beim Kauen löst es sich langsam auf und gibt sein ganzes Aroma ab. Ich finde diesen Moment jedes Mal großartig.
Wenn es Dir zu herb ist oder Du es süßer magst, kannst Du beim Mixen natürlich Zucker zugeben. Ich finde das aber nicht nötig. Die meisten von uns versuchen ohnehin, weniger Zucker zu essen, und gerade hier zeigt die Quitte, dass sie ihn gar nicht braucht.
Quittenleder aufbewahren und verschenken
Ich bewahre mein Quittenleder in einem Glas im Kühlschrank auf. Wenn es richtig trocken ist, klebt es kaum noch, Du bekommst die Stücke also problemlos wieder auseinander. Wie lange es sich hält, kann ich Dir ehrlich gesagt nicht sagen, denn bei mir ist es nie lange da. Ich nasche es sehr gern, und ich verschenke es gern.
Mein Tipp: Denk schon im Herbst an Weihnachten. Ein Glas mit Quittenleder-Röllchen ist ein schönes Geschenk aus der eigenen Küche. Spätestens an Weihnachten ist mein Vorrat verteilt, und danach habe ich meistens nichts mehr. Freude ist genossen und verteilt.
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Häufige Fragen zu Quittenleder
Brauche ich für Quittenleder einen Thermomix?
Nein. Ich nutze meinen Thermomix, weil er den Trester sehr fein und cremig macht. Ein kräftiger Standmixer oder Pürierstab sollte auch funktionieren, solange die Masse ganz glatt wird.
Muss Zucker in Quittenleder?
Nein. Mein Quittenleder besteht nur aus Quittentrester und schmeckt trotzdem süß und säuerlich zugleich. Wer es süßer mag, kann beim Mixen etwas Zucker zugeben.
Bei welcher Temperatur und wie lange wird Quittenleder getrocknet?
Ich trockne es bei 50 Grad etwa 7 Stunden im Dörrautomaten. Je dicker die Schicht, desto länger dauert es. Weiche Stellen schneide ich ab und gebe sie noch eine Stunde zurück in den Dörrer.
Kann ich Quittenleder im Backofen trocknen?
Ich habe es selbst nur im Dörrautomaten gemacht. Im Backofen geht es grundsätzlich auch, bei möglichst niedriger Temperatur und mit einem Kochlöffel in der Ofentür, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Behalte es dann gut im Blick, denn viele Öfen heizen auf niedriger Stufe ungleichmäßig.
Kann ich Quittenleder ohne Dampfentsafter machen?
Ja, dann aus Quittenmus statt aus Trester. Ich mache es immer aus dem Trester, weil er sonst übrig bliebe. Ohne Entsafter kannst Du die geputzten Quitten weich kochen, pürieren und genauso aufstreichen. Wie ich Quittenmus koche, zeige ich Dir in meinem Rezept für Quittenmus.
Wie bewahre ich Quittenleder auf?
Ich bewahre es in einem Glas im Kühlschrank auf. Gut getrocknet klebt es kaum zusammen.
Mein Fazit
Quittenleder ist für mich das schönste Beispiel dafür, wie viel in einer einzigen Quitte steckt. Aus der Schale wird Öl, die Kerne hebe ich auf, aus dem Saft wird Gelee, und aus dem, was übrig bleibt, wird eine Nascherei, auf die ich mich jedes Jahr wieder freue. Probier es doch einfach einmal aus, wenn Du das nächste Mal Quitten entsaftest. Und erzähl mir gern in den Kommentaren, wie Dein erstes Quittenleder geworden ist.

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