Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich ohne extra Zucker

Holunder und Vogelbeeren gehören für mich zum Spätsommer einfach dazu. In diesem Rezept kombiniere ich die beiden heimischen Wildfrüchte mit reifen Birnen zu einem kräftigen, fruchtig-herben Fruchtaufstrich – ganz ohne extra Zucker.

Wenn Holunder und Vogelbeeren gleichzeitig reif werden

Wenn im Spät­som­mer die schwar­zen Holun­der­bee­ren reif wer­den und gleich­zei­tig die oran­ge-roten Vogel­bee­ren an den Bäu­men hän­gen, beginnt für mich eine wun­der­ba­re Zeit in der Wildpflanzenküche.

Der Schwar­ze Holun­der (Sam­bu­cus nigra) beglei­tet mich schon sehr lan­ge. Wenn sei­ne schwe­ren Frucht­dol­den dun­kel­vio­lett bis fast schwarz an den Sträu­chern hän­gen, weiß ich: Der Herbst ist nicht mehr weit.

Fast zur glei­chen Zeit leuch­ten vie­ler­orts die Früch­te der Vogel­bee­re oder Eber­esche (Sor­bus aucu­pa­ria). Sie schme­cken deut­lich her­ber als Holun­der­bee­ren und brin­gen dadurch einen ganz eige­nen Geschmack in die Wildpflanzenküche.

Irgend­wann woll­te ich wis­sen: Was pas­siert eigent­lich, wenn ich bei­de Wild­früch­te mit­ein­an­der kombiniere?

Genau dar­aus ist die­ser Holun­der-Vogel­beer-Frucht­auf­strich ent­stan­den. Die rei­fen Bir­nen brin­gen natür­li­che Süße mit, sodass ich kei­nen zusätz­li­chen Zucker verwende.

Schwarze Holunderbeeren (Sambucus nigra) reif am Strauch
Rei­fe schwar­ze Holun­der­bee­ren (Sam­bu­cus nigra) am Strauch. Ver­wen­det im Rezept für Holun­der-Vogel­beer-Frucht­auf­strich ohne extra Zucker.

Kann man Vogelbeeren essen?

Für mei­nen Frucht­auf­strich ver­wen­de ich die Vogel­bee­ren des­halb nicht roh. Ich koche sie zusam­men mit den Holun­der­bee­ren gründ­lich, bis die Früch­te weich sind.

Die Vogel­bee­re oder Eber­esche (Sor­bus aucu­pa­ria) erkennst Du an ihren gefie­der­ten Blät­tern und den auf­fäl­li­gen oran­ge-roten Früch­ten, die in dich­ten Büscheln am Baum hängen.

Vie­le Men­schen ken­nen noch den Satz: „Vogel­bee­ren sind gif­tig.“ Ganz so ein­fach ist es jedoch nicht. Die Früch­te kön­nen ver­ar­bei­tet ver­wen­det werden.

Roh sind Vogel­bee­ren sehr herb und ent­hal­ten Para­sor­bin­säu­re, die in grö­ße­ren Men­gen zu Magen-Darm-Beschwer­den füh­ren kann. Des­halb ver­wen­de ich Vogel­bee­ren nicht roh, son­dern erhit­ze sie bei der Ver­ar­bei­tung gründlich.

Reife Vogelbeeren der Eberesche (Sorbus aucuparia) am Baum
Rei­fe oran­ge-rote Vogel­bee­ren der Eber­esche (Sor­bus aucu­pa­ria). Die Früch­te wer­den für den Holun­der-Vogel­beer-Frucht­auf­strich verarbeitet.

Warum ich auch Holunderbeeren erhitze

Auch die Bee­ren des Schwar­zen Holun­ders ver­wen­de ich nicht roh. Ich sor­tie­re unreife/grüne Früch­te sorg­fäl­tig aus und erhit­ze die rei­fen Holun­der­bee­ren bei der Ver­ar­bei­tung gründlich.

Wenn Du mehr über das Erken­nen, Ern­ten und Ver­ar­bei­ten von Holun­der­bee­ren wis­sen möch­test, habe ich dazu einen eige­nen aus­führ­li­chen Arti­kel geschrieben:

→ Holun­der­bee­ren – mei­ne Kraft­pa­ke­te für den Winter

Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich ohne extra Zucker

Die Kom­bi­na­ti­on ist unge­wöhn­lich: Die Vogel­bee­ren brin­gen ihre her­be Note mit, der Holun­der sei­ne dunk­le Fruch­tig­keit und die sehr rei­fen Bir­nen sor­gen für natür­li­che Süße.

So ent­steht ein kräf­ti­ger Wild­frucht­auf­strich, der deut­lich weni­ger süß schmeckt als eine klas­si­sche Kon­fi­tü­re – und genau das mag ich daran.

Zutaten:

  • 400 g Eber­esche (nur die Beeren)
  • 500 g Holun­der­bee­ren (ohne Ästchen)
  • 3–4 sehr rei­fe Bir­nen (ich hat­te Wil­liams Christ)
  • Saft von 2 Bio – Zitronen
  • 2 leicht gehäuf­te TL Agar-Agar

Hin­weis: Agar-Agar kann je nach Pro­dukt unter­schied­lich stark gelie­ren. Beach­te des­halb zusätz­lich die Men­gen­an­ga­be auf Dei­ner Packung und pas­se die Men­ge gege­be­nen­falls an.

So bereite ich den Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich zu

1. Holunder und Vogelbeeren vorbereiten:

Holun­der und Eber­esche ern­ten und von den Äst­chen befrei­en. Nimm Dir dazu genü­gend Zeit, es ist eine medi­ta­ti­ve Arbeit oder hole Dir lie­be Men­schen dazu – gemein­sam macht es viel Spaß!

Zubereitung von Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich mit Holunderbeeren und Vogelbeeren
Zube­rei­tung des Holun­der-Vogel­beer-Frucht­auf­strichs: Vogel­bee­ren und Holun­der­bee­ren wer­den von den Stie­len befreit und für die wei­te­re Ver­ar­bei­tung vorbereitet.

2. Wildfrüchte weich kochen:

Gib Holun­der- und Vogel­bee­ren zusam­men in einen gro­ßen Topf und erhit­ze sie mit geschlos­se­nem Deckel. Lass die Früch­te köcheln, bis sie weich sind.

3. Birnen und Zitronensaft dazugeben:

  • Neben­her kannst Du die Bir­nen von Kern­haus und Stil befrei­en und klein schnei­den und dann zugeben. 
  • Pres­se den Saft der bei­den Zitro­nen aus und gebe sie zu den Früchten.
  • Nimm etwa 10 EL der hei­ßen Frucht­flüs­sig­keit ab und stel­le sie in einem Schäl­chen bei­sei­te. Dar­in rüh­re ich spä­ter das Agar-Agar an.

4. Fruchtmasse fein pürieren:

  • Mit dem Zau­ber­stab mixen (Vor­sicht – Mas­se beginnt dann gern zu sprit­zen – sehr heiß)

5. Mit Agar-Agar gelieren:

  • 2 leicht gehäuf­te TL Agar-Agar in die erkal­te­te Flüs­sig­keit geben und
  • in die Mas­se einrühren 
  • noch­mals ca. 2 Minu­ten köcheln
  • Gelier­pro­be machen (einen Löf­fel Mas­se auf ein Tel­ler geben und beim Erkal­ten prü­fen, ob es schon genug geliert)
  • Mir war es immer noch zu kör­nig und ich habe die Mas­se auf 2 Etap­pen in den Ther­mo­mix gege­ben und feinpürriert.

6. In Gläser füllen:

  • Zügig (in vor­her heiß aus­ge­spül­te Glä­ser geben)
  • Zudre­hen und auf den Kopf stel­len und unter einem Hand­tuch abküh­len lassen

Mein Fazit: herb, fruchtig und ganz anders als klassische Marmelade:

Ich mag die­sen Frucht­auf­strich gera­de des­halb, weil er nicht wie eine klas­si­sche süße Mar­me­la­de schmeckt. Die Vogel­bee­ren brin­gen eine deut­li­che her­be Note mit, der Holun­der sei­ne dunk­le Fruch­tig­keit und die rei­fen Bir­nen sor­gen für die natür­li­che Süße.

Wenn Du es lie­ber süßer magst, kannst Du das Rezept natür­lich an Dei­nen Geschmack anpas­sen. Ich kann mir auch Zwetsch­gen statt der Bir­nen sehr gut vor­stel­len – das wer­de ich selbst noch ausprobieren.

Für mich steckt in sol­chen Rezep­ten genau das, was ich an der Wild­pflan­zen­kü­che so lie­be: hin­aus­ge­hen, ent­de­cken, sam­meln und aus dem, was direkt vor unse­rer Haus­tür wächst, etwas Eige­nes machen.

Viel Freu­de beim Ausprobieren!

Eure Hei­ke

Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich ohne extra Zucker in Gläsern
Fer­tig abge­füll­ter Holun­der-Vogel­beer-Frucht­auf­strich aus Holun­der­bee­ren, Vogel­bee­ren und rei­fen Bir­nen ohne extra Zucker.

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Häufige Fragen zum Holunder-Vogelbeer-Fruchtaufstrich

Kann man Vogelbeeren essen?

Ja, Vogel­bee­ren bzw. die Früch­te der Eber­esche (Sor­bus aucu­pa­ria) kön­nen ver­ar­bei­tet ver­wen­det wer­den. Roh sind sie sehr herb und ent­hal­ten Para­sor­bin­säu­re, die Magen-Darm-Beschwer­den ver­ur­sa­chen kann. Ich ver­wen­de sie des­halb nicht roh, son­dern erhit­ze sie gründlich.

Kann man Holunderbeeren roh essen?

Ich ver­wen­de Holun­der­bee­ren nicht roh. Ins­be­son­de­re unrei­fe Früch­te und die Samen ent­hal­ten Sam­bu­nig­rin, ein cya­no­ge­nes Gly­co­sid, aus dem im Kör­per Blau­säu­re ent­ste­hen kann. Durch aus­rei­chen­des Erhit­zen wird Sam­bu­nig­rin abge­baut. Bun­des­zen­trum für Ernährung

Warum heißt das Rezept „ohne extra Zucker“?

Weil ich kei­nen Haus­halts- oder Gelier­zu­cker hin­zu­ge­be. Die ver­wen­de­ten Bir­nen und Bee­ren ent­hal­ten jedoch von Natur aus Zucker. Des­halb ist „ohne extra Zucker“ die pas­sen­de­re Bezeichnung.

Kann ich statt Birnen anderes Obst verwenden?

Ich habe die­ses Rezept mit sehr rei­fen Bir­nen zube­rei­tet. Zwetsch­gen kann ich mir geschmack­lich eben­falls gut vor­stel­len, habe die­se Vari­an­te aber noch nicht ausprobiert.

Das ist wich­tig: nicht so tun, als hät­ten wir die Zwetsch­ge­n­va­ri­an­te getestet.

Wie lange ist der Fruchtaufstrich haltbar?

Hier wür­de ich kei­ne kon­kre­te mona­te­lan­ge Halt­bar­keit ver­spre­chen, weil Dein Rezept ohne klas­si­schen Zucker­an­teil kon­ser­viert wird.

Da die­ser Frucht­auf­strich ohne zusätz­li­chen Zucker her­ge­stellt wird, ver­las­se ich mich nicht auf die Halt­bar­keit einer klas­si­schen Kon­fi­tü­re. Arbei­te sehr sau­ber, fül­le den Auf­strich heiß in geeig­ne­te Glä­ser und prü­fe die Glä­ser vor dem Ver­zehr immer auf ein­wand­frei­en Zustand. Geöff­ne­te Glä­ser gehö­ren in den Kühl­schrank und soll­ten zügig ver­braucht werden.

Weiterlesen auf StrahleMensch:

→ Holun­der­bee­ren – mei­ne Kraft­pa­ke­te für den Winter

→ Eber­esche (Vogel­bee­re) – unter­schätz­te Wildfrucht

→ Holun­der­blü­ten-Sirup

Quellen und weiterführende Informationen:

👉 Mehr über Heike Engel

👉 Mehr über Angebote von Heike Engel

👉 Mehr über den Verein und seine Projekte

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