Ich kann es nicht sagen warum, aber die Pilze ziehen mich magisch an. Ich esse sie nicht mal so super gern. Ja – ich mache mir schon mal ein Gericht. Aber das Essen ist es nicht, was mich in die Pilze treibt. Warum man einen ganzen regnerischen Sonntag durchgefroren im Wald verbringt und glücklich nach Hause fährt. Erklären kann ich es nicht. Aber ich kann sagen, dass es mir so geht. So war es auch am Sonntag. Einmal im Monat trifft sich unsere kleine Gruppe und geht gemeinsam auf Pilzsuche. Es sind meist alle Pilzsachverständige, und das ist für mich jedes Mal etwas ganz Besonderes. Ich bin zwar selbst Pilzcoach, aber ich weiß lange nicht so viel wie die anderen, die seit Jahrzehnten jeden Herbst im Wald stehen. Genau deshalb gehe ich so gern mit. Ich komme jedes Mal reicher zurück, und diesmal ganz besonders.
Denn an diesem Tag habe ich endlich gelernt, drei Schwefelköpfe sicher zu unterscheiden, die mich lange verunsichert haben: den Grünblättrigen, den Ziegelroten und den Rauchblättrigen Schwefelkopf. Zwei davon solltest Du stehen lassen, einer ist essbar. Ich nehme Dich mit in den Schwäbischen Wald und zeige Dir, woran Du sie erkennst.
Das Wichtigste in Kürze
- Grünblättriger Schwefelkopf: giftig, bitter, grünliche Lamellen, das Fleisch im Stiel leuchtet schwefelgelb wie ein Textmarker.
- Ziegelroter Schwefelkopf: ungenießbar, bitter, ziegelroter Hut, wächst vor allem auf Laubholz.
- Rauchblättriger Schwefelkopf: essbar, mild, rauchgraue Lamellen, wächst vor allem auf Nadelholz.
- Vorsicht: Der Rauchblättrige kann mit dem tödlich giftigen Gifthäubling verwechselt werden.
- Iss nur Pilze, die Du zweifelsfrei bestimmt hast. Im Zweifel hilft eine Pilzsachverständige oder ein Pilzsachverständiger.

Ein Baumstamm voller Pilze
Unterwegs waren wir mit Karl-Heinz Johe, Pilzsachverständiger und beim NABU aktiv. Jeder hat für sich gesammelt, hat geschaut, gebückt, gedreht und gerochen. Ich hatte mir neue Wanderschuhe gekauft und es hatte viel geregnet – endlich. Aber ich sah aus. Und die Brombeeren machten mir das Leben auch nicht leicht und nicht nur einmal kämpfte ich mich durch Dickicht. Aber es hat sich gelohnt. Alle kamen aus den verschiedensten Ecken mit ihren Körben aus dem Wald und dann haben wir alles auf einem großen Baumstamm ausgebreitet und gemeinsam bestimmt. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie schön das war. Da liegen plötzlich über fünfzig verschiedene Arten nebeneinander, Maronenröhrlinge neben Trompetenpfifferlingen, ein Fliegenpilz, ein Gelber Knollenblätterpilz, zarte Helmlinge, Milchlinge und Täublinge. Jeder Fund hat eine Geschichte, und jede Frage bringt die ganze Runde zum Nachdenken.
Gerade dieses gemeinsame Bestimmen ist für mich der größte Schatz. Man vergleicht, man nimmt einen Pilz noch einmal in die Hand, man riecht daran, man diskutiert. Und dabei lernt man so viel mehr als aus jedem Buch.
Ich habe mir drei Pilze rausgesucht, von denen ich Dir erzählen möchte:
Warum sind Schwefelköpfe so leicht zu verwechseln?
Schwefelköpfe (Gattung Hypholoma) wachsen meist in dichten Büscheln auf totem Holz, an Baumstümpfen, auf liegenden Stämmen oder auf Holz, das im Boden vergraben ist. Sie haben gelbliche bis orange oder ziegelrote Hüte und hinterlassen ein dunkel violettbraunes Sporenpulver. Weil sie sich in Wuchs und Farbe so ähneln, sehen sie auf den ersten Blick fast gleich aus. Schau doch einmal genauer hin, denn die Unterschiede sind da, wenn man weiß, worauf man achten muss.
Grünblättriger Schwefelkopf: giftig
Der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist einer der häufigsten Pilze überhaupt und wächst auf Laub- und Nadelholz. Sein Hut ist schwefelgelb, zur Mitte hin oft orange. Die Lamellen sind jung gelb, werden dann grünlich und später olivbraun. Er schmeckt bitter und ist giftig: Er löst Erbrechen und Durchfall aus.
Mein Lieblingsmerkmal habe ich am Sonntag gelernt, meinen Textmarker-Trick: Wenn Du den Stiel aufschneidest oder auseinanderziehst, leuchtet das Fleisch innen schwefelgelb, fast wie ein Textmarker. Die beiden anderen Schwefelköpfe sind innen zwar auch nicht weiß, sondern eher cremefarben bis blassgelb, aber dieses kräftige Leuchten haben sie nicht.

Ziegelroter Schwefelkopf: ungenießbar
Der Ziegelrote Schwefelkopf (Hypholoma lateritium) trägt seinen Namen zu Recht. Sein Hut ist ziegelrot, zum Rand hin heller. Er wächst vor allem auf Laubholz, gern an Buchen- und Eichenstümpfen. Die Lamellen sind jung gelblich und werden später grau bis olivbraun, das Fleisch ist cremefarben bis hellgelb.
Hier kam bei uns der Geschmack ins Spiel: Der Ziegelrote ist bitter. Bei uns gilt er deshalb als ungenießbar, und er wird auch als möglicher Auslöser von Magen-Darm-Beschwerden geführt. Spannend fand ich, dass er in Japan und Nordamerika gegessen und sogar kultiviert wird. Ich lasse ihn trotzdem stehen.

Rauchblättriger Schwefelkopf: essbar
Der essbare Rauchblättrige Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) ist der Gute unter den dreien. Er wächst vor allem auf Nadelholz, und sein Hut ist eher blass ockergelb bis orangebräunlich. Das wichtigste Merkmal steckt im Namen: Seine Lamellen sind rauchgrau, nicht grünlich und nicht gelb. Und er schmeckt mild, nicht bitter. Wie fast alle Wildpilze isst Du ihn nur gut gegart.

Wie unterscheidest Du die drei Schwefelköpfe?
| Merkmal | Grünblättriger | Ziegelroter | Rauchblättriger |
|---|---|---|---|
| Hut | schwefelgelb, Mitte orange | ziegelrot, Rand heller | blass ockergelb bis orangebräunlich |
| Lamellen | gelb, dann grünlich | gelblich, später grau bis oliv | rauchgrau |
| Fleisch im Stiel | leuchtend schwefelgelb | cremefarben bis blassgelb | blassgelblich |
| Geschmack | bitter | bitter | mild |
| Holz | Laub- und Nadelholz | vor allem Laubholz | vor allem Nadelholz |
| Speisewert | giftig | ungenießbar | essbar |

Wichtig: Der Rauchblättrige hat einen gefährlichen Doppelgänger
Bevor Du jetzt losziehst und Rauchblättrige sammelst, muss ich Dir noch etwas ans Herz legen. An ähnlichen Stellen, auf totem Holz und ebenfalls in Büscheln, wächst der Gifthäubling (Galerina marginata). Er enthält dieselben Gifte wie der Grüne Knollenblätterpilz und kann tödlich sein. Er ist auch der gefürchtete Doppelgänger des Stockschwämmchens, das wir am Sonntag ebenfalls gefunden haben.

Das wichtigste Merkmal ist der Stiel: Beim Gifthäubling ist er silbrig überfasert, beim Stockschwämmchen unterhalb des Rings schuppig. Auch das Sporenpulver hilft: Beim Gifthäubling ist es rostbraun, bei den Schwefelköpfen dunkel violettbraun. Trotzdem gilt hier ganz besonders: Ein Artikel im Internet kann Dir beim Pilzesammeln niemals die Sicherheit geben, die Du brauchst. Wenn Du Dir nicht absolut sicher bist, lass den Pilz von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen prüfen, zum Beispiel über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM).
Ein Wort zur Geschmacksprobe
Pilzkundige nutzen den Geschmack als Merkmal, so wie wir am Sonntag bei den Schwefelköpfen. Dabei wird nur ein winziges Stückchen kurz auf der Zunge zerkaut und dann wieder ausgespuckt, niemals geschluckt. Die Geschmacksprobe ist ein Hilfsmittel für Menschen, die die Gattung bereits sicher kennen. Sie ersetzt keine Bestimmung, und bei unbekannten Pilzen solltest Du sie nicht machen.
Pilze und ihr Substrat: Wo ein Pilz wächst, verrät viel
Was mir bei den Schwefelköpfen wieder bewusst geworden ist: Nicht nur der Pilz selbst gibt Hinweise, sondern auch das, worauf er wächst. Pilzkundige sprechen vom Substrat. Wächst er auf Holz oder auf dem Boden? Auf Laubholz oder Nadelholz? Auf einem Stumpf, auf Zapfen, auf Laub oder sogar auf einem anderen Pilz? Am Sonntag lagen zum Beispiel Stäubende Zwitterlinge auf unserem Baumstamm, die auf alten Schwarztäublingen wachsen.

Viele Pilze sind eng an bestimmte Bäume oder Unterlagen gebunden. Wenn Du Dir also beim Sammeln angewöhnst, immer auch auf den Untergrund und die Bäume rundherum zu achten, hast Du schon ein wichtiges Bestimmungsmerkmal mehr in der Tasche.
Plötzlich war ich die, die erklärt
Und dann kam noch etwas, worüber ich mich sehr gefreut habe. Karl-Heinz hat am Nachmittag einen Pilzkurs für die Volkshochschule gegeben, und ich durfte mitlaufen und ihm assistieren. Ausgerechnet die Schwefelköpfe durfte ich der Gruppe erklären, die ich am Vormittag selbst noch einmal so genau angeschaut hatte. Ich habe ihnen das leuchtend gelbe Fleisch gezeigt, über den bitteren und den milden Geschmack gesprochen und erzählt, warum es sich lohnt, auf das Substrat zu achten.
Wenn in der Gruppe etwas unklar war, konnte ich weiterhelfen. Das war ein schönes Gefühl. Am selben Tag Lernende und Lehrende zu sein, zeigt mir, dass man beim Pilzwissen nie fertig ist, und genau das macht es für mich so lebendig.
Was an diesem Tag auf dem Baumstamm lag
An diesem einen Sonntag haben wir über 50 Pilzarten gefunden. Damit Du eine Vorstellung bekommst, wie vielfältig ein einziger Herbsttag im Schwäbischen Wald sein kann, hier unsere Fundliste. Sie ist kein Sammelratgeber, denn darunter sind essbare, ungenießbare und giftige Arten:
Unsere Fundliste vom Sonntag aufklappen
- Eiszitterling
- Stäubender Zwitterling auf Schwarztäubling
- Gallertfleischiges Stummelfüßchen
- Dehnbarer Helmling
- Rostiger Helmling
- Rosa Rettichhelmling
- Gelber Knollenblätterpilz
- Fliegenpilz
- Wollig gestiefelter Schirmling
- Amiantkörnchenschirmling
- Laubholz-Knäueling
- Ungezonter Violettmilchling
- Eichenmilchling
- Fleischblasser Milchling
- Bruchreizker (Maggipilz)
- Lachsreizker
- Grüner Anistrichterling
- Fuchsiger Röteltrichterling
- Nebelkappe
- Buchenspeitäubling
- Orangeroter Heftelnabeling
- Stockschwämmchen
- Maronenröhrling
- Kuhröhrling
- Gebuckelter Lackporling
- verschiedene Porlinge und Schichtpilze
- Trompetenpfifferling
- Falscher Pfifferling
- Kahler Krempling
- Samtfußkrempling
- Steife Koralle und weitere Korallen
- Rotschuppiger Holzritterling
- Olivgelber Holzritterling
- Strohblasser Schüppling
- Sparriger Schüppling
- Pinselschüppling
- Erdigriechender Dickfuß
- Dunkler Hallimasch
- Grünblättriger Schwefelkopf
- Ziegelroter Schwefelkopf
- Rauchblättriger Schwefelkopf
- Geflecktblättriger Flämmling
- Schopftintling
- Ziegelgelber Schleimkopf
- Brennender Rübling
- Büschelrasling
- Wohlriechender Schneckling
- Grauer Dachpilz
- einige Arten, die wir nur bis zur Gattung bestimmen konnten
Mein Fazit
Drei Schwefelköpfe, die sich so ähnlich sehen, und doch hat jeder seine eigene Handschrift: das leuchtende Gelb im Stiel, die rauchgrauen Lamellen, der bittere oder milde Geschmack, das Holz, auf dem er wächst. Dass ich sie jetzt wirklich sicher unterscheiden kann, macht mich glücklich. Und vielleicht hast Du beim nächsten Waldspaziergang Lust, an einem Baumstumpf mit gelben Pilzbüscheln stehen zu bleiben und genauer hinzuschauen.
Häufige Fragen zu Schwefelköpfen
Ist der Grünblättrige Schwefelkopf giftig?
Ja. Er schmeckt bitter und löst Erbrechen und Durchfall aus. Erkennen kannst Du ihn an den grünlichen Lamellen und dem leuchtend schwefelgelben Fleisch im Stiel.
Welcher Schwefelkopf ist essbar?
Der Rauchblättrige Schwefelkopf. Er hat rauchgraue Lamellen, schmeckt mild und wächst vor allem auf Nadelholz. Wie fast alle Wildpilze isst Du ihn nur gut gegart.
Ist der Ziegelrote Schwefelkopf essbar?
Bei uns gilt er wegen seiner Bitterkeit als ungenießbar und wird teils mit Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung gebracht. In Japan und Nordamerika wird er zwar gegessen, ich lasse ihn trotzdem stehen.
Womit kann man den Rauchblättrigen Schwefelkopf verwechseln?
Vor allem mit dem tödlich giftigen Gifthäubling, der ebenfalls büschelig auf totem Holz wächst. Ein Unterschied ist das Sporenpulver: beim Gifthäubling rostbraun, bei Schwefelköpfen dunkel violettbraun. Im Zweifel gehst Du immer zu einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen.
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Hinweis: Iss nur Pilze, die Du zweifelsfrei bestimmt hast. Dieser Artikel ersetzt keine Bestimmung durch Pilzsachverständige.