Sanddornstrauch mit zahlreichen reifen orangefarbenen Beeren in Dänemark

Sanddorn in Dänemark – zu Besuch auf einem Hof

Von Jel­ling aus hat­te mich mei­ne Rei­se zunächst noch ein­mal weit zurück in die Geschich­te Däne­marks geführt. Ich hat­te das Egt­ved-Mäd­chen besucht und war gedank­lich gera­de noch irgend­wo in der Bron­ze­zeit unter­wegs gewe­sen, als es für mich wei­ter zu mei­nem nächs­ten Ziel ging.

Dies­mal zog es mich wie­der zu den Pflan­zen. Genau­er gesagt zum Sand­dorn. Sand­dorn begeg­net einem in Däne­mark vor allem in den Küs­ten­land­schaf­ten immer wie­der – doch dies­mal woll­te ich wis­sen, wie die wil­den oran­ge­far­be­nen Früch­te eigent­lich pro­fes­sio­nell ange­baut und geern­tet werden.

Er war mir auf mei­ner Rei­se durch Däne­mark immer wie­der begeg­net. Gera­de an der Küs­te passt die­ser silb­rig-grü­ne, dor­ni­ge Strauch mit sei­nen leuch­tend oran­ge­far­be­nen Bee­ren wun­der­bar in die Land­schaft. Ich woll­te aber nicht nur wil­den Sand­dorn am Weges­rand anschau­en, son­dern hat­te mir einen Hof her­aus­ge­sucht, auf dem Sand­dorn tat­säch­lich ange­baut und geern­tet wird.

Sanddorn direkt vom Erzeuger

Der Hof war kein tou­ris­tisch her­aus­ge­putz­ter Erleb­nis­bau­ern­hof mit gro­ßem Besu­cher­pro­gramm. Hier wird gear­bei­tet. Seit 2010 wird auf den Flä­chen Sand­dorn ange­baut, außer­dem wach­sen dort Blau­bee­ren und Äpfel. Als ich den Hof anfuhr, war es ein Haus mit ein paar Gebäu­den, aber kein Hof­la­den. Also rief ich an. Er woll­te mich erst abwim­meln, aber als er hör­te, dass ich auf dem Hof stand, kam er sofort her­aus und führ­te mich freu­de­strah­lend in einen Raum mit meh­re­ren Gefrier­truen. So hat­te ich mir das nicht vor­ge­stellt. Hier konn­te man nur gefro­re­ne Bee­ren und einen ganz kla­ren Sand­dorn­saft kaufen.

Der Saft mach­te mich neu­gie­rig. Sand­dorn ken­ne ich nor­ma­ler­wei­se in einem kräf­ti­gen Oran­ge und oft eher trüb oder dick­flüs­sig. Die­ser Saft dage­gen war erstaun­lich klar. Gepresst wird er nicht direkt auf dem Hof, son­dern an einem ande­ren Ort.

Natür­lich woll­te ich mehr wis­sen. Also frag­te ich den Besit­zer, ob ich viel­leicht ein­mal sehen dürf­te, wo sein Sand­dorn wächst.

Deutsch sprach er kein Wort.

Aber mit Eng­lisch, Hän­den und Füßen und der Bereit­schaft auf bei­den Sei­ten, ein­an­der irgend­wie zu ver­ste­hen, funk­tio­nier­te es wunderbar.

Und dann ver­schwand er plötz­lich in sei­ner Gara­ge. Kurz dar­auf kam er wie­der her­aus. Mit einem Quad.

Er lächel­te, deu­te­te nach hin­ten und mein­te sinn­ge­mäß: Hüpf drauf. Nun gut. Ich war in mei­nem Leben noch nie Quad gefahren.

Sanddornbauer erklärt den Anbau zwischen den Reihen einer Sanddornplantage in Dänemark
Mit­ten zwi­schen den Sand­dorn­rei­hen erklär­te mir der Bau­er, wie die Sträu­cher ange­baut, gepflegt und regel­mä­ßig zurück­ge­schnit­ten werden.

Und plötzlich saß ich auf einem Quad

Also klet­ter­te ich hin­ten drauf und schon ging es los.

Hui!

Was war das herrlich.

Wir braus­ten über den Hof und hin­aus zu sei­nen Fel­dern. Ich saß hin­ten, hielt mich fest und hät­te vor Freu­de bei­na­he jauch­zen können.

Zuerst kamen wir an lan­gen Rei­hen mit Blau­bee­ren vor­bei. Und dann waren wir mit­ten­drin im Sand­dorn. Rei­he um Rei­he stan­den die Sträu­cher da, dicht behan­gen mit die­sen klei­nen oran­ge­far­be­nen Früchten.

Ich ken­ne Sand­dorn als Wild­pflan­ze und hat­te ihn wäh­rend mei­ner Rei­se immer wie­der gese­hen. Aber es ist noch ein­mal etwas ande­res, mit­ten in einer Sand­dorn­kul­tur zu ste­hen und sich von jeman­dem zei­gen zu las­sen, wie er mit die­ser Pflan­ze arbeitet.

Der Bau­er hielt immer wie­der an und erklär­te mir etwas über sei­nen San­dorn und natür­lich durf­te ich pro­bie­ren. Bei man­chen Bee­ren schüt­tel­te er sich, bei ande­ren sag­te er: Jetzt sei er rich­tig. Da San­dorn immer inten­siv ist, war mir meist nicht ganz klar, wel­che Nuan­cen er da schmeck­te. Ich den­ke, es ist ein biss­chen wie beim Wein.

Sau­er.

Fruch­tig.

Herb.

Und ziem­lich intensiv.

Eben Sand­dorn.

Blick vom Quad auf eine Sanddornplantage mit Reihen voller reifer orangefarbener Beeren in Dänemark
Mit dem Quad ging es mit­ten hin­ein in die Sand­dorn­plan­ta­ge – zwi­schen lan­gen Rei­hen von Sträu­chern, die vol­ler leuch­tend oran­ge­far­be­ner Bee­ren hingen.

Eine Pflanze für Wind, Sand und karge Böden

Dass Sand­dorn gera­de in den Land­schaf­ten rund um Nord- und Ost­see so gut zurecht­kommt, ist kein Zufall.

Der Gewöhn­li­che Sand­dorn (Hipp­ophae rham­no­ides) ist aus­ge­spro­chen genüg­sam. Er ver­trägt Wind, kommt mit san­di­gen und nähr­stoff­ar­men Böden zurecht und bil­det ein weit­rei­chen­des Wurzelsystem.

Dabei bekommt er sogar Hilfe.

An sei­nen Wur­zeln kön­nen Knöll­chen ent­ste­hen, in denen Bak­te­ri­en der Gat­tung Fran­kia leben. Die­se sind in der Lage, Stick­stoff aus der Luft zu bin­den und für die Pflan­ze ver­füg­bar zu machen. Dadurch kann Sand­dorn auch Stand­or­te besie­deln, an denen es ande­re Gehöl­ze schwe­rer haben.

Er gehört damit zu den Pio­nier­pflan­zen, die offe­ne Stand­or­te erobern und mit ihrem Wur­zel­sys­tem zur Fes­ti­gung des Bodens bei­tra­gen kön­nen. (Quel­le: Aar­hus Uni­ver­si­ty – Hav­torn (Hipp­ophae rhamnoides))

Viel­leicht wirkt er des­halb an der däni­schen Küs­te so selbst­ver­ständ­lich. Zwi­schen Dünen, Sand und Wind scheint er genau am rich­ti­gen Platz zu sein.

Sanddorn ist nicht gleich Sanddorn

Was man einem Sand­dorn­strauch nicht unbe­dingt auf den ers­ten Blick ansieht: Es gibt männ­li­che und weib­li­che Pflan­zen. Sand­dorn ist zweihäusig.

Die männ­li­chen Pflan­zen pro­du­zie­ren den Pol­len, die weib­li­chen Pflan­zen tra­gen spä­ter die Früch­te. Die Bestäu­bung über­nimmt haupt­säch­lich der Wind.

Wer Sand­dorn im Gar­ten pflanzt und auf eine rei­che Bee­ren­ern­te hofft, braucht des­halb nicht ein­fach nur „einen Sand­dorn“. Ohne eine pas­sen­de männ­li­che Pflan­ze in der Nähe blei­ben die weib­li­chen Pflan­zen ohne Früchte.

Auf einem pro­fes­sio­nel­len Sand­dorn­feld muss das natür­lich schon bei der Anla­ge der Kul­tur berück­sich­tigt wer­den. Und die­se Kul­tu­ren kön­nen alt wer­den. Auf die­sem Hof ste­hen die Sand­dorn­pflan­zen bereits seit 2010. Er erzähl­te, dass sein Vor­gän­ger sie gepflanzt hät­te. Er hat jetzt auch ein schö­nes Feri­en­haus für Gäs­te dazu gebaut. 

Sanddornplantage in Dänemark mit dicht behangenen Sträuchern voller reifer orangefarbener Beeren
So sieht Sand­dorn im pro­fes­sio­nel­len Anbau aus: Die Sträu­cher ste­hen in lan­gen Rei­hen und sind im Spät­som­mer dicht mit leuch­tend oran­ge­far­be­nen Bee­ren besetzt.

Warum die Astschere zur Ernte gehört

Wäh­rend wir zwi­schen den Rei­hen stan­den, erklär­te mir der Bau­er, dass er sei­nen Sand­dorn regel­mä­ßig zurück­schnei­den müs­se. Sonst wür­den die Sträu­cher mit der Zeit viel zu groß.

Sand­dorn kann tat­säch­lich meh­re­re Meter hoch wer­den. Im Anbau möch­te man aber natür­lich Pflan­zen haben, an denen man noch ver­nünf­tig arbei­ten und ern­ten kann.

Und gera­de die Ern­te ist beim Sand­dorn eine Wis­sen­schaft für sich.

Wer schon ein­mal ver­sucht hat, die Früch­te direkt vom Strauch zu pflü­cken, weiß warum.

Die klei­nen Bee­ren sit­zen dicht an den Zwei­gen und haben nur sehr kur­ze Stie­le. Gleich­zei­tig sind die Zwei­ge dor­nig. Sind die Früch­te rich­tig reif, wer­den sie weich und plat­zen beim Pflü­cken schnell auf.

Bee­re für Bee­re zu pflü­cken wäre ent­spre­chend mühsam.

Also zeig­te er mir, wie er es macht.

Er nimmt eine Ast­sche­re.

Die mit Früch­ten besetz­ten Zwei­ge wer­den abge­schnit­ten und anschlie­ßend mit­samt den Bee­ren ein­ge­fro­ren. Sind die Früch­te rich­tig durch­ge­fro­ren, kön­nen sie wesent­lich leich­ter von den Zwei­gen abge­schüt­telt wer­den. Er ver­glich den Sand­dorn dabei mit einem Mais­kol­ben – die Bee­ren sit­zen dicht an dicht am Zweig.

Spä­ter habe ich nach­ge­le­sen, dass genau sol­che Ver­fah­ren auch im pro­fes­sio­nel­len Sandd­orn­an­bau ein­ge­setzt wer­den. Die schwie­ri­ge Ern­te ist tat­säch­lich einer der arbeits­in­ten­sivs­ten Tei­le des Anbaus. Neben ver­schie­de­nen mecha­ni­schen Ver­fah­ren gehört auch das Abschnei­den bee­ren­tra­gen­der Zwei­ge in Ver­bin­dung mit dem Ein­frie­ren zu den ent­wi­ckel­ten Ern­te­me­tho­den. (Quel­le: Wis­sen­schaft­li­che Über­sicht zu Ern­te­me­tho­den bei Sanddorn)

Und so grei­fen bei ihm Rück­schnitt und Ern­te ineinander.

Ich fin­de es immer wie­der span­nend, sol­che Zusam­men­hän­ge nicht nur irgend­wo zu lesen, son­dern direkt auf einem Feld gezeigt zu bekommen.

Sanddornbauer schneidet einen mit orangefarbenen Beeren besetzten Zweig in einer Sanddornplantage in Dänemark
Mit­ten in der Plan­ta­ge zeig­te mir der Sand­dorn­bau­er, wie die Sträu­cher geschnit­ten wer­den – und schnitt mir gleich einen mit Bee­ren bela­de­nen Zweig zum Mit­neh­men ab.

Und dann schnitt er mir meinen eigenen Sanddornzweig

Irgend­wann nahm er sei­ne Ast­sche­re und schnitt auch für mich einen schö­nen Zweig zurecht.

Voll mit Sanddornbeeren.

Den durf­te ich mitnehmen.

Und als wäre das noch nicht genug, bekam ich unter­wegs auch noch fri­sche Äpfel.

Ich moch­te die­se unkom­pli­zier­te Art so sehr.

Wir kann­ten uns über­haupt nicht. Ich war ein­fach auf sei­nem Hof auf­ge­taucht, hat­te ein paar Sachen gekauft und gefragt, ob ich mir sei­nen Sand­dorn anschau­en dürfe.

Und nun fuhr die­ser freund­li­che Däne mit mir auf dem Quad über sei­ne Fel­der, ließ mich pro­bie­ren, erklär­te mir sei­ne Arbeit, schnitt mir Sand­dorn ab und sam­mel­te mir noch Äpfel ein.

Es sind genau sol­che Begeg­nun­gen, die eine Rei­se für mich beson­ders machen.

15 Tonnen Sanddorn bleiben einfach hängen

Dann erzähl­te er mir etwas, das mich ziem­lich beeindruckte.

Wir stan­den zwi­schen den Sträu­chern, die noch vol­ler oran­ge­far­be­ner Früch­te hingen.

Unge­fähr 15 Ton­nen Sand­dorn, schätz­te er, wür­den dort noch hängen.

Und er wür­de sie nicht mehr ernten.

Er kön­ne damit nichts mehr anfan­gen. Zu Hau­se habe er selbst noch unge­fähr eine Tonne.

Fünf­zehn Tonnen.

Ich schau­te die Rei­hen ent­lang und muss­te die­se Zahl erst ein­mal wir­ken lassen.

Da hing eine Frucht in unglaub­li­cher Fül­le, die wir andern­orts als wert­vol­les Lebens­mit­tel kau­fen – und hier wür­de ein gro­ßer Teil ein­fach an den Sträu­chern bleiben.

War­um für sei­ne gesam­te Ern­te kein Absatz vor­han­den war, konn­te ich in unse­rem Gespräch nicht genau­er klä­ren. Des­halb möch­te ich dar­aus auch kei­ne all­ge­mei­ne Aus­sa­ge über den Sandd­orn­an­bau in Däne­mark machen.

Aber die­ser Anblick ist mir geblieben.

Und der Bau­er sah das Gan­ze offen­bar ziem­lich gelassen.

Denn er erklär­te mir, was nun mit den rest­li­chen Bee­ren pas­sie­ren würde.

Die sei­en für die Vögel.

Betrunkene Vögel im Sanddorn?

Und dann grins­te er wieder.

Die Vögel wür­den die Bee­ren fres­sen, erzähl­te er mir – und davon sogar betrun­ken werden.

Tat­säch­lich gibt es ein rea­les Phä­no­men dahin­ter: Blei­ben zucker­hal­ti­ge Früch­te lan­ge hän­gen, kön­nen Hefen den Zucker ver­gä­ren und dabei Etha­nol bil­den. Bei Vögeln sind nach dem Ver­zehr stark ver­go­re­ner Früch­te tat­säch­lich alko­hol­be­ding­te Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen doku­men­tiert worden.

Was der Mensch nicht mehr ern­tet, bleibt drau­ßen. Für Amseln, Dros­seln und ande­re Tie­re, die sich an den Früch­ten bedienen.

Und bei 15 Ton­nen dürf­te das Buf­fet eine Wei­le rei­chen. Das klingt zunächst nach einer die­ser Geschich­ten, die man sich lachend erzählt. Ganz aus der Luft gegrif­fen ist sie aller­dings nicht: Über­rei­fe Früch­te kön­nen zu gären begin­nen und dabei Alko­hol bil­den. Ob die Vögel sich aus­ge­rech­net an sei­nem Sand­dorn tat­säch­lich „betrin­ken“, konn­te ich natür­lich nicht über­prü­fen. Und ich ken­ne einen Film den ich als Kind gese­hen habe, wo es das Phä­no­men in der Wüs­te gab mit betrun­ke­nen Ele­fan­ten und ande­ren Tieren.

Üppig mit reifen orangefarbenen Beeren behangene Sanddornsträucher auf einer Plantage in Dänemark
Was für eine Fül­le: Die Zwei­ge bie­gen sich unter den unzäh­li­gen oran­ge­far­be­nen Sand­dorn­bee­ren. So üppig hat­te ich Sand­dorn zuvor noch nie gesehen.

Was steckt eigentlich im Sanddorn?

Sand­dorn wird häu­fig als hei­mi­sches „Super­food“ bezeich­net. Mit sol­chen Begrif­fen bin ich inzwi­schen etwas vor­sich­tig, denn eine ein­zel­ne Pflan­ze muss nicht zur Wun­der­frucht erklärt wer­den, um inter­es­sant zu sein.

Aber die Zusam­men­set­zung des Sand­dorns ist tat­säch­lich bemerkenswert.

Beson­ders bekannt ist er für sei­nen Vit­amin-C-Gehalt. Dabei liest man häu­fig Aus­sa­gen wie „zehn­mal mehr Vit­amin C als Zitro­nen“. Ganz so ein­fach ist es aller­dings nicht.

Der Vit­amin-C-Gehalt von Sand­dorn schwankt erheb­lich. Sor­te und Unter­art spie­len eben­so eine Rol­le wie Stand­ort, Rei­fe­grad, Ern­te­zeit, Lage­rung und Verarbeitung.

Neben Vit­amin C ent­hal­ten die Früch­te unter ande­rem Caro­ti­no­ide, die ihnen ihre inten­si­ve oran­ge­gel­be Far­be geben, sowie Fla­vo­no­ide, phe­n­o­li­sche Ver­bin­dun­gen, Toco­phe­ro­le, orga­ni­sche Säu­ren und ver­schie­de­ne Fettsäuren.

Gera­de die­se Mischung aus was­ser- und fett­lös­li­chen Pflan­zen­stof­fen macht Sand­dorn ernäh­rungs­wis­sen­schaft­lich inter­es­sant. (Quel­le: Pub­Med – wis­sen­schaft­li­che Über­sicht zu den Inhalts­stof­fen von Sanddorn)

Und sie erklärt zum Teil auch sei­nen Geschmack.

Warum Sanddorn so herrlich sauer ist

Wer eine fri­sche Sand­dorn­bee­re in den Mund steckt und eine süße klei­ne Frucht erwar­tet, bekommt ziem­lich schnell eine Antwort.

Sand­dorn ist sauer.

Ordent­lich sauer.

Dafür sor­gen vor allem sei­ne orga­ni­schen Säu­ren und das Ver­hält­nis von Zucker und Säu­re. Wie inten­siv eine Frucht schmeckt, hängt wie­der­um von Sor­te und Rei­fe­grad ab.

Ich mag die­sen Geschmack.

Er ist nicht gefäl­lig. Sand­dorn schmeckt nach etwas.

Und des­halb lässt er sich wun­der­bar mit süße­ren Zuta­ten kombinieren.

Aus den Früch­ten ent­ste­hen Saft, Mus, Sirup, Gelee, Frucht­auf­stri­che und vie­le ande­re Pro­duk­te. Auch Sand­dorn­öl wird gewon­nen, wobei zwi­schen Öl aus den Samen und Öl bezie­hungs­wei­se ölrei­chen Bestand­tei­len aus Frucht­fleisch und Scha­le unter­schie­den wer­den muss. Ihre Fett­säu­re­zu­sam­men­set­zun­gen unter­schei­den sich deut­lich. Er gab mir auch gleich noch eini­ge Rezep­te mit – er hat­te eine sol­che Freu­de mich mit Infos zu ver­sor­gen, es war herr­lich. Wir hat­ten bei­de viel Spaß. 

Mei­ne tief­ge­fro­re­nen Bee­ren vom Hof wer­de ich jeden­falls noch ein biss­chen genau­er unter die Lupe nehmen.

Und natür­lich auch den unge­wöhn­lich kla­ren Saft.

Noch einmal aufs Quad

Irgend­wann hat­ten wir alles angeschaut.

Also wie­der hin­ten aufs Quad.

Und wie­der ging es durch die Reihen.

Ich weiß gar nicht, ob der Bau­er ver­stan­den hat, wie viel Freu­de er mir mit die­ser klei­nen Rund­fahrt gemacht hat.

Ich saß hin­ten drauf und hät­te wirk­lich jauch­zen können.

Mei­ne ers­te Fahrt auf einem Quad.

Mit­ten durch däni­sche Blau­beer- und Sanddornfelder.

Vor mir ein freund­li­cher Däne, mit dem ich mich irgend­wie auf Eng­lisch ver­stän­dig­te, obwohl unse­re Unter­hal­tung bestimmt nicht immer gram­ma­ti­ka­lisch per­fekt war.

Neben mir Sanddorn.

In mei­nem Gepäck ein frisch abge­schnit­te­ner Zweig, Äpfel, gefro­re­ne Bee­ren und Sanddornsaft.

Und in mir die­ses herr­li­che Gefühl, zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort gewe­sen zu sein.

Manchmal muss man einfach fragen

Viel­leicht war das für mich das Schöns­te an die­sem Besuch.

Ich hät­te mei­ne Bee­ren und mei­nen Saft kau­fen, mich bedan­ken und wie­der fah­ren können.

Dann wäre es ein net­ter Ein­kauf gewesen.

Statt­des­sen hat­te ich gefragt:

Kann ich viel­leicht etwas von dei­nem Hof sehen?

Mehr war es gar nicht.

Und aus die­ser einen Fra­ge ent­stand mei­ne ers­te Quad­fahrt, ein Aus­flug über die Fel­der und eine Begeg­nung, an die ich mich ver­mut­lich noch lan­ge erin­nern werde.

Genau sol­che Erleb­nis­se mag ich auf mei­nen Reisen.

Ich möch­te nicht nur Sehens­wür­dig­kei­ten abha­ken. Ich möch­te ver­ste­hen, was ich sehe. Ich möch­te mit Men­schen spre­chen, Pflan­zen ken­nen­ler­nen, Din­ge aus­pro­bie­ren und manch­mal ein­fach einer Spur fol­gen, weil sie mich interessiert.

An die­sem Tag führ­te mich die­se Spur vom Egt­ved-Mäd­chen aus der Bron­ze­zeit direkt zu einem däni­schen Sanddornbauern.

Und von dort mit dem Quad mit­ten hin­ein in sei­ne Felder.

Viel bes­ser hät­te ich es nicht pla­nen können.

Frisch geernteter Sanddornzweig mit leuchtend orangefarbenen Beeren auf roten und grünen Äpfeln
Ein klei­ner Schatz von der Sand­dorn­plan­ta­ge: frisch geern­te­ter Sand­dorn zusam­men mit Äpfeln – leuch­ten­des Oran­ge zwi­schen Rot und Grün.

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Viel­leicht kennst du Sand­dorn bis­her nur als Saft aus dem Reform­haus. Viel­leicht wächst er bei dir in der Gegend. Oder du bist schon hun­dert­mal an einer Wild­pflan­ze vor­bei­ge­gan­gen, ohne zu wis­sen, was da eigent­lich vor dir wächst.

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Häufige Fragen zum Sanddorn

Wo wächst Sanddorn?

Der Gewöhn­li­che Sand­dorn (Hipp­ophae rham­no­ides) wächst beson­ders gut auf offe­nen, son­ni­gen Stand­or­ten. Er kommt mit san­di­gen, kar­gen Böden zurecht und ist aus­ge­spro­chen wind­ver­träg­lich. In Nord­eu­ro­pa begeg­net man ihm des­halb häu­fig in Küs­ten­land­schaf­ten und Dünengebieten.

Wann sind Sanddornbeeren reif?

Je nach Sor­te, Stand­ort und Wit­te­rung rei­fen Sand­dorn­bee­ren meist vom Spät­som­mer bis in den Herbst. Die genaue Ern­te­zeit hängt auch davon ab, wofür die Früch­te ver­wen­det wer­den sollen.

Warum ist Sanddorn so schwer zu ernten?

Die Bee­ren sit­zen dicht und mit kur­zen Stie­len an dor­ni­gen Zwei­gen. Gleich­zei­tig wer­den rei­fe Früch­te weich und kön­nen beim Pflü­cken leicht plat­zen. Des­halb ist die Sand­dorn­ern­te ver­gleichs­wei­se aufwendig.

Warum werden beim Sanddorn ganze Äste abgeschnitten?

Das Abschnei­den frucht­tra­gen­der Zwei­ge ist eine im pro­fes­sio­nel­len Anbau ein­ge­setz­te Ern­te­me­tho­de. Die Zwei­ge kön­nen anschlie­ßend ein­ge­fro­ren wer­den. Im gefro­re­nen Zustand las­sen sich die Bee­ren wesent­lich leich­ter ablö­sen. Wie stark und in wel­chem Rhyth­mus geschnit­ten wird, hängt aller­dings vom jewei­li­gen Anbau- und Schnitt­sys­tem ab.

Hat Sanddorn viel Vitamin C?

Ja. Sand­dorn kann sehr reich an Vit­amin C sein. Einen ein­zi­gen all­ge­mein­gül­ti­gen Wert gibt es jedoch nicht. Der Gehalt unter­schei­det sich erheb­lich nach Unter­art, Sor­te, Stand­ort, Rei­fe­grad, Ern­te­zeit und Ver­ar­bei­tung. Zusätz­lich ent­hält Sand­dorn unter ande­rem Caro­ti­no­ide, Fla­vo­no­ide, Toco­phe­ro­le und ver­schie­de­ne Fettsäuren.

Braucht man männliche und weibliche Sanddornpflanzen?

Ja. Sand­dorn ist zwei­häu­sig. Männ­li­che und weib­li­che Blü­ten befin­den sich also auf unter­schied­li­chen Pflan­zen. Die oran­ge­far­be­nen Früch­te ent­ste­hen nur an weib­li­chen Pflan­zen, für ihre Bestäu­bung wer­den jedoch männ­li­che Pflan­zen in der Umge­bung benötigt.

Kann man Sanddorn roh essen?

Ja, rei­fe Sand­dorn­bee­ren sind ess­bar. Sie schme­cken aller­dings inten­siv sau­er und herb. Man kann sie roh ver­wen­den oder bei­spiels­wei­se zu Saft, Mus, Gelee, Frucht­auf­strich oder Sirup verarbeiten.


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