Bunte Figuren- und Großdrachen beim Rømø Drachenfestival am Strand von Lakolk in Dänemark

Rømø Drachenfestival – Wind, Wetter und ein Himmel voller Drachen

Nach mei­nem wun­der­ba­ren Besuch auf dem Sand­dorn­hof ging mei­ne Rei­se wei­ter Rich­tung Rømø. Und dies­mal hat­te ich einen fes­ten Termin.

Ich woll­te zum Dra­chen­fes­ti­val auf Rømø. Das Rømø Dra­chen­fes­ti­val fin­det jedes Jahr am Lakolk Strand auf der däni­schen Nord­see­insel Rømø statt. Am ers­ten voll­stän­di­gen Sep­tem­ber­wo­chen­en­de ver­wan­delt sich der rie­si­ge Sand­strand in einen Treff­punkt für Dra­chen­flie­ger aus vie­len Län­dern. 2026 fand das Fes­ti­val vom 4. bis 6. Sep­tem­ber statt. (Quel­le: Visit­Den­mark – Rømø Kite Festival)

Dafür hat­te ich mir bereits einen Platz auf einem Cam­ping­platz reser­viert – zum Glück, wie sich ziem­lich schnell her­aus­stell­te. Schon bei mei­ner Ankunft war über­all unglaub­lich viel los. Cam­per, Wohn­mo­bi­le, Autos – und vor der Anmel­dung des Cam­ping­plat­zes eine ordent­li­che Schlange.

Laut Visit­Den­mark zieht das Rømø Dra­chen­fes­ti­val inzwi­schen bis zu 40.000 bis 50.000 Besu­cher pro Tag an und gilt als größ­tes Dra­chen­fes­ti­val Nordeuropas.

Irgend­wann war ein­ge­checkt, mein Platz gefun­den und der Cam­per abge­stellt. Lan­ge hielt es mich dort aller­dings nicht. Ich woll­te zum Strand.

Die ersten Drachen über den Dünen

Also mach­te ich mich gleich auf den Weg über die Dünen. Und tat­säch­lich: Noch bevor ich rich­tig am Meer ange­kom­men war, sah ich die ers­ten Dra­chen am Himmel.

Da waren sie.

Genau des­halb war ich hier­her­ge­kom­men. Viel Zeit zum Schau­en blieb mir aller­dings erst ein­mal nicht. Der Him­mel mach­te ziem­lich schnell deut­lich, wer an die­sem Wochen­en­de auf Rømø das Sagen hatte.

Es begann zu schüt­ten. Und zwar nicht ein biss­chen. Ich war inner­halb kür­zes­ter Zeit nass bis auf die Haut. Ich mach­te, dass ich zurück zu mei­nem Cam­per kam, und dort blieb ich dann auch. Immer wie­der pras­sel­te der Regen sturz­bach­ar­tig aufs Dach, dazu stürm­te es so hef­tig, dass ich mich nicht noch ein­mal hinauswagte.

Für den nächs­ten Tag ver­sprach der Wet­ter­be­richt immer­hin eine klei­ne Ver­bes­se­rung. Ab unge­fähr 12 Uhr soll­te es „nur“ noch win­dig sein.

Nur win­dig.

Auf Rømø bekam die­ser Aus­druck gera­de eine ganz neue Bedeutung.

Zahlreiche Drachen über dem Strand von Lakolk beim Rømø Drachenfestival in Dänemark
Über dem rie­si­gen Strand von Lakolk füllt sich der Him­mel mit Dra­chen in allen For­men und Grö­ßen – das Rømø Dra­chen­fes­ti­val ist eines der beson­de­ren Erleb­nis­se auf der däni­schen Nordseeinsel.

Eine Nacht wie auf einem Schiff

In der Nacht rüt­tel­te der Sturm wei­ter am Camper.

Ich kann­te die­ses Gefühl inzwi­schen schon von mei­ner Rei­se: Wenn der Wind so kräf­tig gegen die gro­ßen Sei­ten­flä­chen drückt, beginnt der gan­ze Cam­per sich zu bewe­gen. Es fühl­te sich wie­der ein­mal an, als wür­de ich auf einem Schiff schla­fen, zumin­dest stel­le ich mir das so vor. 

Der Wind schüt­tel­te mich durch die Nacht, Regen pras­sel­te aufs Dach, und am nächs­ten Mor­gen war das Wet­ter noch immer nicht wirk­lich entschieden.

Son­ne.

Regen.

Son­ne.

Regen.

Nur auf eines konn­te man sich verlassen:

Der Wind blieb.

Und zwar ordent­lich. Trotz­dem hielt es mich nicht mehr im Cam­per. Ich war schließ­lich wegen des Dra­chen­fes­tes hier. Also zog ich los.

Kurze Hose, barfuß und Regenjacke

Mei­ne Klei­dung für die­sen Tag war denk­bar ein­fach. Kur­ze Hose. Bar­fuß. Dar­über mei­ne Regenjacke.

Per­fekt.

Die Jacke hielt Wind und Regen ab, und um nas­se Schu­he muss­te ich mir schon ein­mal kei­ne Gedan­ken machen. Also wie­der über die Dünen. Und tat­säch­lich waren Dra­chen am Himmel.

Herr­lich, dach­te ich und zapp – war ich ein­ge­seift. (über­setzt ich war tropf­nass vom Regen) Über dem Meer zogen immer wie­der neue Regen­schau­er her­ein. Das Fas­zi­nie­ren­de war, dass man sie schon von Wei­tem sehen konn­te. Wie ein grau­er Vor­hang kamen sie über die Nord­see auf den Strand zu.

Dann war der Regen da.

Und genau­so schnell, wie der Wind ihn her­an­ge­trie­ben hat­te, schob er ihn auch wie­der wei­ter. Kurz dar­auf kam die Son­ne heraus.

Und der Sturm, der einen gera­de noch gemein­sam mit dem Regen ordent­lich durch­ge­pus­tet hat­te, sorg­te nun dafür, dass ich inner­halb kür­zes­ter Zeit wie­der tro­cken war.

Also blieb ich drau­ßen. Irgend­wann hat­te ich das Prin­zip verstanden.

Regen kommt.

Regen­ja­cke zu und Schutz hin­ter einem Cam­per suchen.

Durch­reg­nen lassen.

Wei­ter­lau­fen.

Son­ne kommt.

Tro­cken­pus­ten lassen.

Und von vorne.

Bunte Figuren- und Oktopusdrachen über den Dünen beim Rømø Drachenfestival am Strand von Lakolk
Fische mit Hüten, ein rie­si­ger Okto­pus und vie­le wei­te­re fan­ta­sie­vol­le Figu­ren schwe­ben beim Rømø Dra­chen­fes­ti­val über den Dünen von Lakolk.

Ein Strand, dessen Dimensionen man kaum begreift

Was mich auf Rømø fast genau­so beein­druck­te wie die Dra­chen, war die­ser Strand.

Er ist rie­sig.

Von den Dünen bis zum Was­ser läuft man und läuft man – und irgend­wann fragt man sich, ob das Meer eigent­lich noch kommt.

Das ist kei­ne Täu­schung. Lakolk gehört zu den brei­tes­ten Sand­strän­den Euro­pas. Selbst an die­sem im Ver­gleich zum süd­li­cher gele­ge­nen Søn­der­strand „schma­le­ren“ Strand kön­nen zwi­schen Dünen und Was­ser­kan­te etwa 900 bis 1.000 Meter lie­gen. Am Søn­der­strand erreicht die Ent­fer­nung stel­len­wei­se sogar unge­fähr drei Kilometer.

An die­sem Wochen­en­de kam noch etwas hin­zu: Gro­ße Tei­le des Stran­des waren von fla­chem Was­ser bedeckt. Ich lief stel­len­wei­se duch knö­chen­tie­fes Was­ser. Bar­fuß und kur­ze Hose war also tat­säch­lich die bes­te Ent­schei­dung des Tages.

Und mit­ten in die­ser unglaub­li­chen Wei­te stan­den Autos.

Sehr vie­le Autos. Es war ein Who ist Who am Strand. Man ent­deck­te nor­ma­le Autos und Cam­per aller Art von klein bis LKW mäs­sig und sogar Wohn­wa­gen – Alles war zu ent­de­cken. Also CMT kann nicht das abbil­den, was ich dort alles sehen konnte. 

Collage vom Strand von Lakolk auf Rømø mit Wasser auf dem breiten Sandstrand und Campern hinter den Dünen
Der Strand von Lakolk zeigt sei­ne gan­ze Wei­te: auf der einen Sei­te Was­ser über dem fla­chen Strand, auf der ande­ren Cam­per und Dra­chen unter einem wech­sel­haf­ten Himmel.

Mit dem Auto einfach auf den Strand

Das ist auf Rømø tat­säch­lich erlaubt. (Quel­le: Visit Rømø & Tøn­der – Dra­chen­fes­ti­val auf Rømø)

Sowohl am Lakolk Strand als auch am Søn­der­strand dür­fen Autos über aus­ge­wie­se­ne Zufahr­ten auf den Strand fah­ren. Es gilt eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 30 km/h, und man soll­te durch­aus dar­auf ach­ten, wohin man fährt: Der Unter­grund ist zwar in vie­len Berei­chen fest, aber eben nicht über­all. Die ört­li­che Tou­ris­mus­or­ga­ni­sa­ti­on warnt aus­drück­lich vor wei­chen Sandstellen.

Und davon gab es an die­sem Wochen­en­de offen­bar genü­gend. Denn am Strand stan­den bereits zwei Abschlepp-Jeeps mit blin­ken­den Lich­tern bereit. Auf dem Heck ein Hin­weis in meh­re­ren Spra­chen: Wer im Sand ste­cken bleibt, wird kos­ten­los herausgezogen.

Die Män­ner wuss­ten ver­mut­lich ziem­lich genau, war­um sie sich dort posi­tio­niert hat­ten. Bei der Men­ge an Autos und Cam­pern hät­te ich jeden­falls dar­auf gewet­tet, dass sie an die­sem Tag noch Arbeit bekom­men würden. 

Geländewagen und Pickup als Abschleppfahrzeuge auf dem nassen Strand von Lakolk beim Rømø Drachenfestival
Wenn der brei­te Strand von Lakolk nass und weich wird, kom­men die kräf­ti­gen Gelän­de­wa­gen zum Ein­satz und hel­fen fest­ge­fah­re­nen Fahr­zeu­gen wie­der auf fes­ten Untergrund.

Warum ist der Strand von Rømø eigentlich so unglaublich breit?

Wenn man dort steht, fragt man sich irgend­wann, wie eine sol­che Land­schaft über­haupt ent­ste­hen konnte.

Rømø gehört zu den däni­schen Wat­ten­meer­in­seln. Die Insel besteht zu gro­ßen Tei­len aus Sand, den Meer, Strö­mun­gen und Wind über lan­ge Zeit bewegt und abge­la­gert haben. Und die­se Land­schaft ist kei­nes­wegs fertig.

Sand wird wei­ter trans­por­tiert, Dünen ent­ste­hen und ver­än­dern sich, Was­ser­flä­chen kom­men und gehen. Die fla­chen Seen, durch die ich an die­sem Tag wate­te, gehö­ren zu die­sem dyna­mi­schen Strand. Nach Hoch­was­ser blei­ben in Ver­tie­fun­gen gro­ße fla­che Was­ser­flä­chen zurück.

Der Strand ist also nicht ein­fach eine rie­si­ge star­re Sand­flä­che. Er bewegt und ver­än­dert sich. Und dann ver­steht man lang­sam auch, war­um die­ser Ort gera­de für das Dra­chen­fes­ti­val so außer­ge­wöhn­lich geeig­net ist. Platz gibt es hier wirk­lich genug. Und Wind offen­bar auch.

Große bunte Drachen liegen und fliegen am Strand von Lakolk beim Rømø Drachenfestival
Rie­si­ge bun­te Dra­chen war­ten am Strand von Lakolk auf den nächs­ten kräf­ti­gen Wind­stoß – man­che heben bereits ab, wäh­rend ande­re noch im Sand liegen.

Tausende Drachen über Rømø

Das Dra­chen­fes­ti­val fin­det tra­di­tio­nell am ers­ten Sep­tem­ber­wo­chen­en­de am Lakolk Strand statt.

2026 wird es bereits zum 34. Mal ver­an­stal­tet. Vom 4. bis 6. Sep­tem­ber tref­fen sich hier Dra­chen­flie­ger und Besu­cher, und die offi­zi­el­le Tou­ris­mus­or­ga­ni­sa­ti­on bezeich­net es als das größ­te inter­na­tio­na­le Dra­chen­fes­ti­val Nordeuropas.

Tau­sen­de Dra­chen kön­nen dann über dem Strand stehen.

Natür­lich hat­te ich mir für mei­nen Besuch ein klein wenig ande­res Wet­ter vorgestellt.

Wind – unbedingt.

Ohne Wind kein Dra­chen­fest. Aber viel­leicht hät­te es ein paar Wind­stär­ken weni­ger und ein paar Liter Was­ser weni­ger auch getan. Die Dra­chen­flie­ger schie­nen das wesent­lich gelas­se­ner zu sehen.

Sie ließen ihre Drachen einfach weiter steigen

Über­all auf dem Strand wur­de auf­ge­baut, gestar­tet, ein­ge­holt, wie­der gestartet.

Klei­ne Drachen.

Rie­si­ge Drachen.

Figu­ren, Tie­re und Gebil­de, bei denen ich teil­wei­se erst ein­mal her­aus­fin­den muss­te, was da eigent­lich über mir schweb­te. Man­che stan­den hoch oben ruhig im Wind. Ande­re tanz­ten und zerr­ten an ihren Leinen.

Und immer wie­der kamen die­se Regen­schau­er. Was mich dabei beson­ders beein­druck­te: Die Men­schen lie­ßen sich davon kaum vertreiben.

Natür­lich such­te auch ich zwi­schen­durch Schutz. Dafür waren die vie­len Cam­per am Strand aus­ge­spro­chen prak­tisch. Wenn es wie­der ein­mal rich­tig her­un­ter­kam, stell­te ich mich ein­fach kurz irgend­wo unter.

Schau­er vorbei.

Wei­ter ging es.

Und nie­mand schien sich wirk­lich dar­über auf­zu­re­gen. Von bär­ti­gen Män­nern bis klei­ne Mäd­chen waren die ver­schie­dens­ten Dra­chen­stei­ger dabei. Wobei ich mir vor­stel­len kann, dass es mehr Dra­chen sein könn­ten und es sicher eini­ge sich nicht trauten. 

Bunte Figuren- und Großdrachen am Himmel über dem Strand von Lakolk beim Rømø Drachenfestival
Ein Him­mel vol­ler Far­ben und Fan­ta­sie: Beim Rømø Dra­chen­fes­ti­val schwe­ben gro­ße Figu­ren­dra­chen über dem wei­ten Strand von Lakolk.

Ich sah keinen einzigen schlecht gelaunten Menschen

Viel­leicht ist mir das an die­sem Tag am meis­ten aufgefallen.

Der Wind war so stark, dass man sich kaum mit­ein­an­der unter­hal­ten konn­te. Er riss einem die Wor­te bei­na­he aus dem Mund.

Der Regen kam immer wie­der quer über den Strand. Über­all Was­ser und wei­cher Sand. Men­schen, die ihre Dra­chen fest­hal­ten muss­ten. Vie­le hat­ten sie aber auch fest ver­an­kert im Boden.

Autos, die auf­pas­sen muss­ten, nicht ste­cken zu blei­ben. Und trotzdem:

Ich sah kei­nen ein­zi­gen schlecht gelaun­ten Menschen.

Viel­leicht muss man für ein Dra­chen­fes­ti­val ein­fach ein biss­chen anders ticken. Wer hier­her­kommt, möch­te Wind. Und Wind gab es reichlich.

Und im Meer kämpften die Kitesurfer

Wäh­rend über mir die Dra­chen stan­den, ging es drau­ßen auf der Nord­see noch ein­mal ganz anders zur Sache. Dort waren die Kitesur­fer unterwegs.

Das Meer war vom Sturm auf­ge­wühlt. Wel­len roll­ten her­ein, der Wind peitsch­te über das Was­ser – und mit­ten­drin kämpf­ten sich die Kitesur­fer durch die Nordsee.

Ich konn­te lan­ge ein­fach nur daste­hen und zuschau­en. Eigent­lich geschah über­all gleich­zei­tig etwas. Am Him­mel die Drachen.

Auf dem Strand Men­schen, Cam­per und Autos.

Im Was­ser die Kitesurfer.

Über dem Meer die nächs­ten Regenschauer.

Und dazwi­schen ich, bar­fuß in mei­ner kur­zen Hose und mit mei­ner Regen­ja­cke, vom Wind ordent­lich durchgepustet.

Kitesurfer in den hohen Wellen der Nordsee vor dem Strand von Lakolk auf Rømø
Der kräf­ti­ge Wind auf Rømø begeis­tert nicht nur die Dra­chen­flie­ger – drau­ßen in den Wel­len der Nord­see nut­zen auch Kitesur­fer die Bedingungen.

Wind und Meer bestimmen Rømø schon seit Jahrhunderten

Wäh­rend ich dort stand, muss­te ich dar­an den­ken, wie sehr die­se Insel schon immer vom Meer geprägt wur­de. Heu­te kom­men Men­schen wegen des rie­si­gen Stran­des, der Natur und des Win­des hier­her. Frü­her bedeu­te­te das Meer für die Bewoh­ner von Rømø vor allem eines:

Arbeit und Lebensunterhalt.

Beson­ders im 17. und 18. Jahr­hun­dert waren vie­le Män­ner der Insel als See­leu­te unter­wegs. Eini­ge brach­ten es zu Kapi­tä­nen – den soge­nann­ten Kom­man­deu­ren – auf gro­ßen Han­dels- und Wal­fangschif­fen. Ihre Rei­sen führ­ten sie weit hin­aus in den Nord­at­lan­tik und in die ark­ti­schen Gewässer.

Der Wal­fang brach­te man­chen Fami­li­en auf Rømø erheb­li­chen Wohl­stand. Noch heu­te kann man das in der Kom­man­dør­går­den im Nor­den der Insel sehen. Der alte Fami­li­en­hof wur­de im 18. Jahr­hun­dert geprägt und bewahrt bemal­te Wand­pa­nee­le, auf­wen­di­ge Holz­ar­bei­ten und Wän­de mit hol­län­di­schen Flie­sen. Der Wohl­stand der dama­li­gen Bewoh­ner kam aus Han­del und Walfang.

Ein Stück die­ser mari­ti­men Geschich­te steht also noch immer auf der Insel. Und das Meer, das ihnen ihren Wohl­stand brach­te, konn­te gleich­zei­tig gefähr­lich und unbe­re­chen­bar sein.

Wenn ich an mei­ne Nacht im schwan­ken­den Cam­per den­ke, bekam ich zumin­dest eine win­zi­ge Vor­stel­lung davon, wel­che Kraft der Wind hier ent­wi­ckeln kann.

Große farbenfrohe Drachen am Strand von Lakolk beim Drachenfestival auf Rømø
Man­che Dra­chen sind erst am Boden in ihrer gan­zen Grö­ße zu erken­nen – rie­si­ge, far­ben­fro­he Figu­ren, die der Wind wenig spä­ter über den Strand von Rømø trägt.

Eine Insel, die lange nur übers Wasser erreichbar war

Heu­te fährt man ganz selbst­ver­ständ­lich über den Rømø-Damm auf die Insel.

Dabei gibt es die­se fes­te Ver­bin­dung zum Fest­land noch gar nicht so lange.

Frü­her war Rømø tat­säch­lich auf Schiffs- und Fähr­ver­bin­dun­gen ange­wie­sen. Eine Fähr­ver­bin­dung vom Fest­land ist bereits für das spä­te 18. Jahr­hun­dert belegt. Spä­ter ver­kehr­ten Motor­fäh­ren, bis der Rømø-Damm 1948 eröff­net wurde.

Erst seit­dem kann man die Insel jeder­zeit auf der Stra­ße erreichen.

Auch poli­tisch ver­lief die Geschich­te die­ser Regi­on nicht gerad­li­nig. Nach dem Deutsch-Däni­schen Krieg von 1864 gehör­te Nord­schles­wig zu Preu­ßen und spä­ter zum Deut­schen Reich. Nach der Volks­ab­stim­mung und der Wie­der­ver­ei­ni­gung Nord­schles­wigs mit Däne­mark kam Rømø 1920 wie­der zu Dänemark.

Auch dar­an erin­nert die­se Land­schaft, wenn man ein wenig genau­er hinschaut.

Spuren des Zweiten Weltkriegs

Und noch eine Epo­che hat ihre Spu­ren auf Rømø hinterlassen.

Wäh­rend der deut­schen Besat­zung Däne­marks im Zwei­ten Welt­krieg ent­stan­den auf der Insel zahl­rei­che Bun­ker und mili­tä­ri­sche Anla­gen. Vie­le davon lie­gen heu­te ver­bor­gen zwi­schen Dünen und Wald, man­che sind teil­wei­se tief vom Sand bedeckt.

Der Sand, der die Insel stän­dig ver­än­dert, hat also inzwi­schen auch einen Teil die­ser jün­ge­ren Geschich­te wie­der unter sich begraben.

Man kann eini­ge der Anla­gen heu­te noch ent­de­cken, ande­re nur im Rah­men geführ­ter Bun­ker­tou­ren betreten.

Rømø besteht eben nicht nur aus Strand.

Je län­ger ich durch Däne­mark rei­se, des­to mehr mer­ke ich, wie vie­le Schich­ten sich hin­ter einer Land­schaft ver­ber­gen können.

Und heute gehört der Wind den Drachen

Viel­leicht gefällt mir gera­de des­halb die­ses Dra­chen­fes­ti­val so gut.

Der Wind, der über Jahr­hun­der­te das Leben auf der Insel mit­be­stimmt hat, der Sand bewegt, Dünen formt, See­fah­rer hin­aus aufs Meer getra­gen und in die­ser Nacht mei­nen Cam­per durch­ge­schüt­telt hat, bekommt an die­sem Wochen­en­de eine voll­kom­men ande­re Aufgabe.

Er trägt Drachen.

Tau­sen­de davon.

Und die Men­schen kom­men von über­all her, um genau das zu erle­ben. Auch wenn sie dabei gele­gent­lich bis auf die Haut nass wer­den. Ich jeden­falls war inzwi­schen ziem­lich gut ein­ge­spielt. Wenn der nächs­te graue Vor­hang über dem Meer auf­tauch­te, wuss­te ich:

Gleich kommt er.

Regen­ja­cke zu.

Und zapp – eingeseift.

Ein paar Minu­ten spä­ter war alles wie­der vorbei.

Der Wind pus­te­te mich trocken.

Und ich schau­te wei­ter in den Himmel.

Sonnenuntergang über der Nordsee am Strand von Lakolk auf Rømø mit Wohnmobilen am Wasser
Zum Abschied vom Dra­chen­fes­ti­val zeig­te sich Rømø noch ein­mal von sei­ner schöns­ten Sei­te: Die Son­ne ver­sank über der Nord­see und tauch­te Strand und Him­mel in gol­de­nes Licht.

Ein letzter Abend am Strand

Am Abend woll­te ich noch ein­mal hin­aus. Für spä­ter war der Nacht­flug ange­kün­digt. Beleuch­te­te Dra­chen soll­ten über dem Strand ste­hen, und es soll­te eine Preis­ver­lei­hung für beson­ders fan­ta­sie­vol­le beleuch­te­te und selbst­ge­bau­te Dra­chen geben.

Also mach­te ich mich noch ein­mal auf den Weg über die Dünen. Doch schon als ich oben ankam, merk­te ich, dass sich die Stim­mung ver­än­dert hat­te. Der Strand war deut­lich lee­rer gewor­den. Vie­le Cam­per waren bereits abge­reist, nur noch ein­zel­ne Dra­chen stan­den am Him­mel und von dem gro­ßen Tru­bel des Tages war nicht mehr viel übrig.

Das Wet­ter hat­te dem Fest an die­sem Abend lei­der einen Strich durch die Rech­nung gemacht. Nach all dem Regen und Sturm war offen­bar für vie­le Schluss.

Ein biss­chen scha­de fand ich das schon. Gera­de auf die beleuch­te­ten Dra­chen hat­te ich mich gefreut. Aber dann bekam die­ser Abend trotz­dem noch sei­nen ganz eige­nen Abschluss.

Abschied von Dänemark und vom Meer

Über dem Meer begann die Son­ne unterzugehen.

Nach die­sem wil­den Tag mit Sturm, Regen, Dra­chen und immer wie­der neu­en Schau­ern wur­de es beschau­lich, obwohl der Wind einem immer noch ein Pee­ling durch den peit­schen­den Sand bescherte. 

Ich blieb noch eine Wei­le am Strand ste­hen und schau­te hin­aus. Mor­gen wür­de es wie­der nach Hau­se gehen. Und damit ende­te nicht nur mein Auf­ent­halt auf Rømø, son­dern auch mei­ne Rei­se durch Dänemark.

So vie­le Wochen hat­te mich das Meer begleitet.

Die Nord­see, das Wat­ten­meer, Dünen, Leucht­tür­me, Küs­ten­or­te, Wind, Regen, Son­ne und immer wie­der die­ser Blick hin­aus aufs Wasser.

Nun stand ich ein letz­tes Mal dort. Der gro­ße Nacht­flug fiel aus. Dafür schenk­te mir Rømø noch einen Son­nen­un­ter­gang. Und viel­leicht war das für mei­nen letz­ten Abend sogar der pas­sen­de­re Abschied.

Nicht spek­ta­ku­lär.

Nicht laut.

Ein­fach Meer, Him­mel, Wind und die­ses Wissen:

Mor­gen geht es nach Hause.

Und so ver­ab­schie­de­te ich mich von Dänemark.

Und vom Meer.

Die Natur am Wegesrand mit anderen Augen sehen

Auf die­ser Rei­se durch Däne­mark mer­ke ich immer wie­der, wie sehr Land­schaft, Pflan­zen und Geschich­te zusam­men­ge­hö­ren. Auf Rømø sind es die Dünen, der Wind und die­se wei­te Küs­ten­land­schaft. Anders­wo ist es eine Schaf­gar­be in einem bron­ze­zeit­li­chen Grab oder ein Sand­dorn­strauch, der mit sei­nen oran­ge­far­be­nen Bee­ren mit­ten im Wind steht.

Je mehr Pflan­zen ich ken­ne, des­to mehr ent­de­cke ich unterwegs.

Eine Wie­se ist dann nicht mehr ein­fach nur grün. Am Weges­rand ste­hen plötz­lich alte Bekann­te. Ich sehe, was gera­de wächst, erken­ne Zusam­men­hän­ge und neh­me eine Land­schaft viel bewuss­ter wahr.

Genau die­ses Ent­de­cken möch­te ich auch in mei­nem Jah­res­kurs Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr weitergeben.

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Häufige Fragen zum Drachenfestival auf Rømø

Wann findet das Drachenfestival auf Rømø statt?

Das Rømø Dra­chen­fes­ti­val fin­det tra­di­tio­nell am ers­ten Wochen­en­de im Sep­tem­ber am Lakolk Strand statt. 2026 läuft das Fes­ti­val vom 4. bis 6. Sep­tem­ber und wird zum 34. Mal veranstaltet.

Wo findet das Drachenfestival statt?

Das Fes­ti­val fin­det am Lakolk Strand an der West­küs­te von Rømø statt. Der außer­ge­wöhn­lich brei­te Sand­strand und die häu­fig guten Wind­ver­hält­nis­se bie­ten sehr viel Platz zum Drachensteigen.

Kostet das Drachenfestival Eintritt?

Der Lakolk Strand ist frei zugäng­lich. Das Dra­chen­fes­ti­val fin­det direkt auf dem Strand statt.

Darf man mit dem Auto auf den Strand von Rømø fahren?

Ja. Am Lakolk Strand und am Søn­der­strand darf man über die aus­ge­wie­se­nen Zufahr­ten mit dem Auto auf den Strand fah­ren. Die Höchst­ge­schwin­dig­keit beträgt 30 km/h. Da es auch wei­che Sand­be­rei­che gibt und sich die Bedin­gun­gen durch Was­ser und Gezei­ten ver­än­dern kön­nen, soll­te man die ört­li­chen Hin­wei­se beachten.

Wie breit ist der Strand von Rømø?

Am Lakolk Strand kön­nen zwi­schen Dünen und Was­ser etwa 900 bis 1.000 Meter lie­gen. Der süd­lich gele­ge­ne Søn­der­strand ist stel­len­wei­se sogar bis zu etwa drei Kilo­me­ter breit. Damit gehö­ren Rømøs Strän­de zu den brei­tes­ten Sand­strän­den Europas.

Seit wann ist Rømø mit dem Festland verbunden?

Der Rømø-Damm wur­de 1948 eröff­net. Zuvor war die Insel über Fähr­ver­bin­dun­gen mit dem Fest­land verbunden.

Was hat Rømø mit Walfang zu tun?

Im 17. und 18. Jahr­hun­dert waren zahl­rei­che Män­ner von Rømø in der See­fahrt und im Wal­fang tätig. Eini­ge wur­den Kapi­tä­ne bezie­hungs­wei­se „Kom­man­deu­re“ auf gro­ßen Wal­fangschif­fen. Der dadurch erwor­be­ne Wohl­stand ist noch heu­te an his­to­ri­schen Höfen wie der Kom­man­dør­går­den zu erkennen.


Weiterlesen – meine Reise durch Dänemark

👉 Sand­dorn in Däne­mark – zu Besuch auf einem Hof
Bevor ich nach Rømø kam, durf­te ich einen däni­schen Sand­dorn­bau­ern auf sei­ne Fel­der beglei­ten – und lan­de­te dabei zum ers­ten Mal in mei­nem Leben hin­ten auf einem Quad.

👉 Das Egt­ved-Mäd­chen – Rei­se in die Bron­ze­zeit
Auf dem Weg zum Sand­dorn­hof mach­te ich Halt in Egt­ved und tauch­te noch ein­mal 3.400 Jah­re zurück in die Geschich­te Däne­marks ein.

👉 Jel­ling – auf den Spu­ren der Wikin­ger
Runen­stei­ne, Grab­hü­gel, eine gewal­ti­ge Schiffs­set­zung und Harald Blau­zahn – mei­ne Rei­se durch die Geschich­te Däne­marks führ­te mich zuvor nach Jelling.

👉 Von Nør­re Vor­upør bis Løk­ken – immer am Meer ent­lang
Wind und Nord­see beglei­te­ten mich schon wei­ter nörd­lich auf mei­ner Fahrt ent­lang der däni­schen Westküste.

Noch mehr Reisen und Begegnungen

Rømø war die letz­te Sta­ti­on mei­ner Rei­se durch Däne­mark – aber natür­lich längst nicht die ein­zi­ge. In mei­ner Rubrik „Rei­sen und Begeg­nun­gen“ fin­dest du mei­ne wei­te­ren Rei­se­ge­schich­ten: beson­de­re Orte, Natur­er­leb­nis­se, Geschich­te, Pflan­zen und die Begeg­nun­gen, die unter­wegs ent­stan­den sind.

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