StrahleMensch-Tage 2026

Mit den Händen lernen. Mit dem Herzen erleben. Mit der Natur wachsen.

Seit eini­gen Wochen hat­te ich die Strah­le­Mensch-Tage vor­be­rei­tet. Es war ein Genuss zu über­le­gen, was wir alles machen könn­ten und was den Teil­neh­me­rin­nen Freu­de machen wür­de. Ich habe Lis­ten geschrie­ben und wie­der geän­dert, Rezep­te zusam­men­ge­stellt, Hef­te vor­be­rei­tet, Mate­ri­al zusam­men­ge­sucht und immer wie­der über­legt, ob das Pro­gramm stim­mig ist? Ler­nen die Teil­neh­me­rin­nen genug? Brau­che ich noch mehr Theo­rie? Noch eine Akti­on? Noch etwas, das wir gemein­sam her­stel­len können?

Und immer wie­der hat­te ich noch eine Idee, bestell­te das Mate­ri­al dazu und stell­te alles zusam­men. An den Tagen vor den Strah­le­Mensch-Tagen ging es dann an die Lebens­mit­tel und am Tag davor habe ich geba­cken, gekocht und gepackt. Ich habe Apfel­ku­chen und Kirsch­ku­chen geba­cken, drei glu­ten­freie Bro­te, Brü­he vor­be­rei­tet und ein Bir­cher­müs­li ange­setzt und gefühlt mei­nen hal­ben Haus­halt ins Auto geladen.

Am Diens­tag fuhr ich schließ­lich mit einem voll­ge­pack­ten Auto los. Kurz noch beim Bäcker und beim Gemü­se­händ­ler vor­bei, die letz­ten fri­schen Sachen besor­gen, und dann ging es hin­auf auf das Kal­te Feld.

Das Kal­te Feld ist ein wun­der­schö­nes Natur­schutz­ge­biet mit einem klei­nen Segel­flug­platz und dort oben, mit­ten in der Natur und ein gan­zes Stück weg von dem Leben, das die meis­ten von uns sonst füh­ren, liegt die Schorn­dor­fer Hüt­te. Kein Hotel und kein Semi­nar­haus, in dem mor­gens ein Früh­stücks­buf­fet war­tet und nach dem Essen jemand das Geschirr weg­räumt. Es ist eine ein­fa­che DAV Selbst­ver­sor­ger­hüt­te mei­ner Sek­ti­on Schorndorf/ Back­nang mit Matrat­zen­la­ger, einer Dusche und einer Küche, in der wir die nächs­ten Tage gemein­sam kochen und leben würden.

Schon kurz nach­dem ich ange­kom­men war, tra­fen die ers­ten Teil­neh­me­rin­nen ein. Die Hüt­te war ange­nehm kühl und wir lie­ßen die Läden erst ein­mal geschlos­sen, räum­ten alles aus und brach­ten Lebens­mit­tel und Mate­ri­al hin­ein. Ich fuhr auch das Gepäck der Teil­neh­me­rin­nen nach oben zur Hüt­te (das ist nur dem Hüt­ten­wirt erlaubt) und alle bezo­gen nach und nach ihren Schlafplatz.

Schnell wur­den Kaf­fee, Tee und Kuchen her­ge­rich­tet und drau­ßen vor der Hüt­te deck­ten wir unse­re Tafel. Die­ser Tisch soll­te in den kom­men­den Tagen fast zu unse­rem Mit­tel­punkt wer­den. Wir haben dort gefrüh­stückt, geges­sen, Kaf­fee getrun­ken, gere­det und zusam­men­ge­ses­sen und hat­ten dabei einen unglaub­lich schö­nen Weit­blick hin­un­ter ins Tal. Das Wet­ter mein­te es mehr als gut mit uns und so konn­ten wir eigent­lich die gan­ze Woche drau­ßen leben.

Nach und nach kamen die wei­te­ren Teil­neh­me­rin­nen an und es war ein ent­spann­tes Ankom­men. Die­se Pha­se ist für mich immer beson­ders span­nend. Die Teil­neh­me­rin­nen ken­nen mich meist durch mei­ne Arbeit im Inter­net schon ziem­lich gut, aber ich ken­ne sie häu­fig noch gar nicht. Nun waren wir acht Frau­en mit ganz unter­schied­li­chen Leben und Geschich­ten, die für ein paar Tage mit­ein­an­der auf die­ser Hüt­te leben würden.

Ich kann vor­her noch so viel pla­nen und vor­be­rei­ten, aber ich kann nicht pla­nen, was zwi­schen den Men­schen ent­steht. Ich kann nur ver­su­chen, mei­nen Platz als Lei­tung ein­zu­neh­men, einen guten Rah­men zu schaf­fen und dafür zu sor­gen, dass sich alle wohl­füh­len und die Grup­pe zusam­men­wach­sen kann. Aber es kom­men ein­fach immer ganz eige­ne Per­sön­lich­kei­ten an mit Bedürf­nis­sen und Wün­schen, die es gilt zusam­men zu bringen. 

Nach­dem schließ­lich auch die letz­te Teil­neh­me­rin ange­kom­men war, began­nen ganz offi­zi­ell die Strah­le­Mensch-Tage 2026. Wir star­te­ten mit einem Ken­nen­lern­spiel, bei dem jede zusätz­lich zu ihrem eige­nen Namen den Namen einer Pflan­ze bekam: Hei­ke Holun­der, Sil­via Sal­bei, Andrea Ado­nis­rös­chen, Bir­git Bir­ke, Jea­nette Jas­min, Ulri­ke Ulme, Leo­nie Löwen­zahn und Stef­fi Sil­ber­dis­tel. So waren die Namen schnell gelernt und wir hat­ten gleich zu Beginn viel zu lachen.

Für mich war bei die­sen Tagen wich­tig, eine schö­ne Balan­ce zu fin­den: zwi­schen dem Auf­ent­halt in der Natur, dem Ken­nen­ler­nen und der Ver­wen­dung ess­ba­rer Wild­pflan­zen und der Mög­lich­keit, auch wie­der ein Stück zu sich selbst zu finden.

Des­halb bau­te ich gleich zu Beginn ein scha­ma­ni­sches Ritu­al des Sand­pain­tings ein, das uns durch die gesam­te Woche beglei­te­te. Jede Teil­neh­me­rin such­te sich drau­ßen einen eige­nen Platz und gestal­te­te dort mit dem, was sie in der Natur fand, ihr per­sön­li­ches Bild. Jeden Mor­gen gin­gen wir kurz zu unse­ren Sand­pain­tings und schau­ten, was sich ver­än­dert hat­te. Manch­mal wur­de etwas hin­zu­ge­fügt, manch­mal etwas weg­ge­nom­men und manch­mal gab es auch ein­fach nur etwas wahrzunehmen.

Und wäh­rend ich mir vor­her so vie­le Gedan­ken dar­über gemacht hat­te, was ich die­sen Frau­en alles bie­ten möch­te, begann dort etwas zu ent­ste­hen, das ich über­haupt nicht vor­be­rei­ten konn­te: Aus acht ein­zel­nen Frau­en wur­de lang­sam eine Gemeinschaft.

Eigent­lich ging es gar nicht lang­sam. Die Teil­neh­me­rin­nen waren selbst erstaunt dar­über, wie schnell die­se Gemein­schaft ent­stan­den war und wie ver­traut man mit­ein­an­der wur­de, obwohl man sich erst so kur­ze Zeit kannte.

Leben mit der Natur

Unse­re Tage began­nen immer mit einem mor­gend­li­chen Zitro­nen­was­ser und der eige­nen Innen­schau mit der Natur als Spie­gel. Danach tra­fen wir uns zum Qigong und übten gemein­sam die 18-fache Gestalt des Tai­ji-Qigong. Anschlie­ßend war­te­te ein herr­lich viel­fäl­ti­ges Früh­stück auf uns, das wir bei schöns­tem Wet­ter drau­ßen vor der Hüt­te genie­ßen konnten.

Nach­dem gemein­sam alles wie­der auf­ge­räumt und ver­staut war, mach­ten wir uns mit unse­ren Sam­mel­körb­chen auf den Weg. Wir beschäf­tig­ten uns mit den Pflan­zen am Weges­rand, schau­ten uns ihre Erken­nungs­merk­ma­le an, spra­chen dar­über, was in ihnen steckt und wie wir sie ver­wen­den kön­nen. Die Tro­cken­heit hat­te auch dort oben deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen und trotz­dem kamen wir nie mit lee­ren Körb­chen zurück.

An der Hüt­te wur­de unse­re Ern­te gewa­schen, geschnib­belt und ver­ar­bei­tet. Wir mach­ten unter ande­rem eine Schaf­gar­ben-Knob­lauch-Kräu­ter­but­ter und ein Stän­gel­was­ser, das eini­ge Teil­neh­me­rin­nen doch sehr erstaun­te. Vor allem aber ent­stand jeden Tag ein lecke­res Essen mit vie­len Wildkräutern.

Das Zube­rei­ten unse­rer Mahl­zei­ten nahm über­haupt einen gro­ßen Raum ein und im Nach­hin­ein glau­be ich, dass genau das rich­tig war. Ich hat­te für die Woche einen Spei­se­plan vor­be­rei­tet und für jede Mahl­zeit gab es zwei Teil­neh­me­rin­nen, die den „Küchen­hut“ auf­hat­ten. Aber dabei blieb es eigent­lich nie. Alle ande­ren hal­fen mit, wenn etwas zu tun war. Es wur­de geschnib­belt, gespült, getra­gen, auf- und abge­deckt und ich fand es wun­der­schön zu sehen, wie selbst­ver­ständ­lich hier Hand in Hand gear­bei­tet wur­de. Es gab kei­ne Drü­cke­ber­ger, nie­mand muss­te stän­dig auf­ge­for­dert wer­den und jeder war irgend­wie dabei.

Nach dem Mit­tag­essen kehr­te dann Ruhe ein. Ich berei­te­te die Leber­wi­ckel vor, füll­te die Wärm­fla­schen und danach war wirk­lich Mit­tags­ru­he. Das war mir wich­tig, denn die Tage soll­ten nicht nur mit Wis­sen und Akti­vi­tä­ten gefüllt sein. Es soll­te auch Zeit geben, in der alles ein wenig nach­wir­ken durf­te und auch Zeit für Ent­span­nung war.

Spä­ter tra­fen wir uns immer wie­der wie­der zu unse­rem Krea­tiv­pro­gramm. Wir lern­ten ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten ken­nen, Stof­fe und Taschen mit Pflan­zen zu gestal­ten. Wir expe­ri­men­tier­ten mit Cya­no­ty­pie, Kur­ku­ma und der Ham­mer­tech­nik und jeden Tag ent­stand ein biss­chen mehr. Nicht nur auf unse­ren Stof­fen, son­dern auch zwi­schen uns.

An einem Tag gab es ganz bewusst kein fes­tes Pro­gramm. Jede durf­te selbst ent­schei­den, was sie mit die­ser Zeit anfan­gen woll­te. Eini­ge Teil­neh­me­rin­nen mach­ten sich auf den Weg zu einer nahe gele­ge­nen Höh­le und dar­aus wur­de schließ­lich eine doch recht ordent­li­che Wan­de­rung. Ande­re genos­sen ein­fach die freie Zeit rund um die Hüt­te, sam­mel­ten, lasen ein Buch, erhol­ten sich und genos­sen ein­fach die wun­der­ba­re Landschaft. 

Auch das Pflan­zen­wis­sen erar­bei­te­ten wir uns. Jede Teil­neh­me­rin hat­te die Auf­ga­be, sich mit einer Pflan­ze etwas näher zu beschäf­ti­gen und sie den ande­ren vor­zu­stel­len. So lern­ten die Teil­neh­mer auch von­ein­an­der, Wis­sen wur­de zusam­men­ge­tra­gen und es ent­stan­den immer wie­der Gesprä­che und neue Fragen.

Die Aben­de waren kurz­wei­lig und irgend­wann waren wir ein­fach glück­lich und müde. Meist san­ken wir zwi­schen 22 und 23 Uhr in unse­re Bet­ten, um am nächs­ten Mor­gen spä­tes­tens um sie­ben Uhr wie­der aus den Federn zu hüp­fen und einen neu­en Tag auf dem Kal­ten Feld zu beginnen.

Eine Zeit außerhalb der Zeit

Mit jedem Tag wur­den wir ein wenig ver­trau­ter mit­ein­an­der. Wir wuss­ten, wer mor­gens zuerst einen Kaf­fee braucht, wer wo ger­ne sitzt, wem wel­che Tas­se gehört, wer schnell mit anpackt und wo jemand viel­leicht auch ein­mal sei­ne Ruhe braucht. Wir haben viel gelacht, mit­ein­an­der gespro­chen, Pflan­zen ent­deckt, gekocht, geges­sen, aus­pro­biert und gelernt.

Und plötz­lich war Sonntag.

Wir gin­gen ein letz­tes Mal zu unse­ren Sand­pain­tings, die uns die gan­ze Woche beglei­tet hat­ten. Die Natur hat­te längst begon­nen, selbst dar­an wei­ter­zu­ar­bei­ten. Wind, Tie­re und Wet­ter hat­ten Din­ge ver­än­dert und ver­scho­ben. Nun lös­ten wir sie bewusst wie­der auf und gaben alles zurück.

Dann hieß es früh­stü­cken, packen, die Hüt­te put­zen, Auto bela­den und Abschied nehmen.

Es waren wie­der sehr schö­ne und erfüll­te Tage auf der Hüt­te und ich bin dank­bar und glück­lich, dass ich die Strah­le­Mensch-Tage ver­an­stal­ten darf und dass immer wie­der Men­schen zu mir fin­den, die sich auf die­ses beson­de­re Mit­ein­an­der einlassen.

Als ich spä­ter die Rück­mel­dun­gen der Teil­neh­me­rin­nen gele­sen habe, hat mich beson­ders berührt, dass nicht nur das Wild­pflan­zen­wis­sen, das Qigong oder unse­re gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten genannt wur­den. Eine Teil­neh­me­rin schrieb: „Ich habe eine wun­der­ba­re Gemein­schaft erlebt, alle haben Hand in Hand agiert. Trotz­dem war Raum für Indi­vi­dua­li­tät.“ Eine ande­re beschrieb die Tage als „berei­chernd, ent­span­nend, sehr gut orga­ni­siert“ und erin­ner­te sich beson­ders an die tol­le Atmo­sphä­re und die vie­len net­ten Gespräche.

Und damit bin ich wie­der bei der Fra­ge, die mich wäh­rend mei­ner gan­zen Vor­be­rei­tung beglei­tet hat­te: Ist es genug?

Ja. Es war genug.

Viel­leicht muss ich gar nicht immer noch eine wei­te­re Idee, noch eine Akti­on und noch mehr Wis­sen in die­se Tage hin­ein­pa­cken. Viel­leicht braucht es auch die Zeit dazwi­schen, das gemein­sa­me Sit­zen am Tisch, die Gesprä­che, die Mit­tags­ru­he, einen frei­en Nach­mit­tag und den Raum, in dem etwas ent­ste­hen kann, das sich eben nicht pla­nen lässt.

Für mich waren die­se Strah­le­Mensch-Tage wie­der ein Stück Zeit außer­halb der Zeit. Ein paar Tage, in denen unser Leben plötz­lich sehr ein­fach wur­de: mor­gens auf­ste­hen und hin­aus in die Natur gehen, gemein­sam Qigong üben, Pflan­zen sam­meln, etwas Gutes dar­aus kochen, zusam­men essen, mit­ein­an­der reden, krea­tiv sein, aus­ru­hen und am Abend müde ins Bett fallen.

Und viel­leicht ist es genau das, was wir manch­mal brauchen.

Mit den Hän­den ler­nen. Mit dem Her­zen erle­ben. Mit der Natur wachsen.

Ich dan­ke allen Frau­en, die sich auf die­se Tage ein­ge­las­sen und sie mit mir gemein­sam zu dem gemacht haben, was sie waren, und ich freue mich schon sehr auf die nächs­ten Strah­le­Mensch Tage und viel­leicht sitzt Du bei den nächs­ten Strah­le­Mensch-Tagen mit uns an die­sem lan­gen Tisch vor der Hütte.

Eure
Hei­ke

Was die Teilnehmerinnen über die StrahleMensch-Tage sagen

„Ich habe eine wun­der­ba­re Gemein­schaft erlebt, alle haben Hand in Hand agiert. Trotz­dem war Raum für Indi­vi­dua­li­tät.“
Stef­fi

„Berei­chernd, ent­span­nend, sehr gut orga­ni­siert, lie­be Hei­ke! Vor allem die tol­le Atmo­sphä­re und die net­ten Gesprä­che.“
Teil­neh­me­rin der Strah­le­Mensch-Tage 2026

„Schö­ne Hüt­te in wun­der­ba­rer Umge­bung. Hei­ke sorgt sich um alle Teil­neh­mer mit Herz­blut und ihrem uner­schöpf­li­chen Wis­sen.“
Leo­ni

6 von 6 Teil­neh­me­rin­nen wür­den die Strah­le­Mensch-Tage „auf jeden Fall“ weiterempfehlen.

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