Mit den Händen lernen. Mit dem Herzen erleben. Mit der Natur wachsen.
Seit einigen Wochen hatte ich die StrahleMensch-Tage vorbereitet. Es war ein Genuss zu überlegen, was wir alles machen könnten und was den Teilnehmerinnen Freude machen würde. Ich habe Listen geschrieben und wieder geändert, Rezepte zusammengestellt, Hefte vorbereitet, Material zusammengesucht und immer wieder überlegt, ob das Programm stimmig ist? Lernen die Teilnehmerinnen genug? Brauche ich noch mehr Theorie? Noch eine Aktion? Noch etwas, das wir gemeinsam herstellen können?
Und immer wieder hatte ich noch eine Idee, bestellte das Material dazu und stellte alles zusammen. An den Tagen vor den StrahleMensch-Tagen ging es dann an die Lebensmittel und am Tag davor habe ich gebacken, gekocht und gepackt. Ich habe Apfelkuchen und Kirschkuchen gebacken, drei glutenfreie Brote, Brühe vorbereitet und ein Birchermüsli angesetzt und gefühlt meinen halben Haushalt ins Auto geladen.
Am Dienstag fuhr ich schließlich mit einem vollgepackten Auto los. Kurz noch beim Bäcker und beim Gemüsehändler vorbei, die letzten frischen Sachen besorgen, und dann ging es hinauf auf das Kalte Feld.
Das Kalte Feld ist ein wunderschönes Naturschutzgebiet mit einem kleinen Segelflugplatz und dort oben, mitten in der Natur und ein ganzes Stück weg von dem Leben, das die meisten von uns sonst führen, liegt die Schorndorfer Hütte. Kein Hotel und kein Seminarhaus, in dem morgens ein Frühstücksbuffet wartet und nach dem Essen jemand das Geschirr wegräumt. Es ist eine einfache DAV Selbstversorgerhütte meiner Sektion Schorndorf/ Backnang mit Matratzenlager, einer Dusche und einer Küche, in der wir die nächsten Tage gemeinsam kochen und leben würden.

Schon kurz nachdem ich angekommen war, trafen die ersten Teilnehmerinnen ein. Die Hütte war angenehm kühl und wir ließen die Läden erst einmal geschlossen, räumten alles aus und brachten Lebensmittel und Material hinein. Ich fuhr auch das Gepäck der Teilnehmerinnen nach oben zur Hütte (das ist nur dem Hüttenwirt erlaubt) und alle bezogen nach und nach ihren Schlafplatz.
Schnell wurden Kaffee, Tee und Kuchen hergerichtet und draußen vor der Hütte deckten wir unsere Tafel. Dieser Tisch sollte in den kommenden Tagen fast zu unserem Mittelpunkt werden. Wir haben dort gefrühstückt, gegessen, Kaffee getrunken, geredet und zusammengesessen und hatten dabei einen unglaublich schönen Weitblick hinunter ins Tal. Das Wetter meinte es mehr als gut mit uns und so konnten wir eigentlich die ganze Woche draußen leben.

Nach und nach kamen die weiteren Teilnehmerinnen an und es war ein entspanntes Ankommen. Diese Phase ist für mich immer besonders spannend. Die Teilnehmerinnen kennen mich meist durch meine Arbeit im Internet schon ziemlich gut, aber ich kenne sie häufig noch gar nicht. Nun waren wir acht Frauen mit ganz unterschiedlichen Leben und Geschichten, die für ein paar Tage miteinander auf dieser Hütte leben würden.
Ich kann vorher noch so viel planen und vorbereiten, aber ich kann nicht planen, was zwischen den Menschen entsteht. Ich kann nur versuchen, meinen Platz als Leitung einzunehmen, einen guten Rahmen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich alle wohlfühlen und die Gruppe zusammenwachsen kann. Aber es kommen einfach immer ganz eigene Persönlichkeiten an mit Bedürfnissen und Wünschen, die es gilt zusammen zu bringen.
Nachdem schließlich auch die letzte Teilnehmerin angekommen war, begannen ganz offiziell die StrahleMensch-Tage 2026. Wir starteten mit einem Kennenlernspiel, bei dem jede zusätzlich zu ihrem eigenen Namen den Namen einer Pflanze bekam: Heike Holunder, Silvia Salbei, Andrea Adonisröschen, Birgit Birke, Jeanette Jasmin, Ulrike Ulme, Leonie Löwenzahn und Steffi Silberdistel. So waren die Namen schnell gelernt und wir hatten gleich zu Beginn viel zu lachen.
Für mich war bei diesen Tagen wichtig, eine schöne Balance zu finden: zwischen dem Aufenthalt in der Natur, dem Kennenlernen und der Verwendung essbarer Wildpflanzen und der Möglichkeit, auch wieder ein Stück zu sich selbst zu finden.
Deshalb baute ich gleich zu Beginn ein schamanisches Ritual des Sandpaintings ein, das uns durch die gesamte Woche begleitete. Jede Teilnehmerin suchte sich draußen einen eigenen Platz und gestaltete dort mit dem, was sie in der Natur fand, ihr persönliches Bild. Jeden Morgen gingen wir kurz zu unseren Sandpaintings und schauten, was sich verändert hatte. Manchmal wurde etwas hinzugefügt, manchmal etwas weggenommen und manchmal gab es auch einfach nur etwas wahrzunehmen.

Und während ich mir vorher so viele Gedanken darüber gemacht hatte, was ich diesen Frauen alles bieten möchte, begann dort etwas zu entstehen, das ich überhaupt nicht vorbereiten konnte: Aus acht einzelnen Frauen wurde langsam eine Gemeinschaft.
Eigentlich ging es gar nicht langsam. Die Teilnehmerinnen waren selbst erstaunt darüber, wie schnell diese Gemeinschaft entstanden war und wie vertraut man miteinander wurde, obwohl man sich erst so kurze Zeit kannte.
Leben mit der Natur
Unsere Tage begannen immer mit einem morgendlichen Zitronenwasser und der eigenen Innenschau mit der Natur als Spiegel. Danach trafen wir uns zum Qigong und übten gemeinsam die 18-fache Gestalt des Taiji-Qigong. Anschließend wartete ein herrlich vielfältiges Frühstück auf uns, das wir bei schönstem Wetter draußen vor der Hütte genießen konnten.
Nachdem gemeinsam alles wieder aufgeräumt und verstaut war, machten wir uns mit unseren Sammelkörbchen auf den Weg. Wir beschäftigten uns mit den Pflanzen am Wegesrand, schauten uns ihre Erkennungsmerkmale an, sprachen darüber, was in ihnen steckt und wie wir sie verwenden können. Die Trockenheit hatte auch dort oben deutliche Spuren hinterlassen und trotzdem kamen wir nie mit leeren Körbchen zurück.

An der Hütte wurde unsere Ernte gewaschen, geschnibbelt und verarbeitet. Wir machten unter anderem eine Schafgarben-Knoblauch-Kräuterbutter und ein Stängelwasser, das einige Teilnehmerinnen doch sehr erstaunte. Vor allem aber entstand jeden Tag ein leckeres Essen mit vielen Wildkräutern.

Das Zubereiten unserer Mahlzeiten nahm überhaupt einen großen Raum ein und im Nachhinein glaube ich, dass genau das richtig war. Ich hatte für die Woche einen Speiseplan vorbereitet und für jede Mahlzeit gab es zwei Teilnehmerinnen, die den „Küchenhut“ aufhatten. Aber dabei blieb es eigentlich nie. Alle anderen halfen mit, wenn etwas zu tun war. Es wurde geschnibbelt, gespült, getragen, auf- und abgedeckt und ich fand es wunderschön zu sehen, wie selbstverständlich hier Hand in Hand gearbeitet wurde. Es gab keine Drückeberger, niemand musste ständig aufgefordert werden und jeder war irgendwie dabei.

Nach dem Mittagessen kehrte dann Ruhe ein. Ich bereitete die Leberwickel vor, füllte die Wärmflaschen und danach war wirklich Mittagsruhe. Das war mir wichtig, denn die Tage sollten nicht nur mit Wissen und Aktivitäten gefüllt sein. Es sollte auch Zeit geben, in der alles ein wenig nachwirken durfte und auch Zeit für Entspannung war.
Später trafen wir uns immer wieder wieder zu unserem Kreativprogramm. Wir lernten verschiedene Möglichkeiten kennen, Stoffe und Taschen mit Pflanzen zu gestalten. Wir experimentierten mit Cyanotypie, Kurkuma und der Hammertechnik und jeden Tag entstand ein bisschen mehr. Nicht nur auf unseren Stoffen, sondern auch zwischen uns.

An einem Tag gab es ganz bewusst kein festes Programm. Jede durfte selbst entscheiden, was sie mit dieser Zeit anfangen wollte. Einige Teilnehmerinnen machten sich auf den Weg zu einer nahe gelegenen Höhle und daraus wurde schließlich eine doch recht ordentliche Wanderung. Andere genossen einfach die freie Zeit rund um die Hütte, sammelten, lasen ein Buch, erholten sich und genossen einfach die wunderbare Landschaft.
Auch das Pflanzenwissen erarbeiteten wir uns. Jede Teilnehmerin hatte die Aufgabe, sich mit einer Pflanze etwas näher zu beschäftigen und sie den anderen vorzustellen. So lernten die Teilnehmer auch voneinander, Wissen wurde zusammengetragen und es entstanden immer wieder Gespräche und neue Fragen.
Die Abende waren kurzweilig und irgendwann waren wir einfach glücklich und müde. Meist sanken wir zwischen 22 und 23 Uhr in unsere Betten, um am nächsten Morgen spätestens um sieben Uhr wieder aus den Federn zu hüpfen und einen neuen Tag auf dem Kalten Feld zu beginnen.
Eine Zeit außerhalb der Zeit
Mit jedem Tag wurden wir ein wenig vertrauter miteinander. Wir wussten, wer morgens zuerst einen Kaffee braucht, wer wo gerne sitzt, wem welche Tasse gehört, wer schnell mit anpackt und wo jemand vielleicht auch einmal seine Ruhe braucht. Wir haben viel gelacht, miteinander gesprochen, Pflanzen entdeckt, gekocht, gegessen, ausprobiert und gelernt.
Und plötzlich war Sonntag.
Wir gingen ein letztes Mal zu unseren Sandpaintings, die uns die ganze Woche begleitet hatten. Die Natur hatte längst begonnen, selbst daran weiterzuarbeiten. Wind, Tiere und Wetter hatten Dinge verändert und verschoben. Nun lösten wir sie bewusst wieder auf und gaben alles zurück.
Dann hieß es frühstücken, packen, die Hütte putzen, Auto beladen und Abschied nehmen.
Es waren wieder sehr schöne und erfüllte Tage auf der Hütte und ich bin dankbar und glücklich, dass ich die StrahleMensch-Tage veranstalten darf und dass immer wieder Menschen zu mir finden, die sich auf dieses besondere Miteinander einlassen.
Als ich später die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen gelesen habe, hat mich besonders berührt, dass nicht nur das Wildpflanzenwissen, das Qigong oder unsere gemeinsamen Aktivitäten genannt wurden. Eine Teilnehmerin schrieb: „Ich habe eine wunderbare Gemeinschaft erlebt, alle haben Hand in Hand agiert. Trotzdem war Raum für Individualität.“ Eine andere beschrieb die Tage als „bereichernd, entspannend, sehr gut organisiert“ und erinnerte sich besonders an die tolle Atmosphäre und die vielen netten Gespräche.
Und damit bin ich wieder bei der Frage, die mich während meiner ganzen Vorbereitung begleitet hatte: Ist es genug?

Ja. Es war genug.
Vielleicht muss ich gar nicht immer noch eine weitere Idee, noch eine Aktion und noch mehr Wissen in diese Tage hineinpacken. Vielleicht braucht es auch die Zeit dazwischen, das gemeinsame Sitzen am Tisch, die Gespräche, die Mittagsruhe, einen freien Nachmittag und den Raum, in dem etwas entstehen kann, das sich eben nicht planen lässt.
Für mich waren diese StrahleMensch-Tage wieder ein Stück Zeit außerhalb der Zeit. Ein paar Tage, in denen unser Leben plötzlich sehr einfach wurde: morgens aufstehen und hinaus in die Natur gehen, gemeinsam Qigong üben, Pflanzen sammeln, etwas Gutes daraus kochen, zusammen essen, miteinander reden, kreativ sein, ausruhen und am Abend müde ins Bett fallen.
Und vielleicht ist es genau das, was wir manchmal brauchen.
Mit den Händen lernen. Mit dem Herzen erleben. Mit der Natur wachsen.
Ich danke allen Frauen, die sich auf diese Tage eingelassen und sie mit mir gemeinsam zu dem gemacht haben, was sie waren, und ich freue mich schon sehr auf die nächsten StrahleMensch Tage und vielleicht sitzt Du bei den nächsten StrahleMensch-Tagen mit uns an diesem langen Tisch vor der Hütte.
Eure
Heike
Was die Teilnehmerinnen über die StrahleMensch-Tage sagen
„Ich habe eine wunderbare Gemeinschaft erlebt, alle haben Hand in Hand agiert. Trotzdem war Raum für Individualität.“
Steffi
„Bereichernd, entspannend, sehr gut organisiert, liebe Heike! Vor allem die tolle Atmosphäre und die netten Gespräche.“
Teilnehmerin der StrahleMensch-Tage 2026
„Schöne Hütte in wunderbarer Umgebung. Heike sorgt sich um alle Teilnehmer mit Herzblut und ihrem unerschöpflichen Wissen.“
Leoni
6 von 6 Teilnehmerinnen würden die StrahleMensch-Tage „auf jeden Fall“ weiterempfehlen.
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