Der Neusiedler See hat mich schon lange fasziniert, und im Winter hatte ich endlich die Gelegenheit, ihn in Ruhe zu erkunden. Mit meinem Camper bin ich an den Ufern entlanggefahren, habe immer wieder angehalten und die Landschaft auf mich wirken lassen. Kaum Menschen, viel Weite, Schilf, das im Wind rauscht, und dazwischen ein paar grüne Wildpflanzen, die dem Frost trotzen.
Ich nehme Dich mit an diesen besonderen Steppensee zwischen Österreich und Ungarn und erzähle Dir, warum ich den Winter dort so genossen habe.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Neusiedler See liegt im Burgenland an der Grenze zu Ungarn und ist der westlichste Steppensee Europas.
- Er ist im Durchschnitt nur etwa einen Meter tief, an der tiefsten Stelle rund 1,8 Meter.
- Etwa die Hälfte des Sees ist von Schilf bedeckt. Nach dem Donaudelta ist es das größte zusammenhängende Schilfgebiet Europas.
- Die Kulturlandschaft Neusiedler See gehört seit 2001 zum UNESCO-Welterbe, der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel besteht seit 1993.
- Im Winter ist es am See still und leer. Ich habe dort im Februar Vogelmiere, Löwenzahnblüten und junge Brennnesseltriebe gefunden.
Der Neusiedler See: ein Steppensee voller Schilf
Was mich sofort beeindruckt hat, ist die Weite. Der See liegt ganz flach in der Landschaft und ist erstaunlich seicht, im Durchschnitt nur etwa einen Meter tief. Er ist der westlichste Steppensee Europas: Er hat keinen natürlichen Abfluss und wird vor allem vom Regen gespeist, deshalb schwankt sein Wasserstand. Rund um das Wasser zieht sich ein riesiger Schilfgürtel. Etwa die Hälfte des Sees ist von Schilf bedeckt, und nach dem Donaudelta ist es das größte zusammenhängende Schilfgebiet Europas.

Nicht ohne Grund gehört die Kulturlandschaft Neusiedler See seit 2001 zum UNESCO-Welterbe. Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, den es seit 1993 gibt, leben mehr als 300 Vogelarten.

Vögel beobachten am Ufer
An einem Aussichtspunkt habe ich mir einfach Zeit genommen und geschaut. In der Ferne zogen Graugänse über das Wasser, Reiher standen regungslos am Ufer, und über mir kreiste ein Greifvogel. Vielleicht kennst Du dieses Gefühl auch: Man steht ganz still, und plötzlich merkt man, wie viel Leben um einen herum ist. Der See verändert dabei ständig sein Gesicht, je nach Wetter, Licht und Tageszeit.
Im Winter mit dem Camper am Neusiedler See
Im Winter ist am See kaum etwas los, und genau das hat mir gefallen. Ich habe auf Stellplätzen übernachtet, an denen meist ein Schild mit „Winterpause“ hing. Wasser gab es dort nicht und entsorgen konnte ich auch nicht. Da ich eine Zeit lang autark unterwegs sein kann, hat mich das überhaupt nicht gestört, im Gegenteil: Ich habe diesen Bonus für den Geldbeutel richtig genossen.

Auch am Ufer selbst stand ich meist ganz allein in der ersten Reihe. Ich kann dieser Reisezeit sehr viel abgewinnen, weil Du solche Orte in aller Ruhe erleben und richtig spüren kannst. Nur für ein Bad war es mir dann doch zu kalt.

Essbare Wildpflanzen am Neusiedler See im Winter
Trotz des Winters wollte ich wissen, ob ich hier essbare Wildpflanzen finde, und ich wurde überrascht. Schon beim ersten Stopp entdeckte ich Vogelmiere, die sich mit ihrem zarten Grün zwischen den vertrockneten Gräsern ausbreitete. Sogar mit Raureif überzogen war sie noch frisch. Sie schmeckt mild und ein wenig nach jungem Mais und passt wunderbar in Salate oder Smoothies.

Nicht weit davon leuchteten mir einige Löwenzahnblüten entgegen, ganz eng an den Boden geduckt und trotzdem voller Kraft. Der Löwenzahn beeindruckt mich immer wieder, weil er selbst Kälte trotzt. Mehr über ihn liest Du in Fit und gesund mit Löwenzahn. Und auch junge Brennnesseltriebe habe ich entdeckt, noch klein, aber schon kräftig grün, schön für einen Tee oder als grüne Zugabe in einer Suppe.
Diese Funde haben mir wieder gezeigt, dass die Natur uns zu jeder Jahreszeit etwas schenkt, wenn wir nur genau hinschauen. Bitte sammle nur, was Du sicher bestimmen kannst, und nur außerhalb von Schutzgebieten. Im Nationalpark gelten eigene Regeln, dort bleibst Du auf den Wegen und lässt die Pflanzen stehen. Wie Du Wildpflanzen sicher erkennst, erfährst Du in Wildpflanzen erkennen, nutzen und lieben.
Radfahren, Segeln und Wein rund um den See
Natürlich lädt der Neusiedler See auch zum Aktivsein ein. Der Radweg B10 führt auf rund 117 Kilometern einmal um den See. In der warmen Jahreszeit kannst Du die Runde mit den Radfähren zwischen Mörbisch und Illmitz oder zwischen Rust und Podersdorf abkürzen. Da der Seewinkel ganz flach ist, radelt es sich hier auch ohne viel Training angenehm. Auf dem Wasser sind Segler und Kitesurfer unterwegs, denn am See weht fast immer ein beständiger Wind.
Rund um den See wachsen außerdem viele Weinreben. Besonders Orte wie Rust, Mörbisch und Gols sind für ihren Wein bekannt. Bei einem Heurigen war ich diesmal nicht, das hebe ich mir für meinen nächsten Besuch auf.
Goldene Momente am Wasser
Besonders eindrucksvoll war ein Stopp am späten Nachmittag, als die Sonne tief stand und den See in goldenes Licht tauchte. Die Spiegelungen auf dem Wasser, die sanften Wellen und diese Stille. Das war einer dieser Momente, in denen ich einfach tief durchgeatmet habe und mich ganz als Teil der Natur gefühlt habe.

Mein Fazit: Lohnt sich der Neusiedler See im Winter?
Für mich unbedingt. Der Neusiedler See ist eine Landschaft voller Leben, mit Weite, Vögeln, Schilf und erstaunlich viel Grün mitten im Winter. Wer Ruhe sucht und keine Badesaison braucht, findet hier im Winter einen ganz besonderen Ort.
Warst Du schon einmal am Neusiedler See? Im Sommer oder auch im Winter? Schreib mir gern unten in die Kommentare, was Du dort erlebt hast.
Häufige Fragen zum Neusiedler See
Wie tief ist der Neusiedler See?
Der Neusiedler See ist im Durchschnitt nur etwa einen Meter tief, an der tiefsten Stelle rund 1,8 Meter. Deshalb erwärmt er sich im Sommer schnell und friert im Winter leicht zu.
Warum heißt der Neusiedler See Steppensee?
Der Neusiedler See hat keinen natürlichen Abfluss und wird vor allem durch Niederschläge gespeist. Sein Wasserstand schwankt deshalb stark. Solche flachen Seen sind typisch für Steppenlandschaften, und der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas.
Wie lang ist der Radweg um den Neusiedler See?
Der Radweg B10 rund um den See ist laut Burgenland Tourismus 117,5 Kilometer lang und führt auch durch Ungarn. In der Saison kannst Du die Runde mit Radfähren über den See abkürzen.
Lohnt sich der Neusiedler See im Winter?
Ja, wenn Du Ruhe und Natur suchst. Es sind kaum Menschen unterwegs, Du kannst Wasservögel beobachten und findest selbst im Winter Wildpflanzen wie Vogelmiere oder Löwenzahn. Viele Stellplätze und Lokale haben dann allerdings Winterpause.
Darf man am Neusiedler See Wildpflanzen sammeln?
Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel gelten Schutzregeln, dort solltest Du nichts pflücken und auf den Wegen bleiben. Außerhalb von Schutzgebieten kannst Du für den eigenen Bedarf kleine Mengen sammeln, aber nur Pflanzen, die Du sicher kennst.

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