Dänemarks Westküste – zwischen Dünen, Heide und Meer

Von Esbjerg aus ging mei­ne Rei­se wei­ter Rich­tung Nor­den und ich glau­be, ich hat­te mir vor­her gar nicht vor­ge­stellt, wie wun­der­schön die Land­schaft direkt hin­ter den Dünen an Däne­marks West­küs­te ist.

Ich fuhr durch gro­ße Hei­de­flä­chen, die jetzt im August in vol­ler Blü­te stan­den. Die­ses Vio­lett zwi­schen den Dünen, dazwi­schen immer wie­der gel­be Farb­tup­fer und über allem die­ser wei­te Him­mel – ich hät­te stän­dig irgend­wo anhal­ten können.

Natür­lich wan­dert mein Blick bei sol­chen Fahr­ten irgend­wann auto­ma­tisch zu den Pflan­zen und da ent­deck­te ich tat­säch­lich immer wie­der Ech­te Gold­ru­te. Dar­über habe ich mich beson­ders gefreut, denn bei uns fin­de ich sie längst nicht so häu­fig. Viel öfter begeg­nen mir zuhau­se die Kana­di­sche oder die Rie­sen-Gold­ru­te. Hier stand die hei­mi­sche Ech­te Gold­ru­te ein­fach zwi­schen der Hei­de am Wegesrand.

Über­haupt hat­te die­se Land­schaft etwas ganz Beson­de­res. Ich war der Nord­see die gan­ze Zeit unglaub­lich nah und konn­te sie trotz­dem oft gar nicht sehen, weil die hohen Dünen dazwi­schen­la­gen. Aber natür­lich konn­te ich nicht ein­fach dar­an vorbeifahren.

Immer wieder über die Dünen ans Meer

Immer wie­der bog ich von mei­ner eigent­li­chen Stre­cke ab und fuhr auf klei­ne Park­plät­ze direkt hin­ter den Dünen, unter ande­rem auch bei Hen­ne Strand. Dann Cam­per abstel­len und noch schnell über die Düne schauen.

Wobei „noch schnell“ bei einer Düne natür­lich rela­tiv ist. Im Sand hoch­zu­lau­fen ist ja doch immer etwas anstren­gen­der, als es von unten aus­sieht. Am bes­ten geht das Bar­fuss – herr­lich den Sand zwi­schen den Zehen zu spü­ren. Oben ange­kom­men lag sie jedes Mal wie­der vor mir: die Nord­see. Ich weiß gar nicht, war­um ich immer wie­der über die nächs­te Düne muss, obwohl ich doch genau weiß, was dahin­ter kommt. Aber Meer wird mir ein­fach nicht langweilig.

Die Gegend um Hen­ne Strand ist geprägt von genau die­ser Land­schaft, die mich an die­sem Tag so begeis­tert hat: brei­te Sand­strän­de, hohe Dünen, Hei­de­flä­chen und dahin­ter teil­wei­se wie­der Wald. Und wäh­rend die Nord­see von der Stra­ße aus oft ver­bor­gen bleibt, reicht es manch­mal, über eine ein­zi­ge Düne zu stei­gen, und plötz­lich liegt die­se gan­ze Wei­te vor einem.

An die­sem Tag zeig­te sich die Nord­see aller­dings nicht unbe­dingt von ihrer sanf­ten Sei­te. Es war unglaub­lich win­dig. Der Sand flog über den Strand und ich bekam mein Sand­pee­ling fürs Gesicht gleich kos­ten­los dazu. Den Mund soll­te man bei sol­chen Wind­bö­en mög­lichst geschlos­sen hal­ten, denn sonst knirscht es anschlie­ßend ordent­lich zwi­schen den Zähnen.

Und wäh­rend ich da im flie­gen­den Sand stand, wur­de mir wie­der bewusst, wie sehr die­ser Wind die Land­schaft prägt, durch die ich gera­de fuhr.

Wie entstehen eigentlich diese riesigen Dünen?

Die Dünen an der däni­schen West­küs­te sind kei­ne Sand­ber­ge, die irgend­wann ein­mal ent­stan­den sind und seit­dem dort lie­gen. Sie gehö­ren zu einer Land­schaft, die stän­dig in Bewe­gung ist.

Der Wind nimmt tro­cke­nen Sand vom Strand auf und trägt ihn land­ein­wärts. Trifft er dort auf Pflan­zen oder ande­re Hin­der­nis­se, ver­liert er an Geschwin­dig­keit und ein Teil des San­des bleibt lie­gen. Immer mehr Sand sam­melt sich an und nach und nach kön­nen dar­aus Dünen entstehen.

Pflan­zen spie­len dabei eine wich­ti­ge Rol­le, denn mit ihren Wur­zeln hal­ten sie den Sand fest. Gleich­zei­tig müs­sen gera­de die Pflan­zen in den vor­de­ren Dünen eini­ges aus­hal­ten. Der Wind bläst stän­dig neu­en Sand her­an, Pflan­zen wer­den teil­wei­se zuge­deckt, der Boden ist nähr­stoff­arm und tro­cken und natür­lich spielt auch das Salz vom Meer eine Rolle.

Hin­ter den vor­de­ren Dünen wird es all­mäh­lich geschütz­ter. Der Sand kommt mehr zur Ruhe und ande­re Pflan­zen kön­nen sich ansie­deln. Und dort ent­ste­hen unter ande­rem die­se wun­der­schö­nen Dünen­hei­den, durch die ich kilo­me­ter­weit gefah­ren bin.

Die Dünen­land­schaft an der West­küs­te ist also kei­nes­wegs starr. Wind und Was­ser tra­gen Sand ab, trans­por­tie­ren ihn wei­ter und lagern ihn an ande­rer Stel­le wie­der ab. Genau die­se Dyna­mik gehört zu die­ser Küste.

Ich fin­de es span­nend, sol­che Zusam­men­hän­ge zu ken­nen. Natür­lich ist eine blü­hen­de Hei­de­land­schaft auch ein­fach schön. Aber wenn ich weiß, war­um sie gera­de hier ent­stan­den ist und was die Pflan­zen leis­ten müs­sen, um an die­sem Stand­ort über­haupt wach­sen zu kön­nen, schaue ich schon wie­der ein biss­chen anders hin.

Die blühende Dünenheide an Dänemarks Westküste

Im August hat­te ich für die­se Stre­cke offen­bar einen rich­tig guten Zeit­punkt erwischt, denn die Hei­de blüh­te wunderschön.

Dünen­hei­den sind ein beson­de­rer Lebens­raum. Die Böden sind san­dig, sau­er und nähr­stoff­arm und die Pflan­zen müs­sen mit Wind und Tro­cken­heit zurecht­kom­men. Neben ver­schie­de­nen Hei­de­ar­ten fin­det man dort bei­spiels­wei­se Krä­hen­bee­ren und in feuch­te­ren Berei­chen auch Glo­cken­hei­de, Moos­bee­ren oder sogar Sonnentau.

Gera­de die­se Mischung fand ich so schön. Vor­ne die wil­de Nord­see mit ihrem brei­ten Sand­strand, dann die Dünen und gleich dahin­ter die­se ganz ande­re, viel ruhi­ge­re Land­schaft mit ihren blü­hen­den Heideflächen.

Und immer wie­der fuhr ich doch wie­der Rich­tung Meer.

Wunderschöne Plätze hinter den Dünen – nur leider nicht für die Nacht

An Mög­lich­kei­ten, irgend­wo anzu­hal­ten, man­gel­te es nicht. Ich fand immer wie­der klei­ne Park­plät­ze direkt hin­ter den Dünen und eini­ge davon wären traum­haf­te Über­nach­tungs­plät­ze gewe­sen. Nur darf man auf die­sen Plät­ze eben nicht über Nacht stehen.

Also schau­te ich mir das Meer an, genoss den Strand und fuhr anschlie­ßend weiter.

Irgend­wann kam natür­lich die Fra­ge auf, wo ich denn nun tat­säch­lich über­nach­ten soll­te. Zunächst fand ich einen klei­nen ver­las­se­nen Park­platz am Fjord. Eigent­lich war er schön und herr­lich ruhig. Aber ich stand dort voll­kom­men allein und drau­ßen stürm­te es ordent­lich. Je län­ger ich dort stand, des­to weni­ger gefiel mir die Vor­stel­lung, die gan­ze Nacht dort allei­ne zu verbringen.

Also pack­te ich noch ein­mal zusam­men und fuhr weiter.

Das ist beim Rei­sen mit dem Cam­per eben auch immer ein biss­chen Bauch­ge­fühl. Man­che Plät­ze sehen in einer App groß­ar­tig aus und füh­len sich vor Ort über­haupt nicht gut an. Ande­re fin­det man eher zufäl­lig und möch­te am liebs­ten gar nicht mehr weg.

An die­sem Abend wur­de es schließ­lich ein Campingplatz.

Eine Nacht direkt hinter der Düne bei Hvide Sande

Ich fuhr zum Dancamps Holms­land bei Hvi­de San­de. In Park4Night war der Platz mit unge­fähr 25 Euro ange­ge­ben und damit konn­te ich gut leben.

An der Rezep­ti­on erfuhr ich dann aller­dings, dass mei­ne Über­nach­tung 46 Euro kos­ten sollte.

Das fand ich schon ziem­lich hef­tig und mit die­sem Preis hat­te ich wirk­lich nicht gerech­net. Aber inzwi­schen war ich dort, drau­ßen stürm­te es und der Cam­ping­platz lag tat­säch­lich wun­der­schön direkt hin­ter den Dünen. Also beschloss ich zu blei­ben. Ich woll­te auch mal wie­der alles im Cam­per ent­sor­gen und auch mal wie­der duschen. Und die Lage war wirk­lich toll.

Am Abend ging ich natür­lich noch ein­mal über die Düne ans Meer. Der Wind war immer noch da, die Wel­len eben­falls und ich konn­te ein­fach noch ein biss­chen am Strand ent­lang­lau­fen und die Nord­see genießen.

Am nächs­ten Mor­gen führ­te mich mein ers­ter Weg wie­der hin­über. Wenn ich schon direkt hin­ter der Düne schla­fe, muss ich schließ­lich auch mor­gens noch ein­mal schau­en, ob das Meer noch da ist.

Danach nutz­te ich den Cam­ping­platz dann aber auch aus­gie­big. Ich dusch­te, füll­te alles auf, was auf­ge­füllt wer­den muss­te, leer­te den Cam­per und mach­te mich wie­der rei­se­fer­tig. Für 46 Euro woll­te ich wenigs­tens mit frisch ver­sorg­tem Cam­per wei­ter­fah­ren. Und dann ging es auf Holms­land Klit wei­ter Rich­tung Norden.

Holmsland Klit – Nordsee auf der einen, Fjord auf der anderen Seite

Erst als ich mich ein biss­chen genau­er mit der Gegend beschäf­tig­te, wur­de mir bewusst, auf was für einem beson­de­ren Stück Land ich da eigent­lich unter­wegs war.

Holms­land Klit ist eine schma­le Neh­rung zwi­schen der Nord­see und dem Ring­kø­bing Fjord. Sie zieht sich von Nymin­de­gab im Süden bis Søn­der­vig im Nor­den. Auf der einen Sei­te liegt die offe­ne Nord­see und nur weni­ge Kilo­me­ter wei­ter auf der ande­ren Sei­te der viel geschütz­te­re Fjord.

Wäh­rend der Fahrt nimmt man die­se beson­de­re Lage gar nicht immer so deut­lich wahr. Man sieht Dünen, Hei­de, Feri­en­häu­ser und immer wie­der Was­ser. Erst auf der Kar­te wird rich­tig sicht­bar, auf welch schma­lem Strei­fen Land man eigent­lich unter­wegs ist.

Am nächs­ten Tag soll­te ich genau die­se Land­schaft noch ein­mal aus einer völ­lig ande­ren Per­spek­ti­ve sehen. Mein nächs­tes Ziel war näm­lich der Lyng­vig Fyr. Von oben kann man sowohl über die Nord­see als auch über den Ring­kø­bing Fjord schauen.

Aller­dings muss­te ich dafür erst ein­mal hin­auf. Und das kos­te­te mich mehr Über­win­dung, als mir lieb war. Aber das ist eine ande­re Geschichte.

Echte Goldrute zwischen Dünen und Heide

Bevor ich wei­ter­fah­re, muss ich natür­lich noch ein­mal zu den Pflan­zen zurück­kom­men. Denn neben der blü­hen­den Hei­de war es vor allem die Ech­te Gold­ru­te (Soli­da­go vir­gau­rea), die mir auf die­ser Stre­cke immer wie­der auf­ge­fal­len ist.

Bei uns begeg­nen einem inzwi­schen viel häu­fi­ger die aus Nord­ame­ri­ka stam­men­de Kana­di­sche Gold­ru­te. Sie kön­nen gro­ße Bestän­de bil­den und fal­len mit ihren üppi­gen gel­ben Blü­ten­stän­den schon von wei­tem auf. Die hei­mi­sche Ech­te Gold­ru­te wirkt dage­gen fast ein biss­chen zurück­hal­ten­der. Ihre ein­zel­nen Blü­ten­köpf­chen sind grö­ßer und ste­hen in einem locke­re­ren Blütenstand.

Dabei ist gera­de sie eine alte Heil­pflan­ze. Tra­di­tio­nell wird das blü­hen­de Kraut vor allem für die ablei­ten­den Harn­we­ge ver­wen­det. Die Gold­ru­te för­dert die Harn­aus­schei­dung und wird des­halb bei­spiels­wei­se zur Durch­spü­lung der Harn­we­ge eingesetzt.

Ich freue mich immer, wenn ich Pflan­zen, die ich von zuhau­se ken­ne, unter­wegs in einer ganz ande­ren Land­schaft wie­der­fin­de. Gleich­zei­tig ver­än­dert sich dadurch auch mein Blick auf einen Ort. Aus einer gelb und vio­lett blü­hen­den Flä­che wer­den plötz­lich ein­zel­ne Pflan­zen, die ich erken­ne und über die ich etwas weiß.

Und natür­lich gibt es dann dane­ben immer noch genü­gend Pflan­zen, bei denen ich kei­ne Ahnung habe, wer da vor mir steht. Das macht es ja gera­de spannend.

Mit den Wildpflanzen durchs Jahr

Genau die­ses Ent­de­cken möch­te ich auch in mei­nem Kurs „Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr“ wei­ter­ge­ben. Mir geht es nicht dar­um, mög­lichst vie­le Pflan­zen­na­men aus­wen­dig zu ler­nen. Ich möch­te die Pflan­zen drau­ßen ken­nen­ler­nen, sie im Lau­fe der Jah­res­zei­ten immer wie­der tref­fen, sie sicher erken­nen und natür­lich auch erfah­ren, was ich mit ihnen machen kann.

Denn irgend­wann ver­än­dert sich dadurch tat­säch­lich der Blick auf die Land­schaft. Wo vor­her ein­fach nur eine Wie­se, ein Wald­rand oder eine Hei­de­flä­che war, ste­hen plötz­lich lau­ter ein­zel­ne Pflan­zen. Man­che sind alte Bekann­te und ande­re machen neu­gie­rig und wol­len noch ent­deckt werden.

→ Mehr über mei­nen Kurs „Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr“

Weiterlesen – meine Reise durch Dänemark

Mei­ne Rei­se ent­lang der däni­schen West­küs­te geht natür­lich wei­ter. Nach der Nacht hin­ter den Dünen bei Hvi­de San­de führ­te mich mein nächs­ter Weg zum Lyng­vig Fyr. Ich woll­te unbe­dingt hin­auf, obwohl mir sol­che Höhen durch­aus Über­win­dung kos­ten. Von oben hat­te ich dafür einen wun­der­ba­ren Blick über genau die Land­schaft, durch die ich am Tag zuvor gefah­ren war: auf der einen Sei­te die Nord­see, auf der ande­ren der Ring­kø­bing Fjord und dazwi­schen die­ser schma­le Strei­fen Land.

→ Wei­ter geht es: Lyng­vig Fyr – zwi­schen Nord­see und Ring­kø­bing Fjord

Wer mei­ne Rei­se von Anfang an ver­fol­gen möch­te, fin­det unter „Rei­sen & Begeg­nun­gen“ auch mei­ne bis­he­ri­gen Sta­tio­nen mit Bad Hers­feld, Flens­burg, Glücks­burg, Ribe, dem Wat­ten­meer und Esbjerg.

→ Alle Rei­se­be­rich­te unter „Rei­sen & Begegnungen“

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