Unser Weihnachtsbaum

Er steht jetzt in vielen Wohnzimmern und nach ein paar Tagen wird er einfach vor die Tür gestellt. Doch ein Weihnachtsbaum kann für uns noch viel mehr sein. Davon handelt dieser Beitrag.

Der Weihnachtsbaum ist in der Weihnachtszeit fest verankert. Zum heiligen Abend wird er in den Wohnzimmern aufgestellt und mit Kerzen, Kugeln und Sternen geschmückt. Die Geschenke sind meist darunter zu finden und in seinem Schein wird gemeinsam musiziert und Lieder gesungen. Doch woher stammt dieser Brauch eigentlich?

Ursprung des Weihnachtsbaumes:

Älteste Zeugnisse kommen aus dem 16. Jahrhundert. Es ging damals um einen Gedenktag für Adam und Eva. In der Protestantischen Kirche wurde ein Baum aufgestellt, welcher mit Kerzen geschmückt war. In der katholischen Kirche war dies bis zum 20. Jahrhundert verboten. Dort stand immer die Krippe im Vordergrund. Der erste Weihnachtsbaum soll erst 1982 durch Johannes Paul II auf dem Petersplatz neben dem Obelisken aufgestellt worden sein.²Heute ist der Baum aus allen Kirchen nicht mehr wegzudenken.

Doch wir können noch weiter zurückgehen. Der Nadelbaum ist ein immergrüner Baum und war auch fest in germanischen und keltischen Bräuchen verankert. Er symbolisierte durch  seine dauerhaften grünen Nadeln die Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Man hat in jenen Zeiten noch keinen Baum verwendet. Aber es waren Zweige von Tanne, Wacholder und Mistel mit welchen man seine Häuser zur Wintersonnenwende schmückte. Eines der wichtigen keltischen Feste. Es hat in jenen Zeiten  noch nicht so viele Nadelwälder in unseren Regionen gegeben, so hat man meist nur Zweige verwendet.

Es waren die Handwerkszünfte welche als erstes einen Baum geschmückt haben. Dies ist dann zunächst auf die Wohlhabenden Menschen übergegangen und später verbreitete sich der Brauch immer mehr. Er schwappte auch nach Amerika. 1889₁ wurde erstmals ein Weihnachtsbaum im weissen Haus aufgestellt. 

Der Brauch war nicht mehr aufzuhalten und ist heute nicht mehr wegzudenken. Es werden immer mehr Stimmen laut, dass der Brauch doch zu überdenken wäre. Für zwei Wochen einen Baum abzuschlagen, welcher ca 15 Jahre alt ist und dann einfach wieder wegzuwerfen. So gibt es tolle Aktionen mit Bäumen im Topf, welche man dann hinterher in den Garten pflanzen kann. Oder eine Freundin erzählte mir, dass sie einen Garten mit einer Fichtenhecke haben und jedes Jahr zu Weihnachten wird oben eine Spitze gekappt und als Weihnachtsbaum ins Haus geholt und wird geschmückt und bewundert egal ob krumm oder wenig Äste.

Woher kommt unser Baum:

Ich finde da sollte sich jeder Gedanken machen und auch mit Achtsamkeit den Bäumen gegenüber handeln. Ich erzähle euch heute hier von meinem Weg wie wir damit in der Familie umgehen.

Wir holen die Säge aus dem Keller und gehen los zu einem Baumverkäufer in unserer Nähe. Sie haben die Bäume angepflanzt und man darf dort durch die Plantage gehen und selbstständig einen Baum heraussuchen und sägen. Die Bäume werden nicht behandelt und gespritzt, wie es vielleicht in Großplantagen der Fall ist. Für meine Kinder ist es jedes mal ein Highlight sich selbst den Baum auszusuchen und dann mit heimzunehmen. Wir haben eine Beziehung von Anfang an. Wir haben gesehen wo er gewachsen ist, welches seine Nachbarn waren und danken dem Ort und bringen ihn nach Hause. 

Dort verbringen wir zusammen eine wundervolle Zeit. Er wird jedoch nicht nach dem 6.1. sofort wieder aus dem Wohnzimmer verbannt, sondern darf noch länger dort stehen. Ich habe noch im Januar Geburtstag und da steht immer noch der Weihnachtsbaum. Danach wird er abdekoriert und wird für tolle Sachen weiterverwendet. Man kann ihn komplett wiederverwenden. Dies möchte ich gerne mit Euch teilen und Euch inspirieren.

Warum ich das so erzähle? Die Bäume für die großen billigen Verkäufer werden meist in kurzer Zeit erzogen und um möglichst wenig Verluste zu haben werden sie gern mit Pestiziden behandelt. Ich möchte mir keinen solchen Baum ins Wohnzimmer stellen und weiterverwenden kann man ihn auch nicht. Also achtet darauf woher ihr die Bäume bekommt. Die Nadelbäume haben aber auch auf weiterer Ebene schon immer Verwendung gehabt, das möchte ich euch auch erzählen:

Verwendung in der Volksheilkunde:

  • Festigung des Zahnfleisches (kauen des Harzes wie Kaugummi)
  • Schutz der Zähne
  • Skorbutvorbeugung (Nadeln enthalten viel Vitamin C)
  • Lungenstärkung und schleimlösend (Tee aus den Nadeln)
  • bei Erkältungskrankheiten (inhalieren)
  • Rheuma und Neuralgien (Einreibungen sind durchblutungsfördernd)

Es wurden auch Pflanzenwässer und ätherische Öle gewonnen, welche Terpene enthalten mit vielen Anwendungsmöglichkeiten.

Herstellung eines eigenen Quirls:

Die erste Idee, welche ich mit Euch teilen möchte ist die Herstellung eines wundervollen Quirls. Als erstes nehme ich ihm dafür die Spitze. Dort werden die Nadeln und und die Rinde entfernt und schon hat man einen wundervollen Holzquirl hergestellt. welchen man für die Kräuter-Rezepte verwenden kann.

In der wilden Küche: 

Dann kann man mit den Nadeln und Rinden noch viele weitere wundervolle Dinge herstellen. Bei uns stehen meistens die Tannen in den Wohnzimmern, da die Fichten schneller ihre Nadeln verlieren. Die Tannen gehören zu den Kieferngewächsen und finden in der wilden Küche absolute lecker Verwendung. Sie ist etwas säuerlich und passt frisch wundervoll in Salate. Das gibt auch Salaten bei Weihnachtsmenues eine besondere Note. Weiter kann man die Tanne auch zum würzen von Süssspeisen verwenden. Vor allem, wenn ihr eine Douglasie im Wohnzimmer habt. Wenn ihr die Nadeln verreibt entsteht ein herrlicher Orangenduft. Daraus lassen sich leckere Bonbons herstellen. Man kann Alkohol, Essig, Öl und Honig damit ansetzen für sich selbst oder als tolles Geschenk.

Sammelt also als erstes einen Teil der Nadeln für Euch. Getrocknet sind sie ja meistens schon wunderbar.

Als erstes der Fichten-Nadel-Tee:

Brecht die Nadeln etwas oder noch einfacher mörsert sie kurz an und übergiesst Euch eine Tasse Tee. Nehmt dafür ca. 2 TL getrocknete Nadeln und 250 ml kochendes Wasser. 5 Minuten ziehen lassen – abseihen. Ich gebe gern noch ein wenig Zitrone, Ingwer oder Orange dazu. Manchmal auch eine Zimtstange. Da könnt ihr mit Eurer Fantasie spielen. Ein Löffel Honig noch dazu und ihr werdet es lieben. Er wirkt Wunder bei Erkältungen und schmeckt herrlich, denn er wirkt antibakteriell und temperaturanregend. Mein Baum wird meist schon beerntet, wenn er noch steht. Ich habe praktisch meine wilde Genuss-Apotheke im Wohnzimmer stehen. Dazu nehme ich ein ganzes Ästchen und brühe mir den Tee auf.

Dieser Tee kann auch noch mit anderen Kräutern kombiniert werden. Zb mit Salbei, Dost, Holunderblüten und Thymian. Wobei ich es schön finde, eine Pflanze am Anfang ganz für sich zu genießen.

Tee für ein Bad:

Ihr könnt euch aus den Nadeln auch einfach einen starken Tee brauen

  • 2 Liter Wasser
  • 2 bis 3 Hände voll Nadeln (gern mit Zweigen und auch Harz)
  • ca. 20 min kochen (in altem Topf – kann harzig werden)

und in ein Badewasser absieben. Temperatur prüfen – nicht heisser als 38 °C. und nicht länger als 25 Minuten drin bleiben. Es ist belastend für den Kreislauf. Dieses Bad ist wundervoll bei allen Erkältungskrankheiten, aber auch nach dem Sport zur Durchwärmung der Gelenke. Noch ein El Öl dazu wenn ihr trockene Haut habt. Jedoch nicht für Kleinkinder geeignet.

Fichten-Nadel-Pulver:

am einfachsten nehmt ihr ein paar Nadeln und mörsert sie Euch fein. Geht auch mit dem Mixer falls ihr keinen Mörser habt. So entsteht ein tolles Pulver, welches ihr für alles mögliche verwenden könnt. So erhalten Eure Speisen eine sehr individuelle Note. Probiert einmal aus, wo dieser Geschmack alles dazupasst. Ich mag es gern in meinen Eintöpfen, Suppen und auch in Salatsaucen.

Nadel-Salz:

das Nadel-Salz ist ganz leicht hergestellt. 

  • 100 g getrocknete Tannen-Nadeln 
  • 50 g Salz (Steinsalz, Himalayasalz)

mörsert Euch wieder die Nadeln und gebt das Salz dazu. Dies in ein Schraubglas geben und aufbewahren. Dieses Salz könnt ihr dann weiterverwenden zum Inhalieren oder auch in der Küche um Speisen zu würzen. Ich finde es ist auch ein tolles Geschenk. Ihr könnt euch also gern auch gleich mehr zubereiten und weitergeben. So verbreitet ihr die Idee und in Zukunft finden viel mehr Weihnachtsbäume eine weitere Verwendung.

Inhalieren mit den Nadeln: 

Ein bis zwei TL des Nadelsalzes in einen Topf mich heissem Wasser geben und wie früher mit dem Handtuch über den Kopf inhalieren. Schliesst dabei einfach die Augen. Bei empfindsamen Menschen kann es zu Augenreizungen kommen. Einfach achtsam mit sich sein. Es ist eine wunderbare Möglichkeit bei allen festsitzenden Erkältungen. WICHTIG: nicht für Kleinkinder geeignet. Es enthält Terpentinöle, welche neben Allergien auch zu Verkramprungen des Kehlkopfes als auch zu Atemschwierigkeiten kommen kann

Bade-Salz:

Aus dem Nadel-Salz lässt sich ganz leicht ein Bade-Salz herstellen, indem ihr noch ein ätherisches Öl dazugebt. Ich habe da eine reichhaltige Palette zu Hause und verwende gerne ein Nadel-Öl.  Aber verwendet einfach Euren Lieblingsduft. 

Tropft dafür 3 bis 5 Tropfen Eures Öls auf das Nadel-Salz. Gebt es in ein Schraubglas und schüttelt es gut durch. Das ist ebenfalls auch wieder ein tolles Geschenk

Anwendung: 

Für ein Vollbad gebt 5 El von Eurem Duft-Nadel-Salz in einen Waschlappen, bindet es zu und hängt es in die Wanne. So müsst ihr hinterher nicht die Wanne putzen, sondern könnt die Nadeln ganz leicht wieder entfernen. Wer zu trockener Haut neigt, oder sich nach dem Baden meist eincremen muss, sollte noch ein wenig Mandel-Jojoba- oder Olivenöl ins Wasser geben. Sehr pflegend. WICHTIG: nicht für Kleinkinder geeignet. 

Es geht auch als Fussbad, nehmt einfach entsprechend weniger Salz.

Nadel-Tinktur:

Die durchblutungsfördernde Wirkung des Franzbranntweines ist wahrscheinlich bekannt. Man kann sich etwas vergleichbare durchblutungsfördernde Tinktur mit den Nadeln selbst herstellen.

  • Nadeln vom Ast entfernen (wenn nicht schon als Reserve geschehen)
  • Ein Glas zur Hälfte mit den Nadeln befüllen
  • Wacholderbeeren quetschen und zugeben
  • Chilli kleinschneiden und zugeben (verstärkt die durchwärmung)
  • mit 40 % igen Alkohol auffüllen (ich verwende gern Wodka)
  • schütteln und 6 Wochen ziehen lassen
  • abfiltern, abfüllen und etikettieren

damit nun schmerzende Gelenke einreiben. Der Alkohol kann die Haut austrocknen. mit Creme nachgehen.

Nadel-Öl:

wer die Tinktur nicht so gut verträgt, kann sich auch ein durchblutungsförderndes Öl herstellen. Das Vorgehen ist gleich

  • Nadeln vom Ast entfernen (wenn nicht schon als Reserve geschehen)
  • Ein Glas zur Hälfte mit den Nadeln befüllen
  • Wacholderbeeren quetschen und zugeben
  • Chilli kleinschneiden und zugeben (verstärkt die Durchwärmung)
  • mit Oliven- oder Mandelöl auffüllen 
  • schütteln und 6 Wochen ziehen lassen
  • abfiltern, abfüllen und etikettieren
Schon hat man ein wundervolles Körperöl. Man kann es für Massagen bei Muskelkater, Zerrungen und Schmerzen wundervoll anwenden.

Räuchern mit den Nadeln:

Gerade jetzt kommen die Rauhnächte und dort werden die letzten Nadeln des Vorjahres verräuchert. Für das Räuchern gibt es mehrere Möglichkeiten.
1. auf einer Räucherkohle
2. auf einem Räucherstövchen

Es geht Beides ganz prima. Die Variante mit dem Stövchen geht langsamer und der Duft breitet sich langsamer im Zimmer aus. Das ist Geschmackssache. Ich mische die Nadeln auch gern mit anderen wundervollen getrockneten Kräutern. Ich erstelle derzeit einen Räucherkurs mit einer lieben Kollegin. Dort beschreiben und erzählen wir alles ganz genau.

Nadel-Hydrolat:

Auch wenn ihr keine Destille habt, könnt ihr euch ein Hydrolat selbst herstellen. Da eignen sich die Nadeln auch ganz wunderbar dazu.

  • stellt einen Topf mit Wasser auf den Herd
  • einen Siebeinsatz hinein
  • in den Siebeinsatz kommen die Nadeln
  • in die Mitte des Siebeinsatzes kommt eine Glasschale
  • Darüber ein Topfdeckel oder Schüssel
  • in die Schüssel kommt Eis (aus Wasser)

Das Wasser zum Kochen bringen und immer dabeibleiben. Der Dampf steigt auf, kühlt sich am Eisdeckel ab und tropft zurück in die Schale und kann abgefüllt werden. Dieses Hydrolat könnt ihr wiederrum zum kochen als auch in der Kosmetikherstellung verwenden.

so sieht meine “Küchendestille” aus: 

Anzünder herstellen: 

Aus den kleinen Ästchen, aber auch aus noch zusätzlich gesammelten Fichtenzapfen lassen sich wundervolle Anzünder herstellen. Schmelzt in einem Topf etwas altes Wachs (ich hebe immer alle alte Reste auf) und tunkt sie hinein. Wieder getrocknet habt ihr ganz tolle Anzünder für ein wunderschönes Feuer.

Der Rest des Baumes: 

wenn ihr euch genügend Nadeln vom Baum genommen habt für all die tollen Sachen und auch aus der Spitze einen eigenen wundervollen Quirl hergestellt habt, bleibt immer noch etwas übrig.

Die kleinen Ästchen eignen sich wundervoll als Anzündholz für den Ofen. Auch der Rest kann nun in Ofengröße zugesägt werden und im Garten gestapelt werden zum durchtrocknen und späteren verheizen. Wer keinen Ofen hat, macht sich vielleicht ab und an ein Feuer.

Ihr seht – der Weihnachtsbaum kann komplett verwendet werden und findet eine wundervolle Bestimmung in den verschiedensten Bereichen. Vielleicht konnte ich euch mit diesem Artikel etwas Lust machen, ein paar Dinge auszuprobieren. Dies geht natürlich alles nur mit pestizidfreien Bäumen. Ich wünsche euch nun ein wunderschönes Weihnachtsfest.

ANMERKUNG: wichtig ist nicht die Fichte, Tanne oder Douglasie mit der giftigen Eibe zu verwechseln. Dies sollte beim Erwerb eines Weihnachtsbaumes nicht der Fall sein. Ich schreibe das hier nochmal, da jemand die Rezepte auch sonst verwendet.  Ich habe dazu auch Beitrag und ein Video, welches ihr hier sehen könnt. 

Quellen: 

1 white house 

Buch ‘Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf von Dietz-Rüdiger Moser

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