Reife, blau bereifte Schlehen an einem dornigen Schwarzdornzweig

Rohes Schlehenmus selber machen

Herbstzeit ist die Zeit der wilden Früchte, und die Schlehen gehören für mich auf alle Fälle dazu. Hier zeige ich Dir, wie ich rohes Schlehenmus selber mache, ganz ohne Kochen, und worauf Du dabei bei den Kernen achten musst.

Mit Schle­hen ver­bin­de ich unglaub­lich schö­ne Erin­ne­run­gen. Mei­ne Oma ist mit uns immer raus, und wir haben zusam­men Schle­hen gesam­melt. Sie stell­te dar­aus Saft für uns Kin­der und Likör für die Erwach­se­nen her. Das war auch damals eine Kost­bar­keit und wur­de zu beson­de­ren Fes­ten oder Anläs­sen her­vor­ge­zau­bert. Ich bin ihr so dank­bar, dass sie mir schon als Kind die­sen Zugang ermög­licht hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rohes Schle­hen­mus ist ein unge­koch­tes Mus aus Schle­hen, den Früch­ten des Schwarz­dorns (Pru­nus spi­no­sa). So bleibt ihr vol­ler, her­ber Geschmack erhalten.
  • Ich ent­stei­ne die Schle­hen im Ther­mo­mix im Links­lauf und dre­he sie anschlie­ßend durch die Flot­te Lotte.
  • Ganz wich­tig: Die Ker­ne müs­sen ganz blei­ben. Sie ent­hal­ten cya­no­ge­ne Gly­ko­si­de, aus denen Blau­säu­re ent­ste­hen kann.
  • Ich fül­le das Mus in klei­ne Gläs­chen und frie­re es ein.
  • Nach dem ers­ten Frost schme­cken Schle­hen deut­lich mil­der, weil die her­ben Gerb­stof­fe nachlassen.

Wie schmecken Schlehen, und was steckt in ihnen?

Der Geschmack der Schle­he ist ein­zig­ar­tig und mit nichts zu ver­glei­chen. Ich lie­be ihn so sehr, dass ich auch jetzt immer ein oder zwei naschen muss. Schle­hen sind sehr gerb­stoff­hal­tig, des­halb zieht sich im Mund alles zusam­men, wenn man sie roh isst. Dane­ben ent­hal­ten sie Antho­cya­ne, also blaue Farb­stof­fe, Zucker, Vit­amin C und Fruchtsäuren.

In der Volks­heil­kun­de wird der stark ver­dünn­te Saft gern bei Schleim­haut­ent­zün­dun­gen im Mund­raum ver­wen­det. Mei­ne Oma sag­te immer: „Das hält Dich gesund.“ Die Schle­he war nicht das ein­zi­ge Wild­pflänz­chen, das sie dafür bereit­hielt, aber sie gehör­te immer dazu.

Reife, blau bereifte Schlehen an einem dornigen Schwarzdornzweig
Rei­fe Schle­hen am Schwarz­dorn: blau bereift und vol­ler Geschmack.

Kann man Schlehen roh essen?

Ja, das Frucht­fleisch kannst Du roh naschen, das mache ich bei jedem Spa­zier­gang. Die Ker­ne soll­test Du aber nicht zer­bei­ßen und auch nicht zer­klei­nert mit­ver­ar­bei­ten. Sie ent­hal­ten cya­no­ge­ne Gly­ko­si­de, aus denen Blau­säu­re ent­ste­hen kann. Des­halb ent­stei­ne ich die Schle­hen für mein Mus so, dass die Ker­ne ganz bleiben.

Je wei­ter der Frost kommt, umso ver­hut­zel­ter und unschö­ner sehen die Schle­hen aus. Geschmack­lich sind sie dann aber ein Traum, weil die Gerb­stof­fe nach­las­sen und nur noch der herr­li­che Geschmack übrig bleibt.

Wie sammle ich Schlehen?

Schle­hen sind für mich etwas ganz Beson­de­res zum Sam­meln. Ich neh­me aber nie zu viel mit, son­dern samm­le sie ein­fach als Kost­bar­keit. Sie sind näm­lich auch Fut­ter für die Vögel, die gut über den Win­ter kom­men sol­len. Am bes­ten schme­cken sie mir nach den ers­ten Frostnächten.

Rohes Schlehenmus selber machen: So gehe ich vor

Eine sehr lie­be Freun­din hat mich auf das rohe Mus gebracht, und das muss­te ich natür­lich sofort aus­pro­bie­ren. Gesagt, getan:

  1. Schle­hen sam­meln und zu Hau­se verlesen.
  2. Die Schle­hen im Ther­mo­mix im Links­lauf „ent­stei­nen“. Im Links­lauf dre­hen sich die Mes­ser mit der stump­fen Sei­te, so lösen sich Frucht­fleisch und Ker­ne von­ein­an­der, ohne dass die Ker­ne zer­schla­gen werden.
  3. Die Mas­se durch die Flot­te Lot­te (Pas­sier­müh­le) mit dem größ­ten Sieb dre­hen. Ker­ne und Haut blei­ben im Sieb zurück.
  4. Das Mus in klei­ne Gläs­chen fül­len, beschrif­ten und einfrieren.
Frisch passiertes, rötlich-braunes rohes Schlehenmus in einer türkisfarbenen Schüssel
Frisch durch die Flot­te Lot­te gedreht: mein rohes Schlehenmus.

Die­se Gläs­chen hole ich dann zu beson­de­ren Anläs­sen her­vor, ganz so, wie es mei­ne Oma mit ihrem Saft und Likör gemacht hat.

Kleine Schraubgläser, gefüllt mit rohem Schlehenmus
In klei­ne Gläs­chen gefüllt, beschrif­tet und ab in die Gefriertruhe.

Was mache ich mit dem Trester?

Den Tres­ter, der in der Flot­ten Lot­te zurück­bleibt, gie­ße ich mit Alko­hol zu einer Tink­tur oder einem Likör auf und las­se ihn in Ruhe zie­hen. So ist alles wun­der­bar ver­wer­tet, und es war­ten tol­le Köst­lich­kei­ten auf mich und mei­ne Lieben.

Was kann man noch aus Schlehen machen?

Frü­her habe ich gern Mar­me­la­de dar­aus gekocht oder die Schle­hen im Dampf­ent­saf­ter ent­saf­tet und einen Likör her­ge­stellt. Ein Rezept fin­dest Du in mei­nem Schle­hen-Apfel-Gelee: mein Rezept für Schle­hen­ge­lee mit Äpfeln. Vor eini­ger Zeit habe ich außer­dem ent­deckt, Schle­hen zu trock­nen. Da bleibt zwar nicht viel übrig, nur Stein, Haut und ein wenig dazwi­schen. Aber das ist für mich ein rich­tig lecke­res Bon­bon mit die­sem wun­der­vol­len Geschmack.

Das Bes­te fin­de ich aber nach wie vor, bei jedem Spa­zier­gang eine Schle­he zu naschen. Was machst Du alles aus Schle­hen? Schreib mir gern Dei­ne Erfah­run­gen in die Kom­men­ta­re, ich freue mich sehr darüber.

Häufige Fragen zu Schlehen und Schlehenmus

Kann man Schlehen roh essen?

Ja, das Frucht­fleisch kannst Du roh essen. Durch die vie­len Gerb­stof­fe ist es aller­dings sehr herb, nach dem ers­ten Frost wird es mil­der. Die Ker­ne soll­test Du nicht zerbeißen.

Warum müssen die Kerne beim Schlehenmus ganz bleiben?

Die Ker­ne ent­hal­ten cya­no­ge­ne Gly­ko­si­de, aus denen Blau­säu­re ent­ste­hen kann. Des­halb ent­stei­ne ich die Schle­hen im Ther­mo­mix im Links­lauf, sodass die Ker­ne nicht zer­klei­nert wer­den, und sie­be sie mit der Flot­ten Lot­te aus.

Warum sammelt man Schlehen erst nach dem Frost?

Nach den ers­ten Frost­näch­ten schme­cken Schle­hen deut­lich mil­der, weil die her­ben Gerb­stof­fe nach­las­sen. Sie sehen dann zwar ver­hut­zelt aus, geschmack­lich sind sie aber ein Traum.

Wie bewahre ich rohes Schlehenmus auf?

Ich fül­le es in klei­ne Gläs­chen, beschrif­te sie und frie­re sie ein. So kann ich immer nur die Men­ge auf­tau­en, die ich gera­de brauche.

Was kann man aus dem Schlehen-Trester machen?

Ich gie­ße den Tres­ter aus der Flot­ten Lot­te mit Alko­hol zu einer Tink­tur oder einem Likör auf. So wird von den Schle­hen nichts verschwendet.

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Ich bin Hei­ke Engel, Heil­prak­ti­ke­rin, Qigon­g­leh­re­rin, Fach­be­ra­te­rin für Selbst­ver­sor­gung mit ess­ba­ren Wild­pflan­zen und Pilz­coach. Hier auf Strah­le­Mensch tei­le ich mein Wis­sen über Wild­pflan­zen, Pil­ze, Natur­heil­kun­de und Qigong und beglei­te Men­schen in Kur­sen und Online-Ange­bo­ten zurück zur Natur und ein Stück näher zu sich selbst.

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4 Kommentare

  1. Hal­lo Hei­ke,
    habe gera­de die­se Sei­te ent­deckt. Ich bin ja auch ein gro­ßer Fan der Schle­hen, samm­le und nasche auch eini­ge, und dann tue ich immer eini­ge ins Müs­li. Naja, die Ker­ne raus­pfrie­meln ist schon auf­wen­dig, aber geschmack­lich lohnt es sich.
    Herz­li­che Grü­ße aus dem Altmühltal

    1. Hal­lo Harald, das freut mich, dass Du mei­ne Sei­te ent­deckt hast. Ja die Schle­hen sind so was Fei­nes. Da lohnt es sich mit dem Stein umzu­ge­hen, da hast du völ­lig recht. Vie­le Grü­ße ins Altmühltal

  2. Hal­lo lie­be Heike,

    wann sam­melt man denn Schle­hen?
    Sol­len Sie auch wie Vogel­bee­ren und Hage­but­ten den ers­ten Frost erleben?

    Herz­li­che Grü­ße
    Cler

    1. Schle­hen sind sehr gerb­stoff­hal­tig. Es ist wun­der­bar, wenn der ers­te Frost drü­ber­ge­gan­gen ist, dann sind sie nicht mehr so “herb”. Es gibt auch Men­schen, wel­che sie sam­meln und dann in die Gefrie­re geben. Ich fin­de, das ist Ener­gie­ver­schwen­dung, da die Natur das sowie­so für uns macht. Man darf ein­fach ein wenig Geduld haben. Natür­lich gibt es sicher auch gute Grün­de für die­ses Vor­ge­hen, aber ich war­te ger­ne – dir vie­le Grü­ße Heike

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