Wildpflanzen richtig sammeln (c) Heike Engel

Wildpflanzen sammeln: So sammle ich achtsam, sicher und mit Freude

Wildpflanzen sammeln: wo, was und wann Du ernten darfst, wie Du sie verarbeitest, was beim Fuchsbandwurm gilt und wann Du den Giftnotruf brauchst.

Wo und was darf ich sam­meln, und wo lie­gen die Gefah­ren? Das ist eine oft gestell­te und sehr wich­ti­ge Fra­ge. Denn wer am fal­schen Ort sam­melt, bringt im schlimms­ten Fall belas­te­te Pflan­zen mit nach Hau­se. Egal ob Du gleich etwas zum Essen sam­meln oder Dir einen Vor­rat anle­gen möch­test: Ein paar Din­ge gibt es zu beach­ten, damit Du wert­vol­le Pflan­zen mit nach Hau­se nimmst.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • Samm­le nur Pflan­zen, die Du sicher erkennst, und infor­mie­re Dich vor­her ĂŒber gif­ti­ge DoppelgĂ€nger.
  • Nicht an viel befah­re­nen Stra­ßen, gedĂŒng­ten Feld­rĂ€n­dern oder Hun­de­we­gen sam­meln, in Natur­schutz­ge­bie­ten gar nicht.
  • Nimm nur so viel, wie Du brauchst, und höchs­tens ein Drit­tel einer Pflan­ze. GeschĂŒtz­te Pflan­zen blei­ben stehen.
  • Samm­le in luf­ti­gen Kör­ben oder Papier­tĂŒÂ­ten und ver­ar­bei­te die Pflan­zen mög­lichst bald.
  • Im Not­fall hilft der Gift­not­ruf rund um die Uhr, in Baden-WĂŒrt­tem­berg unter 0761 19240.
Hand hĂ€lt ein BĂŒndel frisch gepflĂŒckter BĂ€rlauchblĂ€tter ĂŒber dem Waldboden
Blatt fĂŒr Blatt geern­tet: fri­scher BĂ€rlauch

Wo sollte ich Wildpflanzen sammeln?

  • Nicht an viel befah­re­nen Straßen.
  • Nicht an stark gedĂŒng­ten oder gespritz­ten FeldrĂ€ndern.
  • Nicht an Hun­de­we­gen oder Hun­de­wie­sen, wegen der Hinterlassenschaften.
  • In Natur­schutz­ge­bie­ten ist das Sam­meln verboten.
  • Gut geeig­net sind Wald­rĂ€n­der, WĂ€l­der und natur­na­he Wiesen.
  • In der Stadt kön­nen ruhi­ge Ecken in Parks schö­ne Sam­mel­or­te sein, abseits der Hundewege.
  • Wun­der­bar ist natĂŒr­lich der eige­ne Garten.

Welche Pflanzen darf ich ernten?

  • Wich­tig ist vor allem, dass Du die Pflan­ze sicher erkennst. Mei­ne Pflan­zen­por­trĂ€ts sol­len Dich dabei unterstĂŒtzen.
  • Nimm an einer KrĂ€u­t­er­wan­de­rung teil oder lass Dir die Pflan­zen von einer KrĂ€u­ter­fach­frau zeigen.
  • Nimm ein gutes Bestim­mungs­buch mit in die Natur.
  • Samm­le kei­ne geschĂŒtz­ten Pflan­zen wie die SchlĂŒsselblume.

Wild­pflan­zen sicher erken­nen, Monat fĂŒr Monat und mit allen wich­ti­gen Dop­pel­gĂ€n­gern, das zei­ge ich Dir in mei­nem Online­kurs Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr.

Was darf ich von der Pflanze ernten?

  • Ach­te dar­auf, die Pflan­ze nicht zu schwÀ­chen oder gar zu ver­nich­ten. Wur­zeln sam­melst Du am bes­ten erst, wenn die Pflan­ze ober­ir­disch ver­gan­gen ist, meist im SpĂ€t­herbst oder Winter.
  • Samm­le von einer Pflan­ze nie zu viel. Ern­te zum Bei­spiel nicht einen gan­zen BĂ€r­lauch­tep­pich ab, son­dern nimm nur ein Drit­tel einer Pflan­ze, damit sie dem NĂ€chs­ten oder Dir im nĂ€chs­ten Jahr wie­der Freu­de macht.
  • Ern­te nur so viel, wie Du wirk­lich ver­brauchst. Die Natur ist kost­bar und steht uns allen zur VerfĂŒgung.
  • Erkun­di­ge Dich, wel­che Tei­le ess­bar sind. Das ver­Àn­dert sich im Lau­fe des Jah­res: Als Faust­re­gel gilt, im FrĂŒh­jahr die BlĂ€t­ter, im Som­mer BlĂŒÂ­ten, FrĂŒch­te und Samen, im SpĂ€t­herbst die Wur­zeln. Schau aber bei jeder Pflan­ze ein­zeln nach.
  • Samm­le sehr sorg­fĂ€l­tig und schau Dir jedes BlĂ€tt­lein genau an.

Wann ist der beste Sammelzeitpunkt?

FĂŒr die meis­ten Pflan­zen liegt der bes­te Zeit­punkt am Vor­mit­tag, wenn der Tau abge­trock­net ist. Dann haben die Pflan­zen nach tra­di­tio­nel­ler Ansicht am meis­ten Kraft, und sie sind tro­cken, was vor Schim­mel schĂŒtzt. BlĂŒÂ­hen­de Pflan­zen ern­tet man eben­falls gern vor­mit­tags. Wur­zeln grĂ€bt man tra­di­tio­nell eher abends, weil sich die Kraft der Pflan­ze dann in die Wur­zel zurĂŒck­zie­hen soll.

Weidenkorb voller frisch gepflĂŒckter Vogelbeeren
Ein luf­ti­ger Korb ist das bes­te SammelgefĂ€ĂŸ

Weiterverarbeitung

  • Nimm zum Sam­meln luf­ti­ge BehĂ€l­ter wie ein Körb­chen oder eine Papier­tĂŒÂ­te mit, damit die Pflan­zen nicht schwit­zen und schimmeln.
  • Am bes­ten isst oder ver­ar­bei­test Du die Pflan­zen zu Hau­se sofort.
  • Soll es erst abends oder am nĂ€chs­ten Tag etwas geben, kom­men sie in einem GefĂ€ĂŸ in den KĂŒhl­schrank. 1 bis 2 Tage sind in Ordnung.
  • Zum Trock­nen bin­dest Du die Pflan­zen in klei­nen BĂŒscheln zusam­men und hĂ€ngst sie an einem schat­ti­gen, luf­ti­gen Ort auf. Mit einem Dörr­au­to­ma­ten geht es schneller.
  • Du kannst sie in Essig oder Alko­hol ein­le­gen. Fri­sche KrĂ€u­ter in Öl sind dage­gen kein Vor­rat, sie gehö­ren in den KĂŒhl­schrank und wer­den inner­halb weni­ger Tage verbraucht.
  • Pes­to bewahrst Du im KĂŒhl­schrank auf und ver­brauchst es inner­halb weni­ger Tage, fĂŒr Vor­rat frierst Du es ein.

Noch eine schö­ne Mög­lich­keit fĂŒr Vor­rat ist Wild­pflan­zen­pul­ver sel­ber machen: Brenn­nes­sel­pul­ver und Co. als Win­ter­vor­rat.

Verwechslungsgefahr und Vergiftungen

Bit­te infor­mie­re Dich vor dem Sam­meln ĂŒber gif­ti­ge Dop­pel­gĂ€n­ger. Es gibt poten­zi­ell gif­ti­ge bis töd­li­che Ver­wechs­lun­gen. Wenn man statt der Fich­te die Eibe erwischt, kann das töd­lich enden. Mehr dazu fin­dest Du zum Bei­spiel in BĂ€r­lauch-Dop­pel­gĂ€n­ger: Herbst­zeit­lo­se, Aron­stab und Mai­glöck­chen sicher unter­schei­den und in Eibe, Fich­te oder Tan­ne? So erken­ne ich die gif­ti­ge Eibe sicher. Auch man­che ess­ba­ren Pflan­zen ent­hal­ten bedenk­li­che Stof­fe, mehr dazu in mei­nem Arti­kel ĂŒber Pyr­ro­li­zi­di­nal­ka­lo­ide.

Gift­not­ruf: Wenn Du alle Regeln beach­test und acht­sam sam­melst, soll­te es nicht zu einer Ver­gif­tung kom­men. Falls doch oder wenn Du unsi­cher bist, ruf bit­te sofort den Gift­not­ruf an, dort bekommst Du rund um die Uhr kom­pe­ten­te Aus­kunft. Bei Atem­not, Bewusst­seins­stö­run­gen oder Krampf­an­fĂ€l­len wĂ€h­le den Not­ruf 112. Am bes­ten hĂ€ngst Du Dir die Num­mer gleich neben das Tele­fon oder an den KĂŒhlschrank.

  • Baden-WĂŒrt­tem­berg: Gift­in­for­ma­ti­ons­zen­trum Frei­burg, 0761 19240
  • Ber­lin und Bran­den­burg: Gift­not­ruf der Cha­ri­tĂ©, 030 19240
  • Nord­rhein-West­fa­len: Infor­ma­ti­ons­zen­tra­le gegen Ver­gif­tun­gen Bonn, 0228 19240
  • Öster­reich: Ver­gif­tungs­in­for­ma­ti­ons­zen­tra­le, +43 1 406 43 43
  • Schweiz: Tox Info Suis­se, 145

Was ist mit dem Fuchsbandwurm?

Die­se Fra­ge kommt bei jeder mei­ner gefĂŒhr­ten Wan­de­run­gen zur Spra­che. Der Fuchs­band­wurm kann die Echi­no­kok­ko­se aus­lö­sen, eine schwer­wie­gen­de Erkran­kung vor allem der Leber, die unbe­han­delt töd­lich ver­lau­fen kann. Nach Anga­ben des Robert Koch-Insti­tuts erkran­ken in Deutsch­land jedes Jahr nur weni­ge Dut­zend Men­schen. Die Anste­ckungs­ge­fahr ist also gering.

Mei­ne Fami­lie und ich sam­meln schon seit vie­len Jah­ren Wild­pflan­zen, und auch mei­ne Kin­der sam­meln und essen sie. Ich selbst ken­ne nie­man­den, der vom Fuchs­band­wurm betrof­fen war. Ich samm­le sehr gern in der Natur und genie­ße die FrĂŒch­te ohne Angst. Die­se Ent­schei­dung muss aber jede fĂŒr sich tref­fen. Inter­es­sant fand ich einen Arti­kel der Uni­ver­si­tĂ€t Ulm, wonach eine wich­ti­ge Infek­ti­ons­quel­le auch das Kuscheln mit Haus­tie­ren ist, die nicht regel­mĂ€Â­ĂŸig ent­wurmt wer­den, und Wald­bee­ren kei­nes­wegs stark belas­tet sind.

Was hilft? GrĂŒnd­li­ches Waschen ver­rin­gert das Risi­ko, besei­tigt es aber nicht voll­stĂ€n­dig. Fuchs­band­wurm­ei­er sind sehr wider­stands­fÀ­hig. Weder Alko­hol noch gĂ€n­gi­ge Des­in­fek­ti­ons­mit­tel noch KĂŒhl­schrank oder Gefrier­fach bis ‑20 °C töten sie ab. Sicher abge­tö­tet wer­den sie durch:

  • Erhit­zen ĂŒber 60 °C fĂŒr eini­ge Minu­ten, also Kochen
  • Tief­kĂŒh­len bei ‑80 °C fĂŒr eini­ge Tage (das schafft eine nor­ma­le Gefrier­tru­he nicht)
  • Trock­nen bei 25 °C und nied­ri­ger Luft­feuch­tig­keit ĂŒber meh­re­re Tage

Quel­len: Robert Koch-Insti­tut, Rat­ge­ber Echi­no­kok­ko­se; Uni­ver­si­tĂ€t WĂŒrz­burg, Echinococcus-Forschung.

Zu guter Letzt

Mir ist wich­tig, alles anzu­spre­chen, und ich möch­te trotz­dem beto­nen: Ich samm­le sehr gern Wild­pflan­zen in der Natur und bin dank­bar, dass ich das tun darf. Wich­tig ist, mit Ach­tung und Respekt zu sam­meln und auch auf den eige­nen Bauch zu hören. Wenn Du denkst oder fĂŒhlst, hier stimmt etwas nicht, dann geh wei­ter und samm­le an einer ande­ren Stel­le. So kommst Du wie­der mehr in die Eigen­ver­ant­wor­tung und ins eige­ne SpĂŒÂ­ren. Auch das ist geleb­te Achtsamkeit.

Weidenkorb voller frisch gepflĂŒckter LöwenzahnblĂŒten im Gras
Gesam­mel­te LöwenzahnblĂŒten

Viel­leicht kannst Du der Natur auch etwas zurĂŒck­ge­ben, zum Bei­spiel mit schö­nen Bie­nen­pflan­zen in Dei­nem Gar­ten oder auf dem Bal­kon. Gera­de jetzt, wo so vie­le Insek­ten ver­schwin­den, ist es wich­tig, dass jede und jeder etwas zurĂŒck­gibt. Mehr Insek­ten schen­ken uns wie­der­um mehr FrĂŒch­te. Es ist ein Kreis­lauf, in den es eine Freu­de ist, sich ein­zu­rei­hen. Viel Spaß und Freu­de beim Sammeln!

HĂ€ufige Fragen zum Sammeln von Wildpflanzen

Wo darf ich Wildpflanzen sammeln?

FĂŒr den Eigen­be­darf in klei­nen Men­gen auf öffent­li­chen FlÀ­chen und im Wald nach der Hand­strauß­re­gel. In Natur­schutz­ge­bie­ten und auf frem­den Grund­stĂŒÂ­cken ohne Erlaub­nis nicht.

Wie viel darf ich sammeln?

Nur so viel, wie Du selbst ver­brauchst, und von jeder Pflan­ze höchs­tens ein Drittel.

Muss ich Wildpflanzen waschen?

Ja, grĂŒnd­lich waschen ver­rin­gert das Risi­ko durch Schmutz und Para­si­ten. Ganz sicher sind nur gekoch­te Pflanzen.

Wie gefÀhrlich ist der Fuchsbandwurm?

Die Erkran­kung ist schwer, aber sehr sel­ten. GrĂŒnd­li­ches Waschen und Erhit­zen ĂŒber 60 °C sen­ken das Risiko.

Was mache ich bei Verdacht auf eine Vergiftung?

Sofort den Gift­not­ruf anru­fen, in Baden-WĂŒrt­tem­berg unter 0761 19240, die Num­mern der ande­ren Regio­nen fin­dest Du oben. Bei schwe­ren Beschwer­den den Not­ruf 112 wĂ€hlen.

Kursbild „Mit den Wildpflanzen durchs Jahr“: Monatskurs mit Heike Engel zum Sammeln, Bestimmen und Zubereiten von Wildpflanzen

Mit den Wildpflanzen durchs Jahr

Möch­test Du die SchĂ€t­ze direkt vor Dei­ner Haus­tĂŒr sicher erken­nen und Monat fĂŒr Monat mehr davon in Dei­ne KĂŒche holen? In mei­nem Online­kurs „Mit den Wild­pflan­zen durchs Jahr“ beglei­te ich Dich durch alle Jah­res­zei­ten: Du lernst, was gera­de wĂ€chst, wie Du es sicher bestimmst und was Du dar­aus machen kannst.

🌿 Die 10 wich­tigs­ten Wild­pflan­zen auf einen Blick

Mei­ne kos­ten­lo­se Sam­mel­hil­fe als PDF: 10 ess­ba­re Wild­pflan­zen mit Erken­nungs­merk­ma­len, Sam­mel­zeit und KĂŒchen­ideen, dazu mein WildkrĂ€uter-Pesto.

Weiterlesen: Gut zum Einstieg


Ich bin Hei­ke Engel, Heil­prak­ti­ke­rin, Qigon­g­leh­re­rin, Fach­be­ra­te­rin fĂŒr Selbst­ver­sor­gung mit ess­ba­ren Wild­pflan­zen und Pilz­coach. Hier auf Strah­le­Mensch tei­le ich mein Wis­sen ĂŒber Wild­pflan­zen, Pil­ze, Natur­heil­kun­de und Qigong und beglei­te Men­schen in Kur­sen und Online-Ange­bo­ten zurĂŒck zur Natur und ein StĂŒck nĂ€her zu sich selbst.

Möch­test auch Du in eine natur­ver­bun­de­ne Lebens­wei­se ein­tau­chen?
Dann mel­de Dich zu mei­nem News­let­ter an, ent­de­cke mei­ne Ange­bo­te oder kli­cke Dich durch mei­ne Blog­ar­ti­kel vol­ler Wis­sen.

Heike Engel von StrahleMensch

👉 Mehr ĂŒber Heike Engel

👉 Mehr ĂŒber Angebote von Heike Engel

👉 Mehr ĂŒber den Verein und seine Projekte

Schön, dass Du hier bist, hinterlasse doch einen Kommentar und teile Dein Naturwissen mit uns.