Für mich gehört der Duft der Holunderblüten untrennbar zum Frühsommer. Wenn die weißen Dolden in der Abendsonne leuchten und die Luft süß nach Holunder duftet, weiß ich: Jetzt ist die Zeit gekommen, einige dieser kostbaren Blüten für den Winter einzufangen.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Holunderblütensirup ziehen die ungewaschenen Blütendolden ein bis zwei Tage in Zuckerwasser mit Zitrone. Danach wird abgeseiht, aufgekocht und heiß abgefüllt.
- Ich zeige Dir drei Rezepte: klassisch mit Zucker, ganz ohne Kochen mit Honig und eine Variante mit Ahornsirup.
- Nur der klassische Sirup mit viel Zucker ist lange haltbar. Honig- und Ahornsirup-Variante gehören in den Kühlschrank oder in die Gefriertruhe.
- Sammle die Blüten an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit und wasche sie nicht, im Blütenstaub steckt das Aroma.
- Verwechslungsgefahr besteht mit dem Zwergholunder (Attich), der nicht gesammelt werden darf.

Der Holunder: Sambucus nigra
Der Holunder, oder Hollerbusch, wie er oft genannt wird, ist eine wichtige und mystische Pflanze für uns Menschen. Früher gab es keinen Hof ohne Hollerbusch. Er beschattete den Kompost und beherbergte die guten Geister des Hauses, die alles Negative fernhielten. Deshalb wurde ein Holunder auch oft nicht gefällt, zu groß war die Ehrfurcht vor ihm.
Auch in der Naturheilkunde hat er seinen Platz. Tee aus getrockneten Holunderblüten wird traditionell bei beginnenden Erkältungen getrunken, um ins Schwitzen zu kommen. So ordnet es auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ein. Die dunklen Beeren enthalten wertvolle Pflanzenfarbstoffe, die Anthocyane, und dürfen nur gekocht gegessen werden. Mehr dazu erzähle ich Dir in meinem Artikel über Holunderbeeren.
Verwechslungsgefahr: Roter Holunder und Zwergholunder
- Der Rote Holunder (Sambucus racemosa): Seine Blätter sind zunächst rötlich und werden dann grün, und die Fruchtansätze zeigen sich schon beim Blattaustrieb.
- Der Zwergholunder oder Attich (Sambucus ebulus): Er wird nur 60 bis 150 cm hoch, ist eine krautige Pflanze und riecht unangenehm. Er enthält deutlich mehr unverträgliche Inhaltsstoffe als der Schwarze Holunder und wird nicht gesammelt.
Wenn Du Dir beim Bestimmen unsicher bist, ist es schön, jemanden an der Seite zu haben. In meinem Onlinekurs Mit den Wildpflanzen durchs Jahr begleite ich Dich dabei durch alle Jahreszeiten.
Holunderblüten sammeln: so mache ich es
Ich sammle die Blüten an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit, dann haben sie am meisten Blütenstaub. Und genau der macht den unglaublich leckeren Geschmack aus. Deshalb wasche ich die Dolden nicht. Verschmutzte oder verlauste Dolden nehme ich gar nicht erst mit, die bleiben der Natur, und vielleicht freuen wir oder die Vögel uns im Herbst über die Beeren.
Zu Hause schüttle ich die Blüten sanft aus und lege sie aus, damit kleine Krabbeltiere flüchten können. Mein Tipp: Leg ein Tuch darüber, dann krabbeln die Tiere ans Licht und so von den Blüten weg.
Rezept 1: klassischer Holunderblütensirup mit Zucker
- etwa 35 Holunderblütendolden, je nach Größe
- 3 Liter Wasser
- 750 ml Zitronensaft
- 800 g Zucker
Die klassischen Rezepte nehmen 1 kg Zucker auf 1 Liter Wasser. Das funktioniert wunderbar, der Sirup wird zäher, und man braucht weniger fürs Glas. Ich habe die Zuckermenge reduziert, so kommt etwas mehr Sirup ins Glas. Probier einfach aus, was Dir lieber ist.
- Den Zucker mit dem Wasser aufkochen und wieder abkühlen lassen.
- Die harten Stiele der Dolden grob wegschneiden und die Dolden in das abgekühlte Zuckerwasser geben. Ich beschwere sie mit einem Teller und einem Wassergefäß, so ist die Schimmelgefahr gering.
- Ein bis zwei Tage ziehen lassen und ab und zu umrühren. Wenn es schnell gehen muss, reicht auch eine Nacht.
- Die Dolden abseihen und die Flüssigkeit auffangen.
- Die Flüssigkeit mit dem Zitronensaft aufkochen und 2 bis 3 Minuten sprudelnd kochen lassen.
- Währenddessen die Flaschen heiß ausspülen oder 5 Minuten bei 100 °C in den Backofen geben.
- Den heißen Sirup sofort in die Flaschen füllen und verschließen.
Kühl und dunkel gelagert hält der Sirup mehrere Monate. Nach dem Öffnen bewahre ich ihn im Kühlschrank auf. Wenn Du ihn länger aufbewahren möchtest, nimm lieber die Dosierung 1:1. Er schmeckt herrlich in Sekt, in Sprudel und in Wasser.
Rezept 2: Holunderblütensirup mit Honig, ohne Kochen
- 6 frische Holunderblütendolden, bei kleinen Dolden gern mehr
- 1 bis 2 Zitronen
- 180 ml Honig
- 720 ml Wasser
- Eine Zitrone auspressen und von einer zweiten ein paar Scheiben abschneiden.
- Die Dolden mit kaltem Wasser übergießen, Zitronensaft und Zitronenscheiben dazugeben.
- Einen guten Tag samt Nacht stehen lassen.
- Abseihen, die Flüssigkeit auf etwa 40 °C erwärmen und den Honig einrühren.
- In sterilisierte Flaschen füllen und ab in den Kühlschrank.
Diese Variante ist nichts zum langen Aufbewahren. Im Kühlschrank hält sie etwa zwei bis drei Wochen, sie ist zum baldigen Verbrauchen gedacht. Geschmacklich finde ich sie einfach göttlich, so warm und umhüllend.
Rezept 3: Holunderblütensirup mit Ahornsirup
Ich arbeite eigentlich nach Augenmaß, aber weil so viele nach den Mengen gefragt haben, habe ich alles einmal genau abgewogen.
- 2 Liter Wasser
- 400 ml Ahornsirup
- 100 ml Zitronensaft
- 2 Bio-Zitronen in Scheiben
- Holunderblütendolden nach Belieben
- Das Wasser aufkochen.
- Den Ahornsirup in ein sterilisiertes großes Einmachglas geben, das kochende Wasser darübergießen und gut verrühren.
- Zitronensaft, Blüten und Zitronenscheiben dazugeben.
- Das Glas verschließen und mindestens 24 Stunden ziehen lassen. Immer wieder bewegen, damit alle Teile unter der Flüssigkeit bleiben und nichts Unerwünschtes entsteht.
- Abseihen, noch einmal aufkochen und in sterilisierte Fläschchen füllen. Gleich verschließen und beschriften.


Die Ahornsirup-Variante schmeckt etwas herber, ist aber auch ein richtig feiner Genuss. Sie hält allerdings nicht so lange wie der klassische Sirup, nach einigen Monaten können die Flaschen vergären. Ich nehme gern kleine Fläschchen, die sind schnell aufgebraucht und ein tolles Geschenk. Für längere Zeit kannst Du den Sirup in Eiswürfelformen einfrieren.
Wichtig: Schneide die grünen Stiele möglichst weg, denn Stiele, Blätter und unreife Beeren des Holunders enthalten Stoffe, die roh Übelkeit und Erbrechen auslösen können. Sammle nur Schwarzen Holunder, den Du sicher erkennst, niemals Zwergholunder (Attich). Honig gehört nicht in die Ernährung von Babys unter einem Jahr, die Honig-Variante ist also nichts für die Kleinsten.
Ich wünsche Dir viel Freude beim Sammeln, Zubereiten, Genießen und vielleicht sogar Verschenken! Erzähl mir gern in den Kommentaren, welche Variante Dir am besten schmeckt.
Häufige Fragen zum Holunderblütensirup
Muss ich Holunderblüten waschen?
Nein, bitte nicht. Im Blütenstaub steckt das ganze Aroma. Sammle deshalb nur saubere Dolden ohne Läuse und schüttle sie zu Hause nur sanft aus.
Wie lange hält Holunderblütensirup?
Der klassische Sirup mit Zucker hält kühl und dunkel gelagert mehrere Monate, nach dem Öffnen im Kühlschrank. Mit der Dosierung 1:1 (1 kg Zucker auf 1 Liter Wasser) hält er noch länger. Die Honig-Variante hält im Kühlschrank etwa zwei bis drei Wochen, die Ahornsirup-Variante gärt mit der Zeit.
Kann ich Holunderblütensirup einfrieren?
Ja. Eine Leserin, Kornelia, hatte die schöne Idee, den Sirup in Eiswürfelformen einzufrieren. So kannst Du ihn ganz frisch ins Trinkwasser geben. Das ist besonders für die zuckerarmen Varianten praktisch.
Wann ist die beste Zeit, Holunderblüten zu sammeln?
Im Frühsommer, an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit. Dann haben die Blüten am meisten Blütenstaub und Duft.
Wie erkenne ich den Zwergholunder?
Der Zwergholunder (Attich) ist kein Strauch, sondern eine krautige Pflanze, die nur etwa 60 bis 150 cm hoch wird und unangenehm riecht. Er ist giftig und wird nicht gesammelt.

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14 Kommentare
vielen Dank ich werde es heute gleich ausprobieren!
Herzlichen Dank
das freut mich sehr, hoffe er schmeckt Dir – viele Grüße Heike
Danke für das Rezept. Ich mach den Holunderblütensirup auf die selbe Weise, nur koche ich die Flüssigkeit kurz auf und fülle sie heiss in die Flaschen. Reichen denn 40 Grad erwärmen wirklich, damit er länger hält?
Hallo liebe Nadine, ich arbeite sehr sauber und ich spüle meine Flaschen vorher heiß aus und lasse sie runterkühlen. Bisher hat es bei mir so immer super geklappt. Aber es gibt auch viele verschiedene Wege. Mach es so, wie Du Dich sicher und wohl fühlst. Viele Grüße Heike
Danke für den Tipp, Ich habe neulich Holunderblüten in Pfannkuchenteig ausgebacken, aber nicht gesüßt sondern ein wenig Salz an den Teig gemacht, es war keine Delikatesse, beim nächsten Mal mache ich etwas Sirup dran. Mein Mann sprach schon davon Hollersirup herzustellen, besten Dank für das Rezept.
Liebe Grüße Brigitte
Oh ja liebe Brigitte – salzige Hollerküchle sind auch eine wundervolle Idee uns sehr lecker – liebe Grüße Heike
Liebe Heike, heute habe ich ein besonderes Problem. Während Deines Kongresses habe ich das gesamte Kongresspaket gekauft und fand vieles sehr interessant. Bisher habe ich noch nicht alles angesehen, ich mache das je nach Zeit und Bedarf. Nun ist mir ein schrecklicher Fehler passiert, beim Löschen überflüssiger Mails habe ich den Zugang zum Kongresspaket mit gelöscht. Meine Zugangsnummer ist: ZRbAwsHB.
Hast Du eine Möglichkeit das Paket wieder herzustellen, oder was kann ich sonst tun? Ich würde mich sehr freuen wenn ich weiter damit arbeiten könnte.
Ganz liebe Grüße
Brigitte Frenkel
Hallo liebe Brigitte, kein Problem ich habe Dir Deine persönlichen Zugangsdaten einfach nochmals zugesandt. Viel Freude und liebe Grüße Heike
Liebe Heike,
750 ml Zitronensaft für den Sirup ist ganz schön viel. Wie viele Zitronen braucht man dafür?
Liebe Grüße Renate
Hallo liebe Renate, da hast Du vollkommen Recht, das ist sehr viel – ich habe mir dazu fertigen bio Zitronensaft gekauft. Es geht natürlich auch mit weniger Zitronensaft. Aber ich mochte den herrlich erfrischenenden Geschmack.
Für die Haltbarkeit kann man auch Zitronensäure nehmen, ich nehme für einen großen Kochtopf Sirup “nur” etwa 25g (gehen bestimmt auch noch weniger).
Dann wie hier schon geschildert, die Flaschen heißt ausspülen und vollfüllen und das Ganze hält dann über ein Jahr im Keller. Den Sirup koche ich nicht nochmal.
Viele Grüße
Hallo liebe Jessica, vielen Dank für Deinen Beitrag. Ja das stimmt. Zitronensäure erhöht die Haltbarkeit. Ich persönlich verzichte jedoch auf die Verwendung von Zitronensäure da sie im Verdacht steht, die Blut-Hirn-Schranke zu öffnen für Stoffe, die nicht ins Gehirn gehören (zb Alluminium). Ich verwende statt dessen den Saft von Zitronen. Aber das darf jeder für sich entscheiden, wie er es handhaben möchte und von daher stimmt Dein Hinweis voll und ganz. Danke Dir Heike
Oh, das hatte ich noch nicht gehört. Danke für den Hinweis, dann verzichte ich künftig auch und mache halt weniger. Der Sirup hält bei mir schon recht lange, ich verbrauche nicht so viel.
viele Grüße 🙂
Liebe Jessica, ja Zitronensäure wird leider sehr viel und häufig verwendet und ist (aufgrund seiner tollen konservierenden Eigenschaften) in fast jedem Fertiggericht drin. Ich kann Dir aber sagen mit genügend Zucker und Zitronensaft hält es auch sehr lang. Wenn man Zucker jedoch auch reduzieren, bzw austauschen will wird es spannend. Das hält dann nicht so lange. Eine Möglichkeit wäre dann noch einfrieren, was aber wieder Strom kostet. Es ist immer ein Abwägen Liebe Grüße Heike