Online Wildpflanzenschule

Botanik der Pflanzen

Gute Geschichten beginnen immer mit es war einmal…

Die Entwicklung des Lebens

Vor 1,3 Milliarden Jahren – Zeit der Geißeltierchen.
Vor 500 Millionen Jahre – Algen und Moose
vor 400 Millionen Jahren – Farne und Farnähnliche
Vor 300 Millionen Jahre Bärlappgewächse
Vor 290 Millionen Jahre – die ersten Samenpflanzen
– zuerst die Nacktsamer
– dann die Bedecktsamer


Durch die Pflanzenfülle veränderte sich die Atmosphäre (C02 sank und O2 stieg). Dies sind die Pflanzen welche heute in Braunkohlewerken abgebaut werden

 

Entwicklung der Samenpflanzen

1. Die Nacktsamer
(Gymnospermen)

Vor ca. 290 Mio Jahren erfolgte die endgültige Trennung vom Wasser mit der Erschaffung von Sporenbehältnissen.

Zuerst die Nacktsamer mit ungeschützten Samenanlagen wie bei den Nadelbäumen. Sie liegen frei auf der Pflanze. Die Bestäubung durch den Wind war die Regel.

2. Die Bedecktsamer
(Angiospermen)

vor ca. 130 Mio Jahren wird der Samen von einem Fruchtknoten umgeben – die Geburtsstunde der Bedecktsamer. Aus diesen Fruchtknoten entwickeln sich später nun die Früchte.
Die Blütenpflanzen gehören zu den Bedecktsamern.
Dadurch war erst die Entwicklung der Insektenwelt möglich, da sich die Insekten von dem Nektar/Pollen der Blütenpflanzen ernähren.

Bedecktsamer werden noch weiter in Einkeimblättrige und Zweikeimblättrige Pflanzen unterschieden. Das Keimblatt ist das erste Blatt, welches bei einer Pflanze entsteht. Jedes weitere Blatt entspricht nicht mehr den Keimblättern. 

Einkeimblättrige

Zb. Bei Gräsern

Zweikeimblättrige

Zb. Beim indischen Springkraut

Kommen wir nun zur Pflanzensystematik: Es handelt sich dabei um ein theoretisches Modell um die Pflanzenwelt einzuordnen

  • Aristoteles – griechischer Philosoph und Naturforscher (384 – 322 v. Chr.) hat Pflanzen versucht nach Lebensweise und Aussehen einzuteilen. Er hat von einfach nach komplex beschrieben. Je mehr Pflanzen jedoch beschrieben wurde, desto unübersichtlicher wurde es.
  • Die allgemein gültige Beschreibungen gibt es erst seit Carl von Linné (1707 – 1778). Er hat die bis heute gültige Namensgebung eingeführt. Er hat aus römischen und griechischen Pflanzenbüchern 1753 hat er sein Werk „ Spécies planatárum“ entwickelt und veröffentlicht. So haben heute viele Pflanzennamen einen lateinischen oder griechischen Ursprung.
  • Heute kommt noch die Genetik dazu. Da kann es vorkommen, dass Pflanzen aus einer Gattung einer anderen Gattung zugeordnet werden.

allgemeine gültige Beschreibungen von Carl von Linné

  • Die Pflanzen werden durch zwei Wörter beschrieben (binäre Nomenklatur)
  1. Das erste bezeichnet die Gattung
  2. Das zweite (kleingeschriebene) bezeichnet die Art
  • Zb beim Weissen Gänsefuß (Chenopodium album) beschreibt   Chenopodium die Gattung Gänsefußgewächse und album die weisse Farbe der Blüte.

Diese Beschreibungen sind auf der ganzen Welt identisch. Es gibt viele volkstümliche Namen, welche oft für Verwirrung sorgen, aber diese Namensgebung ist international. Wenn man sich also sicher sein möchte, dass man von derselben Pflanze spricht, sollte man diese Bezeichnungen verwenden.

Nun kommen wir zum Aufbau der Pflanzen:

Um Pflanzen besser unterscheiden zu können, werden bestimmte Teile der Pflanze näher betrachtet:

Blüten
Blütenformen
Blütenstände
Früchten
Wurzeln
Stängel
Blätter
Wurzel

Die Wurzel:

Sind die unterirdischen Pflanzenteilen
Dient der Verankerung im Boden
Dient der Aufnahme von Wasser – und Nährstoffen
Speichert Reservestoffe

Wir unterscheiden vier verschieden Wurzelarten:

Die Sprossachse:

Der Spross sind alle oberirdischen Pflanzenteile und
wächst dem Licht entgegen

Es werden folgende Sprossachsen unterschieden:

Alle oberirdischen Pflanzenteile
Ein Stängel ist eine krautige Sprossachse
Ein Halm zb bei Gräsern
Schaft bezeichnet nur ein Stängelglied wie beim Löwenzahn
Stamm nennt man über viele Jahre wachsende und verholzende Sprossachse

Der Stängel/ Stamm dient dem:

Transport von Wasser und Nährstoffe in die Blätter und Blüten
Trägt die Blätter/ Festigkeit
Grüne Stängel können auch Photosynthese betreiben

Die Blätter:

Bei den Blättern können folgende Merkmale unterschieden werden:

Blattrand
Blattstellung
Zusammengesetzte Blätter
Einfache ungeteilte Blätter
Blattansatz

Blätter dienen:

Photosyntese (Zuckererzeugung)
Atmung (Zuckerabbau – Wasserdampfabgabe an die Umwelt über Spaltöffnungen)

Es gibt unterschiedliche Arten von Blätter: Keimblätter und Laubblätter
Keimblätter gibt es einkeimblättrig und zweikeimblättrig
Alles danach sind die Laubblätter
Die Blattoberfläche ist auch immer verschieden. Manche haben zb eine wachsartigen Schicht. Dieser schützt die Pflanze zb speziell vor Wasserverlust.

Die Blüten:

Die Blüten dienen der Fortpflanzung
Bei der Fortpflanzung unterscheidet man die
Fremdbestäubung (Wind, Insekten – Anlockung durch Farben, Nektar, Pollen, Formen, äth. Öle)
Selbstbestäubung

Wie läuft die Befruchtung ab:  

Die männlichen Blütenpollen kommen auf die weibliche Narbe
Der Griffel leitet die Samen in die Eizelle im Fruchtknoten
Der männliche Blütenpollen verschmilzt mit der Eizelle und sie beginnt zu wachsen
So entsteht im Fruchtknoten die Frucht, welche auch den Samen enthält.

Früchte

Es gibt die verschiedensten Fruchtformen:

Diese Früchte/ Samen werden weiterverbreitet, durch:

  • Wind (z.b. Birke)
  • Tiere (fressen und scheiden die Samen mit dem Kot an anderer Stelle wieder aus oder es werden Nüsse als Vorrat vergraben und vergessen)
  • Selbstverbreitung (Ahorn, Löwenzahn)
  • Wegschleudern (Springkraut)
  • Anhängend (zb Klette)

Photosynthese

Die Photosynthese findet in allen grünen Pflanzenteilen statt. In den grünen Pflanzenteilen befindet sich das Chlorophyll.

Mit Sonnenlicht, CO2 und Wasser wird im inneren des Blattes Sauerstoff, Wasser und Glucose (Monosacharid) hergestellt. Der Pflanze geht es eigentlich nur um die Glucose, welche wiederum in Stärke (Polysacharid) umgewandelt wird. Diese Stärke benötigt die Pflanze um sich Fette und Eiweisse herzustellen. Sie lagert die Stärke auch in den Wurzeln ein für später oder auch für Pflanzen und Pilze um sie herum als Tauschwährung.

Wasser und Sauerstoff ist eigentlich nur ein Nebenprodukt der Pflanze.

Ohne Pflanzen gibt es keinen Sauerstoff
Wir Menschen brauchen Sauerstoff zum Leben
Photosynthese ermöglicht uns das Leben auf der Erde

Das Geschenk der Pflanzen an uns.

Ein Baum produziert pro Stunde ca 1 kg Sauerstoff/ halbiert man die Summer für Laubbäume (im Winter kein Laub) auf 500 g kann ein Baum ca. 12 Menschen mit Sauerstoff versorgen (Quelle: ZEIT Nr 47/2019).

Es liegt an uns, Ihnen mit dem Ihnen gebührenden Dank und Respekt gegenüber zu treten und zu behandeln!

Betrachtet die Welt um uns mit diesen Augen – welch Wunder!

Die Pflanzenfamilien

Wir tauchen nun ein in die Welt der Pflanzenfamilien. Alle Blütenpflanzen lassen sich einer dieser Familien zuordnen.

Beginnen wir gleich mit der Familie mit vielen giftigen Vertretern:

Die Doldenblütengewächse (Apiaceae)

Die Blätter sind meist wechselständig und zusammengesetzt

Blattscheide häufig auffällig ausgebildet

Stängel meist hohl

Blüten bestehen aus zusammengesetzten Dolden

Inhaltsstoffe sind meist Alkaloide, Cumarine, Furamocumarine

(Hautreaktionen auf UV-Licht – Blasenbildend)

RISIKO: in dieser Gruppe gibt es sehr viele giftige Vertreter (auch tödliche Arten wie

der Schierling)  welche auch von Experten nur schwer erkannt werden können.

Bitte nur bei absoluter Sicherheit verwenden.

Eine Verwechslung kann tödlich enden. Jedoch sind in dieser Gruppe auch viele unserer Gewürz und Gemüsepflanzen (wie Möhre, Sellerie, Fenchel, Anis, Kümmel, Petersilie, Dill, Engelwurz,  Koriander, Liebstöckel)

Wilde Vertreter:

  • Giersch – Aegopodium podagraria
  • Möhre – Daucus carota
  • Pastinak – Pastinaca sativa
  • Wiesenbärenklau – Heracleum sphondylium
  • Fenchel – Foeniculum vulgare
  • Wiesenkerbel – Anthriscus sylvestris
  • Gefleckter Schierling – Conium maculatum – GIFTIG!
  • Wasserschierling – Cicuta virosa – GIFTIG!
  • Hundspetersilie – Aethusa cynapium – GIFTIG! Wächst gern in Gärten

Merksatz:

Ist der Stängel kantig und Rau ist es wohl der Wiesenbärenklau

Ist er dazu noch rot und fleckig geht es Dir alsbald richtig dreckig (Schierling)

Korbblütengewächse (Asteraceae)

Sie bilden ein Blütenköpfchen (Körbchen) in welchem zahlreiche Einzelblüten zusammengefasst sind entweder oder aus Zungenblüten (meist außen – dienen nur der Anlockung) und Röhrenblüten (innen- dienen der Befruchtung) bestehen und eine Blüte vortäuschen. (Bei Disteln gibt es zb nur Röhrenblüten)

Haben oft einen Flugschirm – Samen hat Flugapparat
Blätter sind meist sehr stark gezähnt, manche haben sogar Stacheln
Oft gibt es eine bodenständige Rosette und eine Pfahlwurzel.
Sie enthalten oft Bitterstoffe, äth. Öle, manchmal Alkaloide (zb die Pyrrolizidinalkaloid beim Huflattich) und Inulin in der Wuzel, Öle in den Früchten (zb Sonnenblume)
Fast alle einheimischen Korbblütengewächse sind essbar.
Aufpassen muss man bei den Greis- oder Kreuzkräutern – diese sind giftig! Bei ihnen sind die Zungen- und Röhrenblüten meist gleich gefärbt. Die Gänsedisteln kann man
mit dem Giftlattich (Lactuca virosa) verwechseln. Er ist an der Mittelrippe an der Unterseite bestachelt).

Beispiele:

  • Löwenzahn – Taraxacum officinale – nur Zungenblüten
  • Wegwarte – Cichorium intybus – nur Zungenblüten
  • Gänseblümchen – Bellis perenis
  • Gänsedistel – Sonchus asper
  • Schafgarbe – Achillea millefolium
  • Huflattich – Tussilago farfara
  • Knopfkraut – Galinsoga parviflora
  • Rainkohl – Lapsana communis
  • Kamille – Matricaria chamomilla
  • Arnika – Arnica monatana
  • Ringelblume – Calendula officinalis
  • Mutterkraut – Tanacetum parthenium
  • Sonnenblut – Echinacea purpurea
  • Huflattich – Tussilago farfara

Kreuzblütengewächse – Brassicaceae

  • Der Name kommt von den Blüten – sie stehen im Kreuz und haben immer 4 grüne Kelchblätter und 4 Kronblätter und bilden meist Schoten mit rundem oder ovalem Querschnitt aus.
  • Blätter sind meist gefiedert und manche auch borstig behaart
  • Die Blätter sind meist grundständige Blattrosetten, Blätter sind Wechselständig.

Sie enthalten meist scharf schmeckende Senfölglykoside (Schwefel), Vit. C, ätherische Öle und Fette in den Samen

Aus dieser Familie gibt es viele Nutzpflanzen, wie Raps, Senf, Rettich, Radieschen, Kresse, Brokkolie, Grünkohl, …

Man kann sie mit Schöteriche (Erysimum speciale) verwechseln. Diese enthalten herzaktive Glykoside. Unser Garten Goldlack gehört zu dieser Gattung. Die Schoten haben meist einen vierkantigen Querschnitt – Also Finger weg!

Wilde Vertreter sind:

  • Wiesen Schaumkraut – Cardamine pratensis
  • Hirtentäschel – Capsella bursa pastoris
  • Knoblauchsrauke – Alliaria petiolata
  • Brunnenkresse – Nasturtium officinale
  • Meerrettich – Armoracia rusticana

Lippenblütengewächse – Lamiaceae

  • Die Blüten haben nur eine Symmetrieachse und haben vollständig verwachsene
    Blütenblätter zu einer Ober – und Unterlippe
  • Blüten sind meist quirlständig um den Stängel angeordnet
  • Es gibt einen vierteiligen Fruchtknoten
  • Blätter sind meist kreuz gegenständig und haben einen gesägten Blattrand.
  • Sie sind auch meist behaart
  • Stängel ist immer vierkantig und innen hohl


Viele Heilpflanzen sind in dieser Familie zu finden, wie der Rosmarin,

Inhaltsstoffe: äth. Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide

Wilde Vertreter:

  • Weisse Taubnessel – Lamium alba
  • Gefleckte Taubnessel – Lamium maculatum
  • Kleine Taubnessel – Lamium purpureum
  • Goldnessel – Lamium galeobdolon
  • Gundelrebe – Glechoma hederacea
  • Dost – Origanum vulgare
  • Quendel/ wilder Thymian – Thymus pulegiodes
  • Wald-Ziest – Stachys sylvatica

Rosengewächse – Rosaceae

Es handelt sich um eine sehr große Pflanzenfamilie

Alle Arten unseres Stein- (Zwetschge) und Kernobstes (Apfel) gehören dazu, aber auch
viele andere wundervolle Pflanzen wie unsere Hagebutte, die Schlehe, Brombeeren,
Himbeeren, Erdbeeren gehören dazu und noch viele weitere wilde Pflanzen, welche
sehr wichtig sind, wie unser Mädesüss und auch die Nelkenwurz, welche uns so
wundervoll durch den Winter begleitet.

  • Sie haben immer 5 Kron- oder auch Blütenblätter.
  • Diese sind aussen abgerundet und stehen einzeln.
  • Aus ihnen entwicklet sich meist eine leckere Frucht
  • In der Blüte gibt es viele Staubgefäße
  • Unter der Blüte gibt es immer grüne Kelchblätter (damit lassen sie sich wunderbar von den giftigen Hahnenfußgewächsen unterscheiden – ebenso durch die lack/ glänzende gelbe Farbe der Blüten)

Wilde Vertreter:

  • Schlehe – Prunus cerasifera
  • Heckenrose – Rosa canina
  • Felsenbirne – Amelanchier ovalis
  • Mandeln – Prunus dulcis
  • Odermennig – Agrimonia eupatoria
  • Erdbeere – Fragaria xx
  • Mädesüß – Filipendula ulmaria
  • Kirschpflaume – Prunus cerasifera
  • Traubenkirsche – Prunus padus

Lauchgewächse – Alliaceae

Lauchgewächse gehören zu den Einkeimblättrigen Pflanzen (Monocotyledonen)
Einheitliche Merkmale sind:

  • Zwiebelwurzel
  • Keine Verzweigungen
  • Typische Lauchblüte – kugeliger Kopf aus zusammengesetzten Blüten
  • Blätter – entweder Röhren (innen hohl) oder lange Blätter mit parallelen Blattnerven
    Verholzen nie – immer nur einjährig
  • Inhaltsstoffe – Lauchöle, Schwefelverbindungen – haben eine antibakterielle Wirkung)

Wilde Vertreter:
Bärlauch – Allium ursinum
Wilder Schnittlauch – Allium schoenoprasum
Vertreter bei den Nutzpflanzen:
Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Zwiebeln, Herbstlauch, ….

RISIKO: hier gibt es wieder einige giftige Vertreter wie zb das Maiglöckchen und die Herbstzeitlose

Zusammenfassung der Charakteristischen Inhaltsstoffen der Pflanzenfamilien:

Doldenblütengewächse – Apiaceae
Ätherische Öle
Korbblütengewächse – Asteraceae
Inulin (in der Wurzel), Bitterstoffe
Kreuzblütengewächse – Brassiaceae
Scharfstoffe
Lippenblütengewächse – Lamiaceae
Äth. Öle/ Mediterane Küche/ Heilpflanzen
Rosengewächse – Rosaceae
Pektine, Blausäure, Fruchtzucker
Die Lauchgewächse – (Alliaceae)
Scharfstoffe